Rechtsextreme Flyer
: Identitäre verteilen Flugblätter an Schulen – auch in Neu-Ulm

„Lehrer hassen diese Fragen“: Dieser Slogan prangt auf Flugblättern, mit denen Rechtsextreme gezielt Schüler ansprechen. Sie wollen beeinflussen - und rekrutieren. Auch Neu-Ulm ist betroffen.
Von
dpa
Stuttgart
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Flyer der Identitären Bewegung

Flyer der Identitären Bewegung

Nico Pointer/dpa
  • Rechtsextreme Identitäre verteilen Flyer an Schulen in mehreren Bundesländern, um Schüler zu beeinflussen.
  • Das bayerische Kultusministerium meldet Fälle in München und Augsburg, Baden-Württemberg zwei Fälle bekannt.
  • Flugblätter thematisieren Minderheiten, sexuelle Übergriffe, Renten und Inflation; propagieren "Remigration".
  • Neu-Ulm betroffen: 40-50 Flyer vor Lessing-Gymnasium gefunden; Schulleitung protestiert.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

An Schulen in mehreren Bundesländern sind Flugblätter der rechtsextremen Identitären Bewegung aufgetaucht. Mit den Flyern versucht die Bewegung offenbar, junge Leute auf Schulhöfen für die rechte Sache zu gewinnen. Das bayerische Kultusministerium berichtet von mehreren Schulen in München und Augsburg, an denen Flyer verteilt wurden - im Nachbarland Baden-Württemberg sind der Regierung zwei Fälle bekannt. Medienberichten zufolge kursieren die Flyer auch an Schulen in Norddeutschland.

Remigration als Lösung der Probleme

Die Identitären sprechen mit dem Schreiben gezielt Schülerinnen und Schüler an. Die Flugblätter tragen den Titel „Lehrer hassen diese Fragen“. Auf der Rückseite wird suggeriert, dass die Deutschen mittlerweile in der Minderheit seien, es werden sexuelle Übergriffe thematisiert, aber auch die Zukunftsunsicherheit junger Leute, Rente, Inflation. Die „Remigration“ wird als Lösung der Probleme angepriesen. „Wehr dich!“, ist darauf zu lesen.

Indentitäre protestieren auf dem Brandenburger Tor: ARCHIV - 27.08.2016, Berlin: Polizisten und Aktivisten der "Identitären Bewegung" stehen neben der Quadriga auf dem Brandenburger Tor. (zu dpa: «Wie Rechtsextreme nach Schülern fischen») Foto: Paul Zinken/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Identitäre Bewegung macht immer wieder mit Aktionen auf sich und ihre rechtsextremen Ziele aufmerksam. Hier protestieren Anhänger auf dem Brandenburger Tor:

Paul Zinken/dpa

Bannmeile um Schulen

Vor dem Lessing-Gymnasium in Neu-Ulm etwa wurden 40 bis 50 Flyer auf dem Platz vor dem Schuleingang gefunden, sie lagen auf den Pflastersteinen oder in den Büschen. „Das wollen wir nicht akzeptieren“, kommentierte der stellvertretende Schulleiter Marcus Zimmermann-Meigel die Aktion. Es gebe eine Bannmeile für politische Aktivitäten um Schulen. Die Flugblätter seien dem Hausmeister übergeben worden, die allermeisten seien geschreddert worden.

Bei den Identitären handelt sich um eine rechtsextreme Bewegung, die rassistische und islamfeindliche Positionen vertritt und immer wieder mit Protestaktionen auf sich aufmerksam macht. In Deutschland wird die Gruppe vom Verfassungsschutz beobachtet.

Die Bewegung spreche in erster Linie junge Menschen an, schreibt der baden-württembergische Verfassungsschutz. Sie verbreite ihre extremistischen Botschaften vor allem im Internet sowie über Banner- und Plakataktionen. Im Südwesten gehören demnach etwa 100 Menschen zur Gruppe.

Mit welchen Themen sprechen die Rechtsextremen Jugendliche an?

Die derzeit kursierenden Flugblätter tragen den Titel „Lehrer hassen diese Fragen“ - eine zunächst unpolitische Formulierung, die auch in sozialen Medien wie Tiktok immer wieder auftaucht. Auf der Rückseite werden verschiedene politische Probleme adressiert. Da wird etwa suggeriert, dass die deutsche Jugend in den Großstädten mittlerweile in der Minderheit sei und „Masseneinwanderung“ zu mehr Gewalt gegen Frauen führe. In den Flugblättern werde Misstrauen gegen Menschen mit Migrationshintergrund geschürt, schreibt der Südwest-Verfassungsschutz.

Martin Sellner in Neu-Ulm

Im Oktober hatte es in Neu-Ulm Aufregung um den früheren Sprecher der identitären Bewegung, Martin Sellner gegeben. Dieser wollte in Neu-Ulm auftreten, wogegen das Bündnis "Klare Kante" protestiert hatte. Die Versammlung fand in einer Kneipe in der Bahnhofstraße statt. Die Polizei, die das Treffen auflöste, konnte den Rechtsextremen aber nicht finden - er war offenbar durch einen Hinterausgang entwischt.