Potenziell tödlicher Stoff: Flasche mit „Polonium“-Aufschrift gefunden – Behörden geben vorläufig Entwarnung

Die Feuerwehr war nach dem Fund mit einem Großaufgebot vor Ort.
Karsten Schmalz/-/dpa- In Vaihingen an der Enz fanden zwei Männer ein Fläschchen mit „Polonium 210“-Aufschrift.
- Die Stadt gab am Ostermontag Entwarnung – keine messbare Radioaktivität, keine Gefahr.
- Das Umweltministerium transportierte das Fläschchen ab und lagert es bis nach den Feiertagen.
- Nach den Feiertagen folgt die Untersuchung, bei Bedarf Dekontamination und Entsorgung.
- Das LKA ermittelt zur Herkunft und zum Weg des Fläschchens in den Garten am Ortsrand.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Nachdem zwei Männer bei der Ostereiersuche in Vaihingen an der Enz nordwestlich von Stuttgart ein Fläschchen mit der Aufschrift „Polonium 210“ gefunden hatten, gab die Stadt Vaihingen an der Enz am Ostermontag zunächst Entwarnung: Demnach wurde keine Strahlung gemessen, die von dem Gegenstand hätte ausgehen können. „Die erste Einschätzung von unseren Fachleuten ist, dass es sich bei dem Fund nicht um Polonium 210 handelt“, sagte eine Sprecherin. „Sicher ist das aber noch nicht“, betonte sie. Für die Bevölkerung habe zu keiner Zeit eine Gefahr bestanden.
Der Fund werde nun in die Landesanstalt für Umwelt (LUBW) nach Karlsruhe gebracht. Dort werde er nach den Feiertagen genauer analysiert, wenn nötig dekontaminiert und entsorgt. Das Landeskriminalamt (LKA) ermittelt derweil, wie das Fläschchen in den Garten gelangt ist. Zudem müssen die Behörden klären, woher das Fläschchen stammt und wie es in den Garten am Ortsrand der 11.000-Einwohner-Kommune gekommen ist.
Stoff ist vor allem gefährlich, wenn er eingeatmet wird
Die Feuerwehr schätzte das Fläschchen und den Inhalt am Sonntag aufgrund des Aussehens und des Gewichts als echt ein. Allerdings waren demnach alle Messungen im Umfeld des Behältnisses negativ gewesen. Es sei keine Radioaktivität gemessen worden. Die Männer seien unverletzt, sagte Kreisbrandmeister Andy Dorroch. Die beiden hatten das Fläschchen bei der Ostereiersuche im Garten gefunden.
Polonium 210 ist ein potenziell tödliches Strahlengift. Die Feuerwehr hatte das Fläschchen nach eigenen Angaben noch als echt eingeschätzt. „Das Behältnis passt zum Stoff“, sagte Dorroch nach dem Fund. „Der Stoff ist auch nicht irgendwie handschriftlich draufgekritzelt, sondern der ist sauber offiziell beschriftet.“ Zudem sei das Fläschchen mit geschätzten 200 Gramm Gewicht relativ schwer – passend, da Polonium 210 ein vergleichsweise schwerer Stoff sei.
Zunächst seien allerdings alle Messungen im Umfeld des Fläschchens negativ gewesen. Es sei keine Radioaktivität gemessen worden. Die beiden Männer seien nach dem Fund unverletzt.
Großeinsatz von Feuerwehr und Polizei
Sie hatten in dem Garten am Ortsrand Ostereier gesucht, als sie das weiße Kunststofffläschchen mit rotem Deckel fanden. Nach dem Fund wählten sie den Notruf. Weitere Angaben zu den Männern machten die Behörden nicht.
Beim anschließenden Großeinsatz waren nach Angaben der Feuerwehr 138 Einsatzkräfte mit 41 Fahrzeugen vor Ort – darunter ein Strahlenschutzzug, ein Gefahrgutzug sowie eine Fachberaterin für Strahlenschutz, die beruflich im Kernkraftwerk tätig ist, wie der Kreisbrandmeister sagte. Auch ein Experte des Landeskriminalamtes (LKA) war im Einsatz.
Der Bereich um den Fundort wurde den Angaben zufolge abgesperrt. Anwohner mussten zeitweise ihre Wohnungen verlassen. Experten des Landesumweltministeriums brachten das Fläschchen weg. Nach dem Abtransport wurde das Wohngebiet wieder freigegeben.
Bürgermeister: Gut, dass wir für alles gerüstet sind
Für die Anwohner habe zu keinem Zeitpunkt Gefahr bestanden, berichtete die Stadt. Oberbürgermeister Uwe Skrzypek-Muth betont, es sei wichtig, bei solchen Alarmen für alles gerüstet zu sein: „Für die Bürgerinnen und Bürger ist es beruhigend zu wissen, dass im Fall der Fälle verlässliche Abläufe für größtmögliche Sicherheit sorgen“, sagte der Rathauschef der Deutschen Presse-Agentur. „Natürlich würden wir aber sehr viel lieber mit den Sonnenseiten unseres schönen Städtchens in die Schlagzeilen kommen, als mit einem äußerst seltenen Strahlenschutzeinsatz, der sich hoffentlich als Fehlalarm herausstellen wird.“
Putin-Kritiker starb nach Polonium 210-Anschlag
Polonium ist ein chemisches Element mit hoher Radiotoxizität und deshalb sehr gesundheitsschädlich. Laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ist der Stoff vor allem dann gefährlich, wenn er eingeatmet oder aufgrund offener Wunden über die Haut aufgenommen wird. Der Putin-Kritiker und frühere Geheimdienstoffizier Alexander Litwinenko starb 2006 in London nach einem Anschlag mit Polonium 210.
