Rentnerin zieht ins Tiny House
: Fast fertig: Barbara Sissoko freut sich auf Weihnachten im neuen Mini-Haus

Knapp vier Wochen noch, dann kann Barbara Sissoko in ihr neues Tiny House umziehen. Der Sommer war für sie eine Hängepartie. Wir begleiten die Rentnerin journalistisch in einer kleinen Serie seit Frühjahr.
Von
Alfred Wiedemann
Burgrieden-Rot
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  • Barbara Sissoko an ihrem „Bauplatz“ in Burgrieden-Rot im Kreis Biberach. Anfang Dezember soll ihr neues Haus in Baden-Württembergs erster reinen Tiny-House-Siedlung stehen.

    Barbara Sissoko an ihrem „Bauplatz“ in Burgrieden-Rot im Kreis Biberach. Anfang Dezember soll ihr neues Haus in Baden-Württembergs erster reinen Tiny-House-Siedlung stehen.

    Alfred Wiedemann
  • Schaut doch schon gut aus: Das Modulhaus für das Tiny-Haus-Quartier in Burgrieden-Rot wird gerade in einer Halle gebaut. Vier Wochen brauchen die Fachfrauen und Fachmänner, dann kann das Holzhaus aufgestellt werden.

    Schaut doch schon gut aus: Das Modulhaus für das Tiny-Haus-Quartier in Burgrieden-Rot wird gerade in einer Halle gebaut. Vier Wochen brauchen die Fachfrauen und Fachmänner, dann kann das Holzhaus aufgestellt werden.

    Alfred Wiedemann
  • Auf das Modulhaus aus Holz, das auf Punktfundamenten stehen wird, kommt ein Flachdach, das begrünt wird.

    Auf das Modulhaus aus Holz, das auf Punktfundamenten stehen wird, kommt ein Flachdach, das begrünt wird.

    Alfred Wiedemann
  • Ein Modulhaus für das Tiny-Haus-Quartier in Burgrieden-Rot wird gerade in einer Halle gebaut. Barbara Sissko kann ihres bald beziehen.

    Ein Modulhaus für das Tiny-Haus-Quartier in Burgrieden-Rot wird gerade in einer Halle gebaut. Barbara Sissko kann ihres bald beziehen.

    Alfred Wiedemann
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Endlich: Barbara Sissoko kann nächsten Monat in ihr neues Minihaus in der Tiny-House-Siedlung in Burgrieden-Rot einziehen. „Es ist absehbar, nach einer unglaublich langen Odyssee“, sagt die Rentnerin. „Das war eine lange Zeit voll Unsicherheit, Bangen, Warten, Planen, Umplanen, aber da wächst man auch dran, man muss es annehmen und positiv wenden.“

Die Rentnerin, Jahrgang 1957, hat als Fremdsprachenkorrespondentin für Spanisch und Englisch gearbeitet, zuvor eine Ausbildung zur Floristin gemacht. Vor mehr als vier Jahren war sie eine der ersten Interessentinnen für das Projekt in Rot – und ist immer dabei geblieben.

Neue Wege gehen ist schon immer ihr Ding

Neue Wege gehen, sich verkleinern, nachhaltiger, bescheidener, umweltbewusster leben – mit Gleichgesinnten in der Nachbarschaft, deshalb der Umzug von der Wohnung im Münchner Umland ins Grüne nach Oberschwaben. „Ich wollte auch zurück nach Baden-Württemberg, näher ans Remstal, wo ich aufgewachsen bin.“

An Ortsrand von Rot, zwischen Ulm und Biberach, entsteht Baden-Württembergs erstes reines Quartier für kleines Wohnen. Nach mehr als drei Jahren voller Beratungen und Planungen, mit Anträgen, Sitzungen und Genehmigungen begann im März die Erschließung. Sissokos neues Haus wird das vierte auf dem 2,6 Hektar großen Gelände sein.

Fast 50 Quadratmeter Wohnfläche bietet das Haus aus zwei Holzmodulen. Schlafzimmer, Bad, Küche, Wohnraum – alles drin. Zum Transport werden die Module wieder getrennt.

Alfred Wiedemann

Das große Problem: Sie hatte sich für das anderthalbstöckige Modulhaus Sustainable Living Cuboid entschieden, ein preisgekrönter Entwurf der Manufaktur Huchler, die das Gelände in Rot mitentwickelt. Das neue Heim wäre der Prototyp geworden. Im Sommer zeigte sich allerdings, dass das neue Verzögerungen bedeutet hätte, vor allem wegen Bauvorschriften und der vorgesehenen Treppe.

Noch weitere Ungewissheit, noch weiteres Warten? Das wollte Barbara Sissoko auf keinen Fall. Die Lösung: Gemeinsam mit Mane und Wolfgang Huchler, den Initiatoren des Kleiner-Wohnen-Projekts, wurde das Haus umgeplant. Die anderthalb Stockwerke wurden praktisch nebeneinander gelegt, einzelne Bauteile abgeändert, andere Bauteile von anderen Modellen übernommen, die schon gefertigt werden. Alles, um das Modulhaus bis Ende November fertigstellen zu können.

