Prozess in Stuttgart: Millionäre vor Gericht – Der Untergang des Schlecker-Imperiums

Im Gerichtsprozess ging es immer wieder um die Frage, ab welchem Zeitpunkt Anton Schlecker und seine Kinder von der Insolvenz wussten. Von links: Meike, Anton, Lars und Christa Schlecker.
Thomas Warnack/dpa- Der True-Crime Podcast „Akte Südwest“ beleuchtet den Prozess um die Schlecker-Insolvenz.
- Anton Schlecker und seine Familie standen wegen vorsätzlichen Bankrotts vor Gericht.
- Anton Schlecker erhielt zwei Jahre auf Bewährung, seine Kinder Lars und Meike Haftstrafen.
- Über 25.000 Mitarbeitende verloren 2012 ihre Jobs durch die Schlecker-Insolvenz.
- Zahlungen an die Familie Schlecker waren im Prozess zentral.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Als die Drogeriemarktkette Schlecker im Jahr 2012 pleite geht, verlieren mehr als 25.000 Mitarbeitende ihre Stellen. Das Unternehmen mit Sitz in Ehingen (Alb-Donau-Kreis) muss zigtausende Filialen schließen. Doch bevor Schlecker die Insolvenz anmeldet, fließen noch Millionenbeträge – obwohl die Kette längst Verluste macht. Es sind Zahlungen, die kurz darauf auch die Justiz beschäftigen.
2017 beginnt wegen dieser Zahlungen am Landgericht Stuttgart der Prozess gegen Anton Schlecker, seine Ehefrau und die Kinder Lars und Meike Schlecker. Es geht um vorsätzlichen Bankrott, Insolvenzverschleppung, Betrug. In der neuen Folge des Kriminalpodcasts „Akte Südwest“ spricht Moderator Moritz Clauß mit der Wirtschaftsreporterin Simone Dürmuth. Sie hat für die SÜDWEST PRESSE über den Gerichtsprozess berichtet und kann sich noch gut an den Tag erinnern, an dem Anton Schlecker sich im Gericht zu den Vorwürfen äußerte. „Er hat ein langes Statement vorgelesen und es wirkte, als ob er das vor dem Spiegel geübt hätte“, sagt Dürmuth: „Mit gemessenen Gesten, er war ganz ruhig.“
Hier gibt es die Folge 46. von Akte Südwest
In seiner Einlassung äußerte sich Schlecker damals auch zu einigen der mutmaßlich fragwürdigen Zahlungen. Da er als eingetragener Kaufmann agiert hatte, waren Schleckers Privat- und Geschäftsvermögen nicht voneinander getrennt gewesen. Vor der offiziellen Insolvenz hatte er unter anderem jeweils 200.000 Euro an seine Enkelkinder verschenkt. Auch für die Alarmanlage seiner Tochter Meike (300.000 Euro) und die Sanierung der Wohnung seines Sohnes Lars (1 Million Euro) zahlte Schlecker hohe Summen.
„Entschuldigt hat sich Schlecker damals nicht“, erzählt Dürmuth im Podcast. Genau darauf hätten viele der ehemaligen Mitarbeiterinnen aber gewartet. Im Prozess zeigte sich dann nach und nach: Längst nicht alle von der Staatsanwaltschaft aufgelisteten Zahlungen von Anton Schlecker waren im Zusammenhang mit der Insolvenz relevant.
Lars und Meike Schlecker werden zu Haftstrafen verurteilt
Äußerst wichtig waren für das Gericht allerdings Zahlungen von Lars und Meike Schlecker. Die Geschwister führten die private Logistik- und Dienstleistungsgesellschaft (LDG), die sich um die Logistik von Schlecker kümmerte. Für ihre Tätigkeit zahlten sich die beiden einen Millionen-Bonus aus – in einem Zeitraum, in dem ihnen bereits klar gewesen sein musste, dass Schlecker insolvent war.
Am Ende des Prozesses verurteilte das Landgericht Anton Schlecker zu einer Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Der Unternehmensgründer musste also nicht ins Gefängnis – seine Kinder allerdings schon. Das schien einige Beobachter im Gerichtssaal regelrecht zu freuen. Es sei schockierend gewesen, „wie viel Hass und Häme den Schleckers im Laufe des Prozesses teilweise entgegengeschlagen ist“, sagt Simone Dürmuth. Die drei hätten ohne Frage falsch gehandelt und seien dafür verurteilt worden. „Aber dass man ihnen danach jeden einzelnen Cent missgönnt, das fand ich nicht richtig.“
Schleckers Insolvenzverwalter, Arndt Geiwitz aus Ulm, hatte im Prozess gesagt, der Unternehmensgründer habe im Zuge der Insolvenz sein gesamtes Vermögen verloren. Der Wirtschaftsprüfer sagte damals über Anton Schlecker: „Er hat die größtmögliche Konsequenz aus seinem Scheitern getragen.“
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