Autokonzern: Porsche will 15 Prozent der Stellen streichen

Porsche will bis 2029 rund 1900 Stellen abbauen.
Marijan Murat/dpa- Porsche streicht bis 2029 rund 1.900 Stellen.
- Betroffen sind die Standorte Stuttgart-Zuffenhausen und Weissach.
- Zuvor berichteten „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“ darüber.
- Hintergrund: Restrukturierung im Unternehmen.
- Weitere Details sollen folgen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es war nicht zu erwarten, dass Porsche ungeschoren davonkommt. Während andere Autohersteller und ihre Zulieferer in den vergangenen Monaten reihenweise Stellenabbau ankündigten, war aus Zuffenhausen nur wenig zu hören. Bis jetzt. Nun verkündete der Sportwagenbauer, 1900 Stellen streichen zu wollen. Insgesamt soll sich die Belegschaft bis zum Jahr 2029 um 15 Prozent reduzieren, sagte Personalvorstand Andreas Haffner laut Vorabmeldung der „Stuttgarter Zeitung“ und der „Stuttgarter Nachrichten“ vom Donnerstag. Ein Beben in der Autobranche.
Aber auch an anderer Stelle soll gespart werden: So wird der Bonus für die Beschäftigten gedeckelt. Im Geschäftsjahr 2023 waren das bis zu 9690 Euro. „Das wird sich ändern. Sie wird für das Geschäftsjahr 2024 deutlich niedriger ausfallen“, sagte Haffner. Aber auch das Management will einer Sprecherin zufolge einen signifikanten Beitrag am Sparvolumen leisten.
Ob im Leipziger Porsche-Werk ebenfalls Stellen gestrichen werden sollen, war zunächst nicht bekannt. Der Standort ist eine Tochter der Porsche AG und nicht in der aktuellen Ankündigung aufgeführt.
Porsche galt seit Jahrzehnten als Vorzeigeunternehmen. Die erreichte Marge war legendär gut, das wirtschaftliche Wachstum bemerkenswert. Im Volkswagen-Konzern galt Porsche als Ertragsperle. Der Börsengang im Jahr 2022 war einer der größten Europas. Nun haben Anleger aber seit geraumer Zeit kaum noch Freude an der Aktie. Im vergangenen Jahr kam das Unternehmen laut vorläufigen Zahlen deutlich unter Druck. Vorläufigen Berechnungen zufolge lag die operative Marge von Porsche – also der Anteil, der vom Umsatz als operativer Gewinn hängen bleibt – im vergangenen Jahr am unteren Ende der angepeilten Spanne von 14 bis 15 Prozent. 2023 hatte Porsche noch 18 Prozent erreicht. Belastend wirkte das schwache Abschneiden in China und die Einführung neuer Modelle in den meisten Baureihen des Autobauers.
Finanzvorstand muss gehen
Doch das sind nicht alle Probleme des Unternehmens. Anfang des Monats hatte Porsche überraschend mitgeteilt, dass es Finanzvorstand Lutz Meschke und Vertriebsvorstand Detlev von Platen loswerden will. Gründe für den Rauswurf der beiden Manager nannte das Unternehmen nicht. Das Verhältnis zwischen Meschke und Oliver Blume, der sowohl Porsche als auch den VW-Konzern führt, galt allerdings als angespannt. Dem Stellvertreter wurden Ambitionen auf den Chefposten nachgesagt. Außerdem hatte der Aktienkurs in der Vergangenheit stark nachgegeben. Zusätzlich kämpfen die Zuffenhausener aktuell unter anderem mit schwachen Geschäften in China. Nachfolger für die beiden Manager stehen noch nicht fest.
Porsche hatte erst Anfang des Monats erklärt, sich mit einem teuren Maßnahmenprogramm gegen die Krise zur Wehr setzen zu wollen. Dafür nehmen die Stuttgarter in diesem Jahr viel Geld in die Hand, um neue Autos mit Verbrennermotor oder Plug-in-Hybridantrieben zu entwickeln und mehr Sonder- und Exklusivausstattungen anzubieten. Porsche rechnet mit Mehrbelastungen von bis zu 800 Millionen Euro – unter anderem, um neue Autos mit Verbrenner- oder Plug-in-Hybridantrieb zu entwickeln. Der Autobauer hatte einst eine der ehrgeizigsten E-Auto-Strategien der Branche. Bis 2030 sollten mehr als 80 Prozent der Sport- und Geländewagen mit einem vollelektrischen Antrieb vom Band laufen.
Verhandlungen für die Zeit nach der Beschäftigungsgarantie
Zum nun angekündigten Stellenabbau sagte der Personalchef: „Wir stehen zwar immer noch vergleichsweise gut da“. Aber es gebe vielfältige Herausforderungen zu meistern – „beispielsweise den verzögerten Hochlauf der Elektromobilität oder auch die herausfordernden geopolitischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.“ Er kündigte weitere Verhandlungen mit dem Betriebsrat an. Dabei gehe es um die Frage, wie die Arbeitsplätze bis 2030 und gegebenenfalls auch darüber hinaus abgesichert werden könnten.
Für die Mitarbeiter gibt es bis zum Jahr 2030 eine Beschäftigungsgarantie. An den Standorten Zuffenhausen und Weissach in der Region Stuttgart habe Porsche seit 2024 bereits 1500 befristete Arbeitsverhältnisse auslaufen lassen, weitere 500 würden in diesem Jahr folgen, sagte Haffner den Zeitungen. Eine Altersteilzeitregelung für Beschäftigte ab dem Jahrgang 1970 und älter, Zurückhaltung bei Neueinstellungen sowie der Eintritt von Beschäftigten in die Rente sollen demnach zu dem Stellenabbau beitragen.
Die weiteren Aussichten sind erstmal schwierig. Dieses Jahr dürfte die Marge wegen des teuren Programms zur Stärkung der kurz- und mittelfristigen Ertragskraft, aber auch wegen marktbedingt reduzierter Absatzerwartungen sogar noch auf 10 bis 12 Prozent abrutschen. Porsche hat eigentlich ganz andere Ambitionen: Langfristig will Blume mehr als 20 Prozent Umsatzrendite einfahren.
VW lässt Verbrenner wohl länger laufen
VW will einzelne Verbrennermodelle in Europa länger laufen lassen. Dies berichtet das „Handelsblatt“. Bestseller wie Golf, T-Roc oder Tiguan könnten noch in den 2030er-Jahren aufgefrischt werden, heißt es von Insidern. In einer Planungsrunde bei VW in den kommenden Wochen soll eine entsprechende Entscheidung getroffen werden. Eigentlich wollten die Wolfsburger ab 2033 keine Verbrenner mehr in ihre Showrooms stellen: Die aktuellen EU-Pläne sehen ein Verbot für Diesel- und Benzinmotoren bis 2035 vor. Doch der wirtschaftliche Druck lässt VW umschwenken. Andere Hersteller haben ihre Elektro-Pläne bereits verändert. Mercedes-Benz hat seine „Electric only“-Strategie „wo immer es die Marktkonditionen zulassen“ defacto verworfen und will jetzt „bis in die 2030er-Jahre hinein“ Kundenwünsche nach Verbrennern erfüllen. Nur BMW musste nichts ändern: Die Münchner haben von Anfang an kein Ausstiegsdatum verkündet.
