Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hat am Freitag, 14. Oktober, nur wenige Tage vor der Oberbürgermeisterwahl am 23.10.2022, bekannt gegeben, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben. DEswegen müsse er den Wahlkampf unterbrechen. Jetzt überraschte der 50-Jährige mit einer weiteren Ankündigung.
Der Tübinger Rathauschef, der sich sonst gerne kämpferisch gibt, verkündet nun, er wolle sich aus der Politik zurückziehen, sollte er kommendes Wochenende seine Wiederwahl verpassen.

OB Boris Palmer: Rückzug im Falle einer verlorenen Wahl

„Wenn ich diese Wahl nicht für mich entscheiden kann, ist die politische Figur Boris Palmer am Ende“, sagte er der „Pforzheimer Zeitung“. Dann sei er Privatmensch und werde sich auch in der Partei mit Wortmeldungen zurückhalten. Er wolle aber Parteimitglied der Grünen bleiben.
Er wolle gerne weitermachen, wenn er eine Mehrheit der Bevölkerung hinter sich habe, sagte Palmer weiter. Sei das aber nicht der Fall, wolle er schon nach dem ersten Wahlgang aufhören. „Dann bin ich Pensionär, habe drei Kinder und setze mich bei schönem Wetter aufs Fahrrad. Ich hatte die vergangenen 20 Jahre sowieso viel zu wenig Zeit für die Familie.“
Noch im September hatte Palmer im Forum der SÜDWEST PRESSE erklärt, weiter am Ziel der Klimaneutralität Tübingens bis 2030 mitarbeiten zu wollen: „Das Ziel ist schwer genug zu erreichen, es wird aber überhaupt nur erreichbar sein, wenn jemand mit meiner Erfahrung, meinen Kompetenzen und meiner Leidenschaft das Amt ausübt.“

Palmers schwäbische Antwort auf die Frage nach Pensionierung

Und auf die konkrete Frage, ob er Pensionär werden wolle, falls er bei der Wahl unterliege, entgegnete er: „Ich weise die Wählerschaft, wenn sonst kein Argument mehr zieht, gerne darauf hin, dass es aus schwäbischer Sicht etwas unklug wäre, mich abzuwählen.“ Und er ergänzte: „Nach geltendem Recht habe ich wegen meines fortgeschrittenen Lebensalters von 50 Jahren und meiner 16 Dienstjahre den Anspruch auf Sofortpension ab dem 11. Januar 2023. Diese Pension müsste die Stadtkasse zahlen. Es wäre also klüger, mich fürs Schaffen zu bezahlen als fürs Nichtstun.“

Wahl zum Tübinger Oberbürgermeister am 23.10.2022

Palmer war 16 Jahre lang Stadtoberhaupt in Tübingen und tritt als unabhängiger Kandidat zu den Oberbürgermeisterwahlen am 23. Oktober an. Seine Mitgliedschaft bei den Grünen ruht bis Ende 2023 wegen eines Streits um Tabubrüche und Rassismusvorwürfe. Seine größten Konkurrentinnen bei der Wahl sind Ulrike Baumgärtner (Grüne) und Sofie Geisel (SPD, von der FDP unterstützt).