Um die Notfallversorgung im Südwesten zu verbessern, wird es künftig zwei weitere Standorte mit Rettungshubschraubern im Land geben. Zusätzlich zu den bislang acht Hubschraubern sollen neue Standorte in Lahr (Ortenaukreis) und im Bereich Ravenstein (Neckar-Odenwald-Kreis) entstehen, wie das Innenministerium in Stuttgart am Donnerstag mitteilte.
Zwei der bisherigen Hubschrauberstandorte werden dagegen verlegt. Der Rettungshubschrauber in Leonberg (Kreis Böblingen) soll künftig von der BG Klinik in Tübingen starten. Der Luftrettungsstandort Friedrichshafen wird nach Deggenhausertal-Wittenhofen (beide Bodenseekreis) verlegt. Der übergangsweise am Baden-Airpark stationierte Hubschrauber kehrt an seinen Standort am St.-Vincentius-Krankenhaus in Karlsruhe zurück.
Um die Einsatzbereitschaft der Luftrettung weiter zu erhöhen, soll zudem der in Stuttgart stationierte Hubschrauber künftig 24 Stunden in Bereitschaft sein. Bislang war dies nur am Standort Villingen-Schwenningen (Schwarzwald-Baar-Kreis) der Fall.

Verletzte sollen in einer halben Stunde erreichbar sein

Anlass für die Neuaufstellung der Hubschrauberstandorte sind dem Ministerium zufolge die sich ausdünnende Klinikstruktur im Südwesten sowie veränderte Anforderungen an die Notfallversorgung. Um auch künftig für jede und jeden im Notfall eine schnelle Rettung per Hubschrauber gewährleisten zu können, hat das Ministerium ein Gutachten in Auftrag gegeben.
Darin kamen Wissenschaftler des Instituts für Notfallmedizin und Medizinmanagement der Universität München zum Schluss, dass die Zahl der Rettungshubschrauber im Land von bislang acht auf zehn erhöht werden sollte. Auch sollten drei Hubschrauber künftig an einen anderen Standort verlegt werden. Als dritte Maßnahmen sieht das Gutachten vor, statt nur einen, künftig zwei Hubschrauber rund um die Uhr bereit zu halten.
So soll es möglich sein, tagsüber innerhalb von 20 Minuten und nachts in nicht mehr als 30 Minuten Verletzte per Hubschrauber zu erreichen. Zudem soll dadurch gewährleistet sein, dass zwischen dem Notruf und der Einlieferung in eine Klinik bei Diagnosen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall nicht mehr als eine Stunde vergeht.

Verlegung der Standorte: Bürger nicht immer begeistert

Die Verlegung von Hubschraubern sorgt indessen für Widerspruch. Entweder, weil Anwohner keinen neuen Hubschrauber samt Rotorlärm in ihrer Nähe möchten, oder weil sie eine schlechtere Versorgung im Notfall befürchten.
In Wannweil (Kreis Reutlingen) gipfelte die Debatte darum letztlich in einem Bürgerentscheid. Nachdem der Gemeinderat die Stationierung eines Hubschraubers zunächst abgelehnt hatte, votierte eine absolute Mehrheit Anfang November für den Hubschrauber. An den bisherigen Hubschrauberstandorten Leonberg (Kreis Böblingen) und Friedrichshafen (Bodenseekreis) bestimmt dagegen die Befürchtung einer schlechteren Versorgung das Stimmungsbild.
Aus Sicht des Ministeriums zeigt der Widerstand gegen die Verlegung von Standorten, dass „die Komplexität der vorliegenden Struktur- und Bedarfsanalyse der Luftrettung in Baden-Württemberg verkannt“ werde. Es gehe nicht um die Schließung einzelner „Versorgungslücken“ auf Kosten der Bewohner anderer Regionen, sondern um die bessere Versorgung aller Menschen im Land, teilte eine Sprecherin mit.