Tödliche Messerattacke in Mannheim
: Fehler bei Einsatz? Anzeigen bleiben für Polizisten ohne Folgen

Ende Mai erstach ein Afghane in Mannheim den Polizisten Rouven Laur. Videos der Tat im Netz lösten Kritik am Verhalten der Polizei aus, mehrere Anzeigen wurden gestellt. Folgen hat das nicht.
Von
dpa
Mannheim
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Öffentliche Trauerfeier nach tödlicher Messerattacke: ARCHIV - 14.06.2023, Baden-Württemberg, Mannheim: Polizisten tragen bei einem Trauermarsch für den bei einer Messerattacke tödlich verletzten Polizisten Rouven Laur dessen Bild. Er starb nach der Attacke am 31. Mai. Fünf weitere Männer wurden verletzt, als ein 25-jähriger Afghane mit einem Messer auf Teilnehmer einer Kundgebung der islamkritischen Bewegung Pax Europa (BPE) einstach. (zu dpa: «Menschen spenden rund 600.000 Euro nach Tod von Polizist») Foto: Uwe Anspach/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Mannheim: Polizisten tragen bei einem Trauermarsch für den bei einer Messerattacke tödlich verletzten Polizisten Rouven Laur dessen Bild. Anzeigen gegen am Einsatz beteiligte Polizisten werden nicht weiterverfolgt.

Uwe Anspach/dpa

Der tödliche Messerangriff von Mannheim, bei dem Ende Mai der Polizist Rouven Laur von einem islamistischen Angreifer getötet wurde, hat die Menschen bundesweit bewegt. Doch vor allem in sozialen Netzwerken gab es auch viel Kritik am Polizeieinsatz. Knapp drei Monate danach verfolgt die Staatsanwaltschaft mehrere Anzeigen gegen am Einsatz beteiligte Polizisten hingegen nicht weiter. Insgesamt handelte es sich um neun Anzeigen, die im Zusammenhang mit dem Vorfall standen, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Mannheim jetzt sagte.

Die Anzeigen seien von Unbeteiligten gestellt worden, die sich nicht am Tatort aufgehalten und sich lediglich in Medien über den Vorfall informiert hätten. Die Anzeigen hätten nur persönliche Wertungen enthalten. Zu konkreten Vorwürfen äußerte sich die Sprecherin der Staatsanwaltschaft nicht.

User im Internet werfen der Polizei Fehler vor

Von dem tödlichen Angriff auf dem Mannheimer Marktplatz kursierten mehrere Videos, die die Attacke und das Eingreifen der Polizei zeigten. Als Reaktion darauf hatten Menschen in sozialen Netzwerken den Polizisten unter anderem zögerliches Verhalten und planloses Vorgehen während des Angriffs vorgeworfen.

Die Bundesanwaltschaft hatte die Ermittlungen gegen den Angreifer wenige Tage nach der Tat übernommen. Sie geht von einer religiösen Motivation für die Tat aus. Der Beschuldigte habe zu massiver Gewalt gegriffen, vermutlich, um Kritik am Islam zu unterbinden, sagte Generalbundesanwalt Jens Rommel.

Ein 25-jähriger Afghane hatte am 31. Mai auf dem Mannheimer Marktplatz fünf Teilnehmer einer Kundgebung der islamkritischen Bewegung Pax Europa (BPE) sowie einen Polizisten mit einem Messer verletzt. Der 29 Jahre alte Beamte Rouven Laur erlag später seinen Verletzungen. Ein anderer Beamter schoss den Angreifer nieder und verletzte ihn schwer.

Nach Schusswaffengebrauch sind Ermittlungen normal

Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe nahm die Ermittlungen gegen den Polizeibeamten auf, der geschossen hatte, wie dies auch in anderen Fällen von Schusswaffengebrauch üblich ist. Für eine aktuelle Stellungnahme zum Stand der Ermittlungen war die Staatsanwaltschaft zunächst nicht zu erreichen. Die neun Anzeigen der unbeteiligten Medienleser hätten aber nicht im Zusammenhang mit dem Beamten gestanden, der geschossen habe, hieß es.