Die Debatte um eine mögliche Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium gewinnt an Fahrt. Nach langen Debatten fordert nun auch der Landeselternbeirat G9. Das hat das Gremium am Mittwoch beschlossen.
„Der Landeselternbeirat Baden-Württemberg spricht sich mehrheitlich für G9 an den allgemeinbildenden Gymnasien im Lande als Regelfall mit einer individuellen Verkürzungsmöglichkeit auf G8 aus“, heißt es in dem Beschluss, der dieser Zeitung vorliegt.

Eltern wollen politisch aktiv werden

Unabhängig davon müssten „umgehend und bedingungslos“ für alle Schularten mehr Lehramtsstudien-plätze geschaffen sowie „ausreichend Lehrkräfte“ eingestellt werden. Ein „besonderer Schwerpunkt“ müsse auf den Grundschulen liegen.
„Wir werden jetzt dazu das Gespräch mit den bildungspolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen suchen“, kündigte der Vorsitzende des Beirats, Michael Mittelstaedt, an. G8 sei in verschiedener Hinsicht gescheitert, auch wenn es für einzelne Schüler der richtige Weg sein könne.
In Baden-Württemberg wurde die gymnasiale Schulzeit 2012 von neun auf acht Jahre verkürzt. Seitdem ist G8 die Regel, es gibt lediglich 44 Modellschulen im Land, an denen G9 die Regel ist. In den vergangenen Monaten nahm die Debatte über eine Rückkehr zu G9, wie sie andere Bundesländer beschlossen haben, an Fahrt auf. Umfragen unter Eltern zeigen, dass diese G8 ablehnen. Als Kritikpunkte werden immer wieder übervolle Schultage und Stress für Schüler genannt.
Wie die Landesregierung mit dem wachsenden Druck der Eltern umgeht, bleibt abzuwarten. Grün-Schwarze hat jegliche Veränderungen der Schulstruktur im Koalitionsvertrag ausgeschlossen. Grundsätzlich ist man über Kreuz: Während die Grünen eine Rückkehr zu G9 ablehnen und perspektivisch eher einen Ausbau der gebundenen Ganztagsschule befürworten, gibt es in der CDU große Sympathien für eine Rückkehr.
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