Polizistenmord von Mannheim
: In 25 Sekunden wird das Leben von Rouven Laur ausgelöscht

Ein Polizeibeamter stirbt, fünf Menschen werden schwer verletzt: Der Anschlag eines Islamisten 2024 auf dem Mannheimer Marktplatz ist jetzt Thema im Crime-Podcast „Akte Südwest“.
Von
Tanja Wolter
Mannheim/Stuttgart
14.06.2023, Baden-Württemberg, Mannheim: Polizisten tragen bei einem Trauermarsch für den bei einer Messerattacke tödlich verletzten Polizisten Rouven Laur dessen Bild. Er starb nach der Attacke am 31. Mai. Fünf weitere Männer wurden verletzt, als ein 25-jähriger Afghane mit einem Messer auf Teilnehmer einer Kundgebung der islamkritischen Bewegung Pax Europa (BPE) einstach. Foto: Uwe Anspach/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Polizisten tragen bei einem Trauermarsch für Rouven Laur ein Bild des getöteten Polizisten durch Mannheim.

Uwe Anspach/dpa; Bearbeitung: Raiola
  • True-Crime-Podcast „Akte Südwest“ behandelt den Messerangriff auf dem Mannheimer Marktplatz.
  • Ein Islamist tötete Rouven Laur, fünf weitere wurden verletzt – der Angriff dauerte 25 Sekunden.
  • Der Täter Sulaiman A. lebte unauffällig, radikalisierte sich online und handelte laut Gericht allein.
  • OLG Stuttgart verurteilte ihn zu lebenslanger Haft mit besonderer Schwere der Schuld.
  • Im Prozess schilderten Angehörige und Kollegen Trauer; Video der Tat verbreitete sich schnell.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Am 31. Mai 2024 sind auf dem Marktplatz in Mannheim 22 Polizistinnen und Polizisten damit befasst, einen Infostand der islamkritischen Gruppierung Pax Europa zu schützen. Es ist ein alltäglicher Einsatz – auf dem Platz finden im Rahmen der Demonstrations- und Versammlungsfreiheit regelmäßig politische Aktionen statt. Doch für den 29 Jahre alten Polizeihauptkommissar Rouven Laur ist es der letzte Einsatz.

Wie aus dem Nichts stürzt sich ein Islamist mit einem Jagdmesser auf die Islamkritiker. Die Polizeibeamten eilen herbei und versuchen, den Attentäter zu stoppen. Aber der junge Mann – ein Afghane – kann sich im Gerangel befreien. Von hinten sticht er auf Rouven Laur ein, in den Kopf und in den Hals. Für den Polizisten gibt es keine Rettung – er stirbt zwei Tage später im Krankenhaus.

Das Foto von Rouven Laur bleibt im Gedächtnis

Der Polizistenmord von Mannheim hat in ganz Deutschland für Entsetzen gesorgt. Vielen dürfte die Szene vom Trauermarsch, bei dem Kolleginnen und Kollegen ein Bild von Rouven Laur durch die Mannheimer Innenstadt tragen, noch im Gedächtnis haften. Wer steckte hinter dem Messerangriff, bei dem außerdem fünf Teilnehmer des Infostandes schwer verletzt wurden? Was war das Motiv des Täters? Wie reagierte die Politik?

Darum geht es in der neuesten Folge des True-Crime-Podcasts „Akte Südwest“. Theo Westermann, Korrespondent der „Badischen Neuesten Nachrichten“ im gemeinsamen landespolitischen Büro mit der „Südwest Presse“ in Stuttgart, schildert seine Eindrücke von den Ermittlungen, dem Gerichtsprozess gegen den afghanischen Täter und der großen Trauer in der Familie und im Kollegenkreis. „Diese Bluttat traf das freundliche Gesicht der Polizei, einen jungen Beamten, der freundlich, offen, interessiert und zutiefst menschennah war“, berichtet Westermann.

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Vom Infostand der Islamkritiker im Netz erfahren

Der damals 25-jährige Angreifer namens Sulaiman A. lebte über viele Jahre unauffällig in Deutschland. 2013 reiste er als Jugendlicher mithilfe von Schleppern ein, bekam zwar kein Asyl, wurde aber geduldet und baute sich mit Schulabschlüssen, verschiedenen Jobs und Heirat nordöstlich von Mannheim in Hessen eine Existenz auf. Laut Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Stuttgart, vor dem er sich 2025 in einem mehrmonatigen Staatsschutzverfahren wegen Mordes und fünffachen versuchten Mordes verantworten musste, war er über soziale Medien mit radikalen Islamisten und Hasspredigern in Berührung gekommen und hatte sich zunehmend selbst radikalisiert.

Mit dem Gazakrieg ab Herbst 2023 soll ihm der Gedanke gekommen sein, Feinde des Islam zu töten, worin ihn auf Telegram ein Prediger der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ bestärkt haben soll. Von der Veranstaltung der islamkritischen Bürgerbewegung Pax Europa (BPE) und deren Vorsitzendem Michael Stürzenberger habe er im Internet erfahren, sagte er selbst vor Gericht aus. Sowohl die Ermittler als auch die Richter kamen zu dem Schluss, dass der Angeklagte letztlich alleine handelte, also nicht im Auftrag von Terrororganisationen. 25 Sekunden dauerte schließlich das blutige Geschehen auf dem Marktplatz. Von der Tat verbreitete sich in Windeseile ein Video.

Viele Tränen im Gerichtssaal

Theo Westermann geht im Podcast auch auf die Hinterbliebenen des Polizisten ein, etwa die Mutter, die als Nebenklägerin an fast jedem Prozesstag den Mörder ihres Sohnes im Gerichtssaal beobachtete. „Bei der Familie flossen immer wieder Tränen“, erzählt Westermann. Auch viele der zumeist jungen Polizisten, die die Attacke miterlebt hatten, weinten bei ihrer Zeugenvernehmung. „Das hat einem den Boden unter den Füßen weggezogen“, sagte eine Polizistin über den Tod ihres Kollegen aus.

Wie lange der letztlich zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilte Sulaiman A. – bei festgestellter besonderer Schwere der Schuld – im Gefängnis bleiben wird, ist offen. Im Podcast geht Theo Westermann auch auf die Frage ein, ob und wann dem Afghanen eine Abschiebung in sein Heimatland drohen könnte. In absehbarer Zeit ist jedenfalls nicht damit zu rechnen, obwohl Bundes- wie Landesregierung die Abschiebung von afghanischen Straftätern aktuell forcieren. Bei einem Mörder müssten dabei allerdings viele Punkte beachtet werden – auch das Interesse der Bevölkerung an der Strafverbüßung.

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