Zugbegleiter bei Landstuhl getötet
: Palmer prangert an – „Wer auf Regeln besteht, lebt gefährlich“

„Der Regelbruch gilt als Bagatelle“ – nach dem Tod eines Zugbegleiters fordert der Tübinger OB mehr Respekt für Regeln ein. Das belegt er auch mit einem persönlichen Erlebnis.
Von
Roland Müller
Tübingen
Boris Palmer

„Warum gibt es keine Sicherheit durch Solidarität von Mitreisenden mehr?“ Der Tübinger OB Boris Palmer hatte ein Erlebnis in einem Zug, das ihn nachdenklich macht.

Christoph Schmidt/dpa
  • Tübingens OB Boris Palmer berichtet von Streit im Zug um 1.-Klasse-Nutzung.
  • Jugendlicher mit Deutschlandticket beleidigte Palmer: „Halt die Fresse“.
  • Fahrgäste solidarisierten sich mit Regelbrecher, filmten und kritisierten Palmer.
  • Palmer: Kein erkennbarer Migrationshintergrund, Problem betrifft „uns selbst“.
  • Nach Tod eines Zugbegleiters fordert Palmer mehr Respekt für Regeln und Vollzug.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer ist nach eigenen Angaben in einem Zug mit mehreren Menschen aneinandergeraten – und stellt angesichts der tödlichen Prügel-Attacke gegen einen Zugbegleiter grundsätzliche Fragen über gesellschaftliche Entwicklungen. Diese Auseinandersetzung sei exemplarisch in der Gesellschaft: „Immer wieder ist zu beobachten, dass sich Fahrgäste oder Passanten in Konfliktsituationen solidarisch zeigen – allerdings nicht mit Vollzugsbediensteten, sondern mit den Personen, mit denen diese gerade in Auseinandersetzung stehen“, schreibt Palmer in einem Post auf Facebook.

Ausgangspunkt des Streits war laut Schilderungen von Palmer ein Jugendlicher, der sich trotz fehlender Berechtigung bewusst in die erste Klasse des Zuges im Stadtgebiet gesetzt hatte. Als Palmer ihn darauf hinwies, dass ein Deutschlandticket nicht für die erste Klasse gilt, habe der Jugendliche mit der Beleidigung „Halt die Fresse“ reagiert.

Mit Deutschlandticket in der ersten Klasse

Palmer gab sich dann laut seiner Schilderung per Dienstausweis als Leiter einer Ortspolizeibehörde zu erkennen und wies auf die rechtlichen Folgen hin. Mehrere Fahrgäste sollen sich eingemischt haben – allerdings nicht unterstützend, sondern kritisch gegenüber Palmers Vorgehen.

Ein Fahrgast soll demnach begonnen haben, die Situation zu filmen, andere warfen Palmer Grenzüberschreitungen vor. Eine weitere Mitreisende, die sich später als Lehrerin zu erkennen gab, stellte laut Palmer die Relevanz des Regelverstoßes grundsätzlich infrage und bewertete das Einschreiten als unangemessen. Sie habe den Hinweis ignoriert, dass es sich um eine Ordnungswidrigkeit gehandelt habe.

Klarstellung von Palmer: Kein Migrationshintergrund im Spiel

Inzwischen ergänzte Palmer seinen Post mit einer Klarstellung, weil einige Kommentare auf Facebook „in die falsche Richtung“ gingen: „Keiner der beteiligten Personen hatte einen erkennbaren Migrationshintergrund. Es ist völlig falsch, dieses Phänomen einfach abzuschieben auf andere. Das sind schon wir selbst.“

Palmer nahm inzwischen auch auf den Tod des Zugbegleiters Bezug, der seinen Verletzungen nach einer brutalen Prügel-Attacke erlegen war. „Es fängt im Alltag an, aber es hört erst auf, wenn Menschen tot sind“, schreibt Palmer auf seinem Facebook-Profil. „Der Regelbruch gilt als Bagatelle, wer auf Regeln besteht, lebt gefährlich. Auf Dauer kann eine Gesellschaft das nicht gut überstehen.“

Er frage sich, mit welchem Gefühl  Zugbegleiter auf so eine Nachricht reagierten und zur Arbeit gingen. „Ich erhalte nach dem Vorfall gestern zig Nachrichten von Menschen, die genau dasselbe Phänomen erlebt haben: Solidarität immer mit dem Regelbrecher. (...) Wir dürfen nicht zur Tagesordnung übergehen. Wir müssen Regeln und Respekt einfordern.“

Mit Material von dpa.