Zug-Unglücke in BW: Wo und wann in den vergangenen Jahren Züge entgleist sind

Ob bei Freiburg (oben links), in Gomadingen (oben rechts), Blaustein (unten links) oder Horb (unten rechts): In den letzten Jahren gab es in BW einige entgleiste Züge.
Patrick Seeger/dpa, Thomas Kiel, Joachim Striebel, Bundespolizeiinspektion Offenburg- Zugunglück bei Riedlingen forderte drei Tote und über 40 Verletzte – Ursache war ein Erdrutsch.
- Ähnlicher Vorfall 2024 bei Schwäbisch Gmünd: ICE entgleiste durch Erdrutsch, keine Verletzten.
- Meiste Entgleisungen in BW verliefen glimpflich, oft nur Sachschäden durch technische Defekte.
- Tragische Unfälle: Lokführer starb 2020 bei Freiburg, weitere schwere Verletzungen in Blaustein 2022.
- Häufung von Vorfällen in Horb – mehrere Entgleisungen seit 2020, aber keine Personenschäden.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mindestens drei Tote und über 40 Verletzte: So lautet die aktuelle traurige Bilanz des Zug-Unglücks vom Sonntagabend bei Riedlingen. Das Ausmaß der Katastrophe ist noch kaum überschaubar, Forschungen zum Hintergrund des Unfalls dauern an.
Sollte sich der aktuelle Stand der Ermittlungen bewahrheiten, dass ein von Starkregen ausgelöster Erdrutsch der Grund dafür war, dass der betroffene Regionalexpress entgleiste, teilt der Unfall viele Gemeinsamkeiten mit einer Zug-Entgleisung im vergangenen Jahr. Am 01.06.2024 wurde der ICE 510, der von München nach Köln unterwegs war, bei Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) kurz vor Mitternacht in voller Fahrt ebenfalls von einem Erdrutsch erfasst. Die Schlamm- und Geröllmassen, die sich im Zuge von starken Unwettern gelöst hatten, „lupften“ die ersten beiden Waggons des Zugs „regelrecht aus den Schienen“, wie eine Sprecherin der Bundespolizei berichtete. Im Gegensatz zum Vorfall bei Riedlingen ging dieser Vorfall aber glimpflich aus: Es gab keine Verletzten, die 185 Reisenden wurden evakuiert und mit Bussen nach Stuttgart gebracht.
Bei der Mehrheit der vergangenen Zugentgleisungen in BW gab es keine Personenschäden
Ohnehin gab es bei den meisten Zug-Unfällen in Baden-Württemberg in den vergangenen fünf Jahren meist keine größeren Toten- oder Verletztenzahlen zu beklagen. Unglücke ereignen sich zwar immer mal wieder, bei diesen werden aber meist einzelne Fußgänger oder kleine Fahrzeuge mit wenigen Insassen auf den Gleisen erfasst – tragisch genug, aber in der Regel ohne Folgen für Lokführer und Fahrgäste, abgesehen vom Schock.
Selbst größere Vorfälle, bei denen Züge gleich entgleisen, sind in der jüngeren Vergangenheit glücklicherweise überwiegend glimpflich verlaufen. Einen Schwerpunkt bildet dabei Horb (Kreis Freudenstadt): Im Januar 2020 rutschte ein IC vor dem Horber Bahnhof von den Schienen, die etwa 100 Reisenden blieben unverletzt. Im Oktober desselben Jahres war Horb erneut Schauplatz einer Entgleisung – dieses Mal war der Triebwagen der Kulturbahn nach Pforzheim betroffen. Auch hier gab es keine Verletzten, allerdings liefen aus einem beschädigten Kraftstofftank über 200 Liter Diesel in den Neckar. Im April 2021 entgleisten dann noch mehrere Waggons eines Güterzugs – wiederum in der Nähe des Horber Bahnhofs und wiederum wurden keine Menschen in Mitleidenschaft gezogen. Für die Vorfälle wurden entweder technische Fehler – zum Beispiel ein aus aus den Schienen gesprungenes Drehgestell – oder Fehlverhalten von Bahnmitarbeitern verantwortlich gemacht.
Aber auch außerhalb von Horb gab es entsprechende Fälle entgleister Güter- oder Personenzüge: im September 2020 im Bahnhofsbereich Bietigheim-Bissingen, im Juni 2023 zwischen Tübingen und Rottenburg, oder erst vor einem Monat, im Juni 2025, auf der Bahnstrecke in Singen (Kreis Konstanz): Hier wurde bei der Entgleisung eine Oberleitung beschädigt und ein Strommast umgeknickt – der gesamte Bahnhof war danach ohne Strom. In all diesen Fällen sprangen die Bahnen bei Rangierfahrten aus den Schienen, zu Personenschäden kam es also nicht. Die Erklärung: technische Defekte oder „menschliches Versagen“.
Lokführer stirbt bei Zusammenstoß mit Brückenteil auf der Schiene
Doch es kam in den vergangenen fünf Jahren leider auch zu einigen Zug-Unglücken, die tragisch ausgingen. So entgleiste ein Güterzug, der mehrere Lastwagen geladen hatte, als er im April 2020 in der Nähe von Freiburg frontal in ein mehr als 100 Tonnen schweres Betonteil krachte. Dieses hatte sich von einer abbruchreifen Brücke gelöst und war auf die Schiene gefallen. Der 51-jährige Lokführer überlebte den Zusammenstoß nicht, zwei weitere Personen wurden leicht, eine Person schwer verletzt.
Im Mai 2022 kam es in Blaustein-Arnegg (Alb-Donau-Kreis) zu einem schweren Zug-Unfall: Durch eine Unfallaufnahme der Polizei in der Nähe eines Bahnübergangs bildete sich ein Rückstau – ein Busfahrer hielt dabei aber nicht vor den Gleisen, sondern mitten darauf. Als sich daraufhin die Schranken schlossen, konnte nicht mehr verhindert werden, dass der herannahende Zug mit dem fahrgastlosen Bus zusammenstieß. Letzterer wurde dadurch auf eine Wiese neben den Gleisen geschleudert, fing Feuer und brannte vollständig aus. Der Busfahrer zog sich lebensgefährliche Verletzungen zu und musste reanimiert werden, stabilisierte sich später aber wieder. Der Führer des entgleisten Zugs wurde schwer, elf der 74 Fahrgäste im Zug mittelschwer oder leicht verletzt.
Im Januar 2024 erfasste ein Triebwagen der Schwäbischen Alb Bahn (SAB) in Gomadingen (Kreis Reutlingen) ein mit Altpapier beladenes Müllauto, dessen Fahrer eine rote Ampel missachtet und damit auf den Marbacher Bahnübergang gefahren war. Bei der dadurch verursachten Entgleisung riss der Zug ein Betonhäuschen mit der Signalsteuerung des Bahnüberganges mit sich, ehe er anschließend zur Seite fiel. Fahrgäste hatte die Bahn zu dem Zeitpunkt zwar nicht geladen, allerdings wurden der Lokführer leicht und der Zugbegleiter schwer verletzt – dieser war zwischen der Waggontür und einer Trittstufe eingeklemmt worden. Der Unfallverursacher wurde später wegen eines „fahrlässig gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr“ und „fahrlässiger Körperverletzung“ zu einer Geldstrafe verurteilt, außerdem wurde ihm der Führerschein entzogen.


