Umfrage „BaWü-Check“: Mehr Schulden statt Sparen? Mehrheit der Baden-Württemberger ist dafür

Eine Krankenpflegerin und ein Krankenpfleger schieben ein Krankenbett durch den Gang einer Station einer Stuttgarter Klinik. Investitionen in Gesundheit stehen an Platz 1 der Prioritätenliste der Bürger im Südwesten.
Marijan Murat/dpa- 50% der Baden-Württemberger befürworten die Lockerung der Schuldenbremse.
- Investitionen in Gesundheit, Bildung und Sicherheit sind Prioritäten.
- 93% fordern stärkere Gesundheitseinrichtungen, 91% bessere Schul-Ausstattung.
- Viele sparen bei Restaurantbesuchen und Heizkosten aufgrund von Pessimismus.
- 54% sehen die finanzielle Lage des Landes als schlecht.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Braucht es mehr neue Schulden, um das kriselnde Land zu modernisieren – oder soll die Politik eisern sparen und an der Schuldenbremse festhalten? In dieser zentralen Debatte ist eine relative Mehrheit der Menschen in Baden-Württemberg für mehr Neuverschuldung: 50 Prozent der Bevölkerung sind dafür, die Schuldenbremse in Baden-Württemberg zu lockern, um in wichtigen Bereichen mehr zu investieren. 36 Prozent plädieren für einen weiteren Sparkurs, 14 Prozent sind in der Frage unentschieden. Das ist das Ergebnis des aktuellen BaWü-Checks, der repräsentativen Umfrage der baden-württembergischen Zeitungsverlage.

Die Mehrheit in Baden-Württemberg will nicht an der Schuldenbremse festhalten.
SWP/Allensbach/SchererDabei haben die Bürger auch sehr klare Vorstellungen, wo das Geld dringend benötigt werde: Mehr als 93 Prozent der Befragten wollen Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäuser und Sozialstationen stärken, fast ebenso viele (91 Prozent) sehen Investitionsbedarf bei der Ausstattung von Schulen sowie Kindergärten und Kitas (86 Prozent). Auch die Ausstattung der Polizei (81), der Ausbau von Straße und Schiene (81), Wohnungsbau (76) sowie der öffentliche Nahverkehr (73) stehen hoch im Kurs.

Gesundheit, Bildung, SIcherheit und Infrastruktur sind die Prioritäten für die Befragten.
SWP/Allensbach/SchererDie Mehrheiten fürs Sparen sind nicht ganz so deutlich, doch auch sie gibt es in der Umfrage: Sparpotenzial sehen die Bürger bei Kultureinrichtungen wie Theatern und Museen (59 Prozent), der Unterstützung von Sportvereinen (56) sowie lokalen Klimaprojekten wie dem Radwegebau (53 Prozent). Eine Mehrheit könnte sich zudem vorstellen, den Landtag zu verkleinern oder Ministerien zusammenzulegen. 66 Prozent der Befragten sind zudem der Ansicht, dass die Privilegien von Beamten abgeschafft werden sollten.

Die eigene wirtschaftliche Lage schätzen viele Menschen eher durchwachsen ein.
SWP/Allensbach/SchererInsgesamt schlägt die allgemeine Krisen-Stimmung den Baden-Württembergern durchaus aufs Gemüt: Im Vergleich zu früheren Befragungen sehen die Bürger zunehmend besorgt und pessimistisch in die Zukunft. 43 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Deutschland „seine besten Jahre hinter sich hat“. Das zeigt sich auch im Konsumverhalten. Eine Mehrheit schränkt bereits jetzt die eigenen Konsumgewohnheiten ein – und gibt auch weniger Geld aus, etwa für Restaurantbesuche, Urlaubsreisen, Kleidung. 42 Prozent der Befragten sparen laut eigener Aussage aber auch beim Heizen und beim Stromverbrauch. Nur 41 Prozent der Befragten bewerten ihre eigene wirtschaftliche Lage als positiv, 39 Prozent als durchwachsen und 20 Prozent als schlecht.

Viele Menschen in Baden-Württemberg schränken sich bereits jetzt im Alltag ein – vor allem bei Restaurantbesuchen.
SWP/Allensbach/SchererDer grassierende Pessimismus kann dabei durchaus als Spiegel der vielfältigen Krisen in der Welt sowie der wirtschaftlichen Misere gesehen werden, die in letzter Zeit auch immer mehr die Unternehmen im Südwesten, allen voran die Autoindustrie, erfasst hat. Zuletzt hatten etwa Sparprogramme bei baden-württembergischen Aushängeschildern wie Porsche und Mercedes-Benz für Schlagzeilen gesorgt. Das zeigt offenbar Wirkung: Noch vor einem halben Jahr waren laut dem regelmäßig vom Institut Allensbach erhobenen Stimmungsbarometer 26 Prozent „sehr besorgt“ über die weitere Entwicklung – der Wert wuchs in der neuesten Erhebung auf 37 Prozent an, weitere 25 Prozent blicken „skeptisch“ auf die Zukunft. So hoch war das Maß an Befürchtungen im Südwesten zuletzt im Jahr 2022, kurz nach dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine. Auch die jüngsten Entwicklungen dieses Konflikts dürften auf die Stimmung drücken.
Seit der Erhebung von 2022 hat sich zudem die Meinung zum Zustand der Landesfinanzen drastisch verschlechtert: Hielten im August 2022 lediglich 36 Prozent der Baden-Württemberger die finanzielle Lage des Landes für „nicht gut“, sind es jetzt schon 54 Prozent. Diese Einschätzung dürfte auch ein Grund dafür sein, warum eine Mehrheit weitere Schulden für nötig hält, um die anstehenden Aufgaben und andauernden Krisen bewältigen zu können. Dabei befürwortet eine große Mehrheit mehr Investitionen in die Substanz des Landes und die klassische „Daseinsvorsorge“ wie Gesundheit, Bildung, Sicherheit, Verkehr und Wohnen – Prioritäten, die womöglich auch die von Schuldenbremsen-Fans oft bemühte sprichwörtliche „Schwäbische Hausfrau“ unterschreiben könnte.

BaWü-Check Grafik Besorgnis
SWP/AllensbachDie Umfrage der Tageszeitungen
Wie bewerten Sie die finanzielle Lage Baden-Württembergs? Braucht das Land neue Schulden? Wo könnte die Politik sparen? Das wollten die Tageszeitungen in Baden-Württemberg in ihrer Umfrage, dem BaWü-Check, wissen. Das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) befragt viermal im Jahr mehr als 1000 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger ab 18 Jahren. Der Zeitraum für die Online-Befragung war vom 5. bis 14. Februar 2025. Die gedruckten Tageszeitungen im Südwesten erreichen jeden Tag mehr als fünf Millionen Menschen, hinzu kommen die Leserinnen und Leser auf den reichweitenstarken Online-Portalen.