Jetzt sind die fast 50 Quadratmeter Wohnfläche auf einer Ebene, der Zuschnitt ist zwar „ein bisschen anders“, aber alles ist da: Küche, Bad, Schlafzimmer, Wohnraum. Im Modulhaus, das gerade in einer großen Halle in Kirchberg an der Iller entsteht, kommt keine Spur von Bauwagen-Enge auf, der Grundriss ist kein schmaler Schlauch, weil die beiden Module versetzt nebeneinander platziert sind. Das schafft auch im kleinen Haus einen großzügigen Raumeindruck.

Im Minihaus duftet es herrlich nach Holz

Das Minihaus duftet herrlich nach Holz, die Fenster werden die Räume hell machen, mit Vorhängen ist aber auch Privatsphäre möglich. „Ich hätte ja gerne das Schlafzimmer oben gehabt.“ Vielleicht, sagt die Rentnerin, sollte es einfach nicht sein mit dem ursprünglichen Wunschzuschnitt. Vielleicht wird gerade das umgeplante Haus auf Dauer zum Traumhaus. Die vorgesehene Treppe zum Beispiel habe ihr keine Angst gemacht, auch wenn sie im Alter vielleicht Probleme gemacht hätte. „Ich bin fit und gelenkig, das wäre schon gegangen“, sagt Barbara Sissoko. Aber jetzt ohne Treppe – vielleicht ist das auf Dauer doch die bessere Lösung? „Ich sehe es auf jeden Fall positiv, ich freue mich, dass ich bald einziehen kann.“

Zu den Problemen mit dem neuen Wunschhaus kamen in der bisherigen Wohnung bei München Probleme mit dem Vermieter. „Ich habe den Mund aufgemacht, da man mit uns wie in einer Diktatur umging und uns die Lebensqualität in der Wohnung genommen hätte.“ Die Reaktion ihrer Wohnbaugenossenschaft: Sissoko wurde ihr großer Extra-Garten gekündigt, nach 23 Jahren.

Das geliebte Grün zieht mit um

Die gelernte Floristin hatte das Grün über die Jahre liebevoll parkähnlich angelegt, gehegt und gepflegt. „Ich musste alles auflösen, das war wirklich viel Arbeit.“ Ihre beiden Söhne haben ihr beim Retten vieler Stauden und Ableger geholfen. „So konnte ich viel mitnehmen aus dem verlorenen Garten.“

Mit einem geliehenen VW-Bus, der mit Töpfen und Stauden voll beladen war, wurde die wertvolle Fracht zusammen mit dem Sohn nach Oberschwaben transportiert. Für die Pflanzen haben die Huchlers übergangsweise einen wintersicheren Platz gefunden – bis das Grün aus Unterschleißheim im Garten rund ums neue Häuschen in Rot wieder Wurzeln schlagen kann.

Ärger und Arbeit vom Sommer hat Barbara Sissoko längst hinter sich gelassen. „Was sich nicht ändern lässt, muss man annehmen, das ist sehr wichtig.“ Inzwischen plant sie, wie sie den Garten anlegen und wie sie den Raum rund ums neue Häuschen gestalten wird. Ist doch schön, wenn man sich kurz vor dem Winter Gedanken über ein Sonnensegel für die Sitzgelegenheit draußen machen kann, das spätestens im Frühjahr gebraucht wird.

Fest eingeplant ist schon das erste Weihnachtsfest im neuen Tiny House. „Meine beiden Söhne werden mit ihrem Papa zu Besuch kommen.“ Barbara Sissoko ist schon sehr gespannt, wie es duften wird im neuen Holzhaus, wie die Atmosphäre sein wird und wie sich die Festtage anfühlen werden im minimalistischen Zuhause. „Das wird bestimmt besonders.“

So funktioniert das Quartier für kleines Wohnen in Oberschwaben

26 Plätze für kleine Modulhäuser aus Holz sind auf dem Gelände der ersten reinen Tiny-House-Siedlung vorgesehen, die in Burgrieden-Rot im Kreis Biberach seit März entsteht. Keines der Häuser bietet mehr als knapp 50 Quadratmeter Wohnraum, das Interesse an den Plätzen ist groß. Nach und nach werden die individuell geplanten Häuser gefertigt und aufgestellt. Für die Häuser gelten Kriterien wie recycelbare und nachwachsende Rohstoffe, ausreichende energetische Dämmung, keine Heizung mit fossilen Brennstoffen und nur Punkt- oder Schraubfundamente.

Die Kosten für die Modulhäuser beginnen bei rund 85 000 Euro für 23 Quadratmeter (ohne Küche, Innenausstattung und ohne alle Extras). Die Plätze im Quartier können nicht gekauft werden, eine Betreibergesellschaft ist für das Quartier zuständig. Es fallen Nutzungsgebühren, Nebenkosten und anteilige Erschließungskosten an.