Neue Funde im Grenzgebiet: Japankäfer-Alarm: Schutzzonen in Baden-Württemberg werden ausgeweitet

Sie sind ziemlich klein, aber sehr gefräßig. (Archivbild)
Uli Deck/dpa- Japankäfer breitet sich aus: Schutzzonen im Kreis Lörrach erweitert, betroffen sind u. a. Wälder.
- Käfer schädigt über 300 Pflanzenarten, u. a. Wein, Obst und Mais – Larven zerstören Wurzeln.
- Strenge Regeln in Befalls- und Pufferzonen, Meldung über Online-Formular möglich.
- Erster Fund in Deutschland 2021, in der Schweiz seit 2023 eine Population bei Zürich.
- Behörden warnen Reisende, Gepäck zu prüfen, um Einschleppung zu verhindern.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Weil in der Schweiz nahe der deutschen Grenze wieder invasive Japankäfer entdeckt wurden, haben die Behörden die Schutzzonen im Landkreis Lörrach ausgeweitet. Fast zwei Drittel des neuen Gebiets verliefen durch Wald und landwirtschaftlich genutzte Flächen, teilte das Landratsamt mit.
Der aus Asien stammende Japankäfer (Popillia japonica) kann schwere ökonomische Schäden verursachen. Die Tiere fallen laut dem Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) über Obstplantagen, Weinberge, Wälder, Grünanlagen und Gärten her und fressen alles kahl. Auf dem Speiseplan der erwachsenen Käfer stehen Blätter, Blüten und Früchte von mehr als 300 Pflanzenarten, darunter Buchen, Eichen, Mais, Kartoffeln, Spargel, Kirschen und Weinreben. Charakteristisch ist der Skelettfraß, bei dem nur die Blattadern übrig bleiben. Die Larven machen sich über Wurzeln her und können ganze Pflanzenbestände vernichten. Natürliche Feinde hierzulande gibt es keine.
Strenge Regeln in Befalls- und Pufferzonen
Um Stellen, an denen Japankäfer gefunden werden, werden sogenannte Befallszonen mit einem Radius von einem Kilometer gezogen. Hier gelten strenge Regeln, etwa für die Ausfuhr von Pflanzen und Erde. Teile der Gemeinde Grenzach-Wyhlen liegen in einer solchen Zone. Mindestens fünf Kilometer über die Grenzen dieser Gebiete hinaus erstrecken sich Pufferzonen. Hiervon betroffen sind laut einer Allgemeinverfügung neben Grenzach-Wyhlen die Städte Weil am Rhein und Lörrach sowie Haltingen, Ötlingen, Inzlingen und Rührberg. Hier gelten etwas weniger Auflagen.
Käfer fangen, einfrieren und melden
Der Japankäfer ist etwa einen Zentimeter groß, hat einen metallisch glänzenden grünen Kopf und braune Flügel. Auffallend sind fünf weiße Haarbüschel an jeder Hinterleibseite sowie zwei weitere am Ende des Hinterleibs. Die Weibchen legen ihre Eier bevorzugt in feuchte oder bewässerte Grasflächen ab. „Aus den Eiern schlüpfen dann Larven, die Graswurzeln fressen und Schäden an Wiesen und Rasenflächen anrichten“, heißt es beim LTZ in Karlsruhe.
Wer einen verdächtigen Käfer entdeckt, soll ihn fangen, fotografieren und nach Möglichkeit in einem Glas oder einer Box einfrieren. Das Foto kann über ein Online-Formular unter www.loerrach-landkreis.de/japankaefer eingesendet werden. Bislang gibt es der Mitteilung zufolge keine Funde im Landkreis Lörrach. Zahlreiche Pheromonfallen sollen helfen, die Tiere einzufangen. Zudem bitten der Bund und Landesbehörden Reisende aus Norditalien und der Schweiz schon länger, ihr Gepäck zu sichten, damit sie die Tiere nicht versehentlich einschleppen.
Bundesweit erster Fund 2021 in Baden-Württemberg
Der Japankäfer ist in der gesamten EU als „Quarantäneschädling“ eingestuft, weshalb bei Funden europaweit Notfallpläne gelten. In Baden-Württemberg war im November 2021 der bundesweit erste lebende Japankäfer entdeckt und amtlich bestätigt worden. Er war im Rahmen des Schädlings-Monitorings in eine Pheromonfalle in der Nähe des Freiburger Güterbahnhofs geflogen. Vermutlich gelangte er als „blinder Passagier“ über den Lkw-Warenverkehr aus Italien nach Baden-Württemberg. Auch 2022, 2023 und 2024 wurden einzelne Exemplare des Käfers im Raum Südbaden entdeckt.
Die Sorge vor einer Ausbreitung der invasiven Art in Deutschland ist groß. Gerade in Baden-Württemberg rechnen Experten schon länger damit, dass sich der Schädling hierzulande etablieren könnte. In der Schweiz gibt es in Kloten bei Zürich bereits seit 2023 eine Japankäfer-Population – die erste nördlich der Alpen. Im vergangenen Sommer wurden in dem Gebiet 2700 Japankäfer bei einem Fußballplatz entdeckt und bekämpft. Bis heute werden nach Angaben des Kantons Zürich zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, um eine Ausbreitung zu verhindern.
In Japan spielt der Schädling keine große Rolle, weil es dort genügend Fressfeinde und andere natürliche Gegenspieler gibt. In den USA richtet der eingeschleppte Japankäfer dagegen bereits seit rund 100 Jahren massive Schäden an.

