Sommer im Südwesten
: Ulm landet im Hitze-Check nur im Mittelfeld, Neu-Ulm fällt durch

In Baden-Württemberg werden im Sommer viele Städte zur Sauna. Grund: Zu viel Beton, zu wenig Bäume. Die Deutsche Umwelthilfe zeigt, wo es sich am meisten aufheizt.
Von
Jonas Krauthansl
Ulm/Neu-Ulm
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Trinkbrunnen, wie hier in Mannheim, sollen bei starker Hitze ein wenig für Erfrischung sorgen.

Uwe Anspach/dpa
  • Ulm und Neu-Ulm im Sommer-Hitze-Check: Ulm im Mittelfeld, Neu-Ulm fällt durch.
  • Baden-Württemberg: Viele Städte leiden unter extremer Hitze wegen zu viel Beton und zu wenig Grün.
  • Mannheim bundesweit auf letztem Platz, Hitzeindex 18,61.
  • Keine Stadt in Baden-Württemberg erhält grüne Karte für wenig Versiegelung und viel Grün.
  • 2024 das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Im vergangenen Jahr lagen Ulm und Neu-Ulm noch nah beieinander. Beim Hitze-Check 2.0 der Deutschen Umwelthilfe (DUH) landet allerdings nur noch Ulm im Mittelfeld. Neu-Ulm dagegen fällt bei der Neuauflage des bundesweiten Vergleichs als eine von sieben bayerischen Städten durch, bekommt einen Hitzeindex von 16,22 und damit die rote Karte. Auch in Baden-Württemberg sind laut DUH Millionen Menschen der extremen Sommerhitze in Großstädten ausgesetzt – zu viel Beton und Asphalt, zu wenig Schatten, stehende Luft.

Ulm hat einen Hitzeindex von 15,59, sieht die gelbe Karte. Der Index wird aus durchschnittlicher Oberflächentemperatur, Versiegelung und Grünvolumen in den Städten berechnet. Im Vergleich zu 2024 haben sich die Zahlen in Ulm nicht verändert.

Mannheim belegt bundesweit den letzten Platz

In Baden-Württemberg schneiden Mannheim und Ludwigsburg vor Heilbronn und Rastatt am schlechtesten ab. Insgesamt erhalten elf Städte mit über 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern im Südwesten die Rote Karte der Umweltorganisation. Mannheim belegt sogar im bundesweiten Ranking den letzten Platz (Hitzeindex 18,61).

Wenn es heiß wird in den Großstädten, rächen sich Beton und fehlendes Grün.

Bernd Weißbrod/dpa

In Mannheim staut sich die Hitze in dicht bebauten Vierteln, von denen es viele gibt. Materialien wie Beton, Glas oder Metall speichern Wärme. Der Asphalt speichert die Hitze bis tief in die Nacht. Die gespeicherte Wärme steigt am Abend auf und sorgt für hohe Temperaturen in der Nacht. In einer stark bebauten Stadt wie Mannheim kann auch die Luft nicht gut zirkulieren: Kühlender Wind kann deshalb die Straßen nicht ausreichend belüften.

Gefährlich: Laut DUH lebt ein Großteil, rund 88 Prozent der etwa 315.000 Menschen, in solchen stark belasteten Gebieten. Die Oberfläche in der Stadt heizt sich laut Studie in den Sommermonaten auf mehr als 38 Grad auf. Gleichzeitig sind 56 Prozent der Flächen versiegelt, lediglich auf zwei Prozent stehen Bäume, Hecken oder auch Beete, in denen Pflanzen blühen können.

Keine einzige grüne Karte in Baden-Württemberg

Auch Rastatt und Waiblingen, Karlsruhe, Offenburg und Böblingen sowie Freiburg, Konstanz und Heidelberg fallen bei der Aufstellung der DUH durch. Im Mittelfeld der Landesübersicht liegen Großstädte wie Stuttgart, Esslingen, Reutlingen und Sindelfingen, aber auch Pforzheim und eben Ulm. Im Vergleich zum Vorjahr verteilt die Umwelthilfe heuer keine einzige grüne Karte – das sind laut Untersuchung Städte mit vergleichsweise wenig Versiegelung und viel kühlendem Grün – an eine baden-württembergische Kommune. 2024 waren unter anderem noch Tübingen oder Schwäbisch Gmünd gelistet.

Die Aussichten für Baden-Württemberg machen wenig Hoffnung auf Abkühlung: Deutschlandweit und auch global war das vergangene Jahr nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Mit Informationen der Nachrichtenagentur dpa.

Vergleich von 190 deutschen Städten

Für den zweiten Hitze-Check ließ die Deutsche Umwelthilfe Satellitendaten auswerten und verglich Flächenversiegelung und Grünausstattung von 190 Städten in Deutschland mit mehr als 50.000 Einwohnern. Die Ergebnisse hat die Organisation am Donnerstag veröffentlicht.

Mithilfe des Potsdamer Unternehmens Luftbild Umwelt Planung GmbH ließ die DUH das Land 100-Meter-Quadrate unterteilen. Für jedes Quadrat wurden die Oberflächentemperatur der Sommermonate, der Grad der Versiegelung, das Grünvolumen auch im direkten Umfeld und die Bevölkerungsdichte ermittelt.

Die Werte wurden verglichen mit den deutschlandweiten Mittelwerten bewohnter Flächen. Je nach Abweichung vom Mittelwert wurden Punkte vergeben. Grundlage waren Zensusdaten aus dem Jahr 2022 und Satellitendaten. Das liefere wichtige Hinweise für Städte, könne das Mikroklima vor Ort aber nicht abbilden, sagen die Macher. Luftbewegungen zum Beispiel seien nicht erfasst.