Zugunglück bei Riedlingen
: Bergung von Regionalexpress ist abgeschlossen – Bahnchef kommt zu Gedenken

Die Aufräumarbeiten an der Unfallstelle sind kompliziert, mittlerweile wurden aber alle Wagen abtransportiert. Zum Gottesdienst und weiteren Veranstaltungen am Freitag gibt es neue Details.
Von
Tanja Wolter,
dpa
Riedlingen
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Nach dem Zugunglück in Oberschwaben: 30.07.2025, Baden-Württemberg, Riedlingen: Ein verladener Zug Wagon steht an der Unfallstelle, an der ein Regionalzug entgleist ist. Ein Regionalexpress war am Sonntagabend (27.07.2025) in Riedlingen nach bisherigen Erkenntnissen infolge eines Hangrutsches entgleist. Foto: Jason Tschepljakow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein verladener Wagon steht am Mittwoch an der Unfallstelle. Wann die Bergung des entgleisten Zuges abgeschlossen werden kann, ist noch unklar.

Jason Tschepljakow/dpa
  • Zugunglück bei Riedlingen: Drei Tote, 36 Verletzte – Bergung des letzten Wagens läuft.
  • Bahn-Chef Lutz nimmt am ökumenischen Gedenkgottesdienst am Freitag in Zwiefalten teil.
  • Notfallseelsorge bietet am Freitag in Zell-Bechingen Treffen für betroffene Bürger an.
  • Ermittlungen laufen – Staatsanwaltschaft prüft Hinweise auf mögliche Straftat.
  • Strecke bleibt gesperrt, genaue Schäden werden nach Bergung untersucht.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Nach dem tragischen Zugunglück von Riedlingen mit drei Toten und 36 Verletzten wird auch Bahn-Chef Richard Lutz am ökumenischen Gedenkgottesdienst am Freitag in Zwiefalten teilnehmen. Das teilte die Evangelische Landeskirche in Württemberg mit, die gemeinsam mit der Diözese Rottenburg-Stuttgart zu dem Gottesdienst im Münster Unserer Lieben Frau in Zwiefalten einlädt.  Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn (DB) werde mit einer Delegation kommen. Auch Vertreterinnen und Vertreter weiterer Institutionen würden erwartet, hieß es.

Das SWR-Fernsehen wird den Angaben zufolge den Gedenkgottesdienst, der um 11 Uhr beginnt, live übertragen. Klaus Krämer, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, und Ernst-Wilhelm Gohl, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, werden ihn gemeinsam zelebrieren.

Notfallseelsorge lädt betroffene Bürger ein

Die Notfallseelsorge im Landkreis Biberach lädt ebenfalls am Freitag (1. August, 18 Uhr) im Bürgerhaus Zell-Bechingen zu einer Zusammenkunft ein, um das Ereignis zu verarbeiten. Alle betroffenen Bürgerinnen und Bürger seien zu dieser Informations- und Austauschveranstaltung herzlich willkommen, heißt es auf der Homepage der Notfallseelsorger. „Gemeinsam möchten wir Raum für eine Zusammenkunft, Orientierung und Ihre Fragen und Anliegen schaffen.“ Fachkräfte der psychosozialen Notfallversorgung würden erklären, welche Reaktionen in solchen Ausnahmesituationen normal seien und welche Wege der Bewältigung unterstützen könnten.

Letzter Wagen ist geborgen

An der Unglücksstelle fand unterdessen die Bergung des letzten Wagens statt – diese war am Mittwochnachmittag beendet, wie die Deutsche Bahn gegen 16.15 Uhr bekannt gab.

Während die bisherigen drei Wagen mithilfe eines Spezialkrans aus dem Gleisbereich herausgehoben und mit einem Tieflader zu einem Firmengelände in der Region transportiert wurden, erfolgte der Abtransport des vierten Wagens über einen unbeschädigten Schienenabschnitt.

Noch am Mittwoch soll laut Bahn die Begutachtung der Schäden beginnen. Expertenteams inspizieren dazu mehrere hundert Meter Infrastrukturanlagen, um Schienen, Schwellen, Erdmaterial und weitere Komponenten der Trasse sorgfältig zu untersuchen. Wann der Zugbetrieb auf der Strecke wieder aufgenommen werden kann? „Erst wenn die Reparaturen der Schäden begonnen haben, lässt sich das prognostizieren“, so die Mitteilung der Bahn.

Ermittlungen gehen weiter

Auch zu den laufenden Ermittlungen gebe es zunächst keine Neuigkeiten, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Ravensburg, Christian Weinbuch. Die Staatsanwaltschaft habe ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Ein solches Verfahren sei bei nicht natürlichen Todesfällen üblich, so der Sprecher. Es werde nicht wegen einer konkreten Straftat ermittelt, sondern geprüft, ob es Anhaltspunkte für eine solche geben könnte.

Abwasserschacht kurz vor Zugunglück geprüft

Zuständig für den Abwasserschacht ist das Landratsamt Biberach. Das hat ein Sprecher der Behörde gegenüber der SÜDWEST PRESSE bestätigt. „Die Funktionsfähigkeit der Schächte wird im Zuge der Streckenkontrolle kontinuierlich überprüft“, heißt es in der Mitteilung. „Darüber hinaus findet im Frühjahr und Herbst eine Spezialwartung der Schächte statt.“ Nach größeren Wetterereignissen werde „die Funktionalität zusätzlich geprüft“.

Wie der Pressesprecher erklärt, fand die letzte Überprüfung des Schachtes nahe der Bahnstrecke am 21. Juli 2025 statt. Mit Blick auf den schweren Bahnunfall teilt das Landratsamt mit: „Nach unserer Kenntnis ist der betroffene Schacht aufgrund der großen Wassermenge überlaufen.“ Die Behörde geht also nicht davon aus, dass der Abwasserschacht vor dem Überlaufen verstopft war.