Kinderleiche in Bingen gefunden: Vermisste Zweijährige tot aus Fluss geborgen – Obduktion geplant

Mehrere Taucher suchten seit Sonntag in einem Fluss bei Bingen nach der Zweijährigen. Am Dienstagmittag wurde sie tot geborgen.
dpa; Collage: BefunkyNach zweitägiger Suche gibt es in Bingen (Kreis Sigmaringen) nun traurige Gewissheit: Das tot aus einem Fluss im schwäbischen Bingen geborgene Kind ist das seit Sonntagabend vermisste Mädchen. Das bestätigte die Polizei in Ravensburg auf Anfrage. Die Zweijährige sei zweifelsfrei am Dienstag identifiziert worden. Der Leichnam des Mädchens wurde am Dienstagvormittag (19.12.) kurz vor dem Ortseingang Hitzkofen – einem Teilort von Bingen – von einem Taucher entdeckt. Seit Sonntag suchten Helfer in der Gegend nach der vermissten Zweijährigen.
Nach Tod der Zweijährigen: Obduktion beantragt
Wie konnte es zu dem Unglück kommen? Von einem Verbrechen geht die Polizei aktuell nicht aus. „Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt keinen Hinweis auf eine Straftat und haben auch keine konkreten Ermittlungen gegen irgendjemanden eingeleitet“, sagte Polizeisprecher Christian Sugg am Dienstagnachmittag in Bingen.
Am Mittwoch (20.12.) bestätigt ein Polizeisprecher, dass die Obduktion des Leichnam beantragt wurde. Die Untersuchungen sollen neue Kenntnisse und vor allem Klarheit bringen. Die Polizei sei dabei, die Umstände des Verschwindens und Todes des Kleinkindes zu ermitteln. „Wir versuchen, zu rekonstruieren“, sagte der Sprecher. Die Ermittler wollen herausfinden, wie das Kind verschwunden und wo es ins Wasser gefallen ist. Es gehe um genaue Zeitabläufe. Auch würden die Befragungen noch ausgewertet. Die Polizei geht nach wie vor von einem Unglück aus.
„Ich hab‘ sie, ich hab’s sie“ - Taucher findet Kinderleiche
Am Dienstag, um kurz nach 11 Uhr, war die Kinderleiche wenige Hundert Meter flussabwärts in der Nähe des elterlichen Wohnhauses entdeckt worden. „Die Leiche hat sich in einem von außen nicht einsehbaren Gestrüpp im Wasser befunden“, sagte Sugg. Aufgrund von Gestrüpp und Strömung war die Suche schwer. Plötzlich ruft einer der Taucher: „Ich hab' sie, ich hab' sie.“ Er zieht einen leblosen kleinen Körper ans Ufer.
Nach Leichenfund: Familie der Zweijährigen informiert
Nach dem Fund kamen zunächst ein Gerichtsmediziner und die Kriminalpolizei dazu. Danach wurde die Familie informiert, die seitdem durch das Kriseninterventionsteam betreut wird. Laut Polizeisprecher Sugg stünden noch weitere Ermittlungen an, etwa zur Frage, ob das Kind selbst aus dem Haus gelaufen sei. „Wir müssen einfach die Gegebenheiten vor Ort überprüfen“, sagte Sugg. Befragungen im Umfeld müssten ausgewertet werden.
Bis zuletzt hatte auch Bürgermeister Fetzer auf einen glücklichen Ausgang der Vermisstensuche gehofft. Nun überwiege die Bedrückung. „Alle lassen den Kopf hängen“, beschrieb er die Stimmung im Ort am Dienstag. Das sei deutlich zu spüren. Ob es eine Trauerfeier für das tote Mädchen geben werde, konnte Fetzer noch nicht sagen. Es sei alles zu frisch.
Taucher suchen in eiskaltem Fluss nach der Zweijährigen
Die Suche nach dem Mädchen in Bingen im Landkreis Sigmaringen war am Dienstag mit zehn Tauchern fortgesetzt worden. Die Experten von der Wasserschutzpolizei suchten im eiskalten Fluss Lauchert nach dem Kind. Nach Auskunft einer Polizeisprecherin kamen die Taucher vom Polizeipräsidium Einsatz. An der Suche beteiligt war auch die DLRG mit einem Boot sowie Sonar-Gerät.
Die Sonarabsuche und die Tauchgänge starteten am frühen Morgen vom Bingener Ortsteil Hitzkofen flussabwärts. Einsatzkräfte der DLRG und der Polizei liefen zusätzlich das Ufer ab und suchten im Gestrüpp entlang des Flussufers.
Polizei suchte mit Spürhunden nach dem Mädchen
Nach dem Kind suchen Rettungskräfte und Polizei im Ort nahe der Schwäbischen Alb seit seinem Verschwinden. Spürhunde der Polizei hatten am Montag eine Spur des Mädchens aufgenommen, die zum Fluss führte. Das Wohnhaus der Familie befindet sich in unmittelbarer Nähe des Flusses.
Entlang der Lauchert hatten Taucher schon am Sonntag nach der Kleinen gesucht – ohne Erfolg. Taucher waren auch an einem Wehr im Wasser. Das Wehr befindet sich zwischen Bingen und Sigmaringendorf, wo die Lauchert in die Donau mündet.
Die Zweijährige hatte ihr Elternhaus offenbar am späten Sonntagnachmittag zwischen 16 und 17 Uhr in einem unbeobachteten Moment im Schlafanzug verlassen. Danach fehlte von ihr jede Spur. Alle Suchmaßnahmen nach der Zweijährigen – unter anderem mit Hubschrauber, Drohnen, Tauchern, Spürhunden und Spurensicherung – blieben zuvor ohne Erfolg. Die Beamten gehen bisher von einem Unglücksfall aus.
Polizei hat keine Hinweise auf Gewaltspuren
Das Kriminalkommissariat Sigmaringen ermittelte nach Angaben des Präsidiums auch im persönlichen und örtlichen Umfeld der betroffenen Familie, um mögliche neue Fahndungsansätze zu erlangen. „Weitergehende Erkenntnisse gab es hier bislang nicht“, teilten die Beamten am Montagabend mit. „Es gibt keine Hinweise auf Spuren von Gewalt“, sagte Polizeisprecher Christian Sugg. Die Eltern des Mädchens waren bei Bekannten außerhalb der Gemeinde untergebracht.
Mit Informationen von dpa.