Tödliche Messerattacke in Mannheim
: AfD-Kundgebung: Demonstranten beklagen "Messergewalt" und "politischen Islam"

Vor einer Woche wurde der Polizist Rouven Laur bei einem Angriff auf dem Mannheimer Marktplatz tödlich verwundet. Am Freitagvormittag wurde ihm mit einer Schweigeminute gedacht. Am Abend fanden in der Stadt mehrere Demos statt.
Von
Leonie Maschke,
Nico Pannewitz
Mannheim
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Gedenken in Mannheim an Rouven Laur

Am Freitag wurde in Mannheim mit einer Schweigeminute an den getöteten Polizisten Rouven Laur gedacht.

dpa

Eine Woche nach dem Messerangriff auf dem Mannheimer Marktplatz gedachte die Stadt dem bei dem Angriff tödlich verletzten Polizisten. Die Polizei Baden-Württemberg hatte für 11.34 Uhr zu einer Gedenkminute für Rouven Laur aufgerufen. Zu diesem Zeitpunkt passierte der tödliche Angriff auf den 29 Jahre alten Polizisten. Mehrere hundert Menschen waren vor Ort, um an der Gedenkveranstaltung teil zunehmen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war ebenfalls vor Ort. Er legte am Tatort ein Blumengebinde nieder. Anschließend standen Steinmeier, Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU), Polizisten und Bürger minutenlang schweigend auf dem Marktplatz.

Um 11.34 Uhr kündigte ein Glockenschlag den Beginn der Gedenkminute an sowie deren Ende um 11.35 Uhr. Die Menschen auf dem Marktplatz applaudierten.

Gedenkminute der Polizei in Ulm für getöteten Mannheimer Polizisten

Auch auf dem Ulmer Münsterplatz gedachten rund 300 Polizisten mit einer Schweigeminute dem getöteten Mannheimer Polizisten Rouven Laur.

Birgit Eberle

Vor der Schweigeminute für den getöteten Polizisten in Mannheim haben dutzende Polizistinnen und Polizisten ihrem Kollegen den Respekt erwiesen. Rund 50 Beamte des Polizeipräsidiums Mannheim - einer Sprecherin zufolge vor allem Streifenbeamte - nahmen vor dem Blumenmeer auf dem Marktplatz Aufstellung und gedachten mit verschränkten Händen ihrem verstorbenen Kollegen. Viele der Polizeibeamte trugen an ihrer Uniform zudem blaue Bänder. Die Deutsche Polizeigewerkschaft hatte am Donnerstag dazu aufgerufen, blaue Bänder „als Zeichen der Trauer, als Zeichen der Solidarität und als sichtbares Zeichen gegen Gewalt zu tragen“.

Am Freitagmorgen hatte die Polizei bereits Teile des Marktplatzes mit Absperrgittern abgetrennt. Vor dem Marktplatzbrunnen in der Mitte des Platzes legten Passanten weitere Blumen nieder. Dort brannten auch zahlreiche Grablichter.

Wie das Polizeipräsidium am Freitagabend mitteilte, plant die Mannheimer Polizei für den getöteten Polizisten außerdem am kommenden Freitag, 14. Juni, eine öffentliche Trauerfeier im Congress Center Rosengarten. Da die Plätze begrenzt seien, könnten vorrangig nur Angehörige, geladene Gäste und Beschäftigte des Polizeipräsidiums Mannheim teilnehmen. Im Außenbereich auf dem Friedrichsplatz, in unmittelbarer Nähe zur Trauerfeier, werde es jedoch eine Außenübertragung geben, um möglichst vielen Menschen die Möglichkeit zum Trauern einzuräumen.

AfD-Demo durfte nicht auf dem Marktplatz stattfinden

Eigentlich hatte die Stadt Mannheim Kundgebungen und Versammlungen auf dem Markplatz untersagt und den Platz vorübergehend bis zum 16. Juni zu einem Gedenkort erklärt. Am Donnerstag jedoch gab das Verwaltungsgericht Karlsruhe einem Eilantrag der AfD gegen die Allgemeinverfügung der Stadt statt. Die AfD hatte zu einer Versammlung gegen Islamismus für 18 Uhr am Freitag auf dem Platz aufgerufen.

Nach einer Beschwerde der Stadt Mannheim gegen diese Entscheidung gab ihr am Freitagnachmittag wiederum der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg recht: Die AfD durfte sich laut dem höchsten Verwaltungsgericht im Südwesten demnach am Freitagabend nicht auf dem Mannheimer Marktplatz versammeln. Der Beschluss des VGH war nach Angaben des Gerichts unanfechtbar.

So verlief die AfD-Demo

Stattdessen fand die Demo auf dem Paradeplatz statt. die Polizei sprach von etwa 700 Teilnehmern. Mehrere Redner forderten, „Messergewalt“ dürfe in Deutschland „nicht zur Normalität werden“. Der politische Islam sei „die größte Gefahr für unsere Sicherheit“. Bei der Kundgebung waren neben Deutschland-Fahnen auch Banner mit Aufschriften wie „Remigration jetzt“ und „Macht die Grenzen dicht“ zu sehen. Die Veranstaltung begann mit ebenfalls mit einer Schweigeminute für den Polizisten Rouven Laur.

Der AfD-Kundgebung stellten sich nach Polizeiangaben rund 3300 Gegendemonstranten entgegen. Sie waren zum Teil von einer Kundgebung auf dem Alten Messplatz zum Paradeplatz gekommen. Beide Gruppen riefen sich Sprechchöre wie „AfD, AfD“ einerseits und „Nazis raus“ andererseits zu. Ein starkes Polizeiaufgebot trennte die Demonstranten.

Ein 25-jähriger Afghane hatte am vergangenen Freitag fünf Teilnehmer einer Kundgebung der islamkritischen Bewegung Pax Europa sowie Rouven Laur mit einem Messer verletzt. Der 29 Jahre alte Beamte erlag später seinen Verletzungen.

Mit Material von den Agenturen.