Tod von Ayleen
: Mutter des Opfers: Mädchen hatte Chats mit Angeklagtem geheim gehalten

Vor fast einem Jahr wurde die damals 14-jährige Schülerin in Hessen getötet. Im Prozess hat nun die Mutter der Schülerin vor Gericht als Zeugin ausgesagt.
Von
Amelie Schröer,
Nico Pannewitz
Gießen
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Am 19.06. wird der Angeklagte (l) von Justizwachtmeistern in den Verhandlungssaal gebracht. Fast ein Jahr ist es her, dass die Schülerin Ayleen aus Baden-Württemberg in Hessen getötet wurde. Für die Tat muss sich der 30-Jährige verantworten. Nun hat die Mutter des Opfers als Zeugin vor Gericht ausgesagt.

Boris Roessler/dpa

Seit Mitte Juni läuft der Prozess um die getötete Ayleen P. vor dem Landgericht Gießen. Einem 30-Jährigen wird vorgeworfen, das Mädchen aus Baden-Württemberg am 21. Juli 2023 mit seinem Auto im südbadischen Gottenheim abgeholt, sie nach Hessen in ein Waldgebiet nahe Langgöns (Landkreis Gießen) gebracht und sie dort nachts an einem Feldweg getötet haben. Zuvor soll er mit der Schülerin wochenlang in einem sozialen Netzwerk gechattet haben. Er muss sich nun unter anderem wegen Mordes, versuchter Vergewaltigung mit Todesfolge und Nötigung vor Gericht verantworten.

Mutter des Opfers: Mädchen hatte Chats und Kontakt mit 30-Jährigem geheim gehalten

An diesem Mittwoch (19.07.) ist die Mutter des Opfers vor Gericht erschienen. Ursprünglich war das bereits einen Monat früher geplant, der Termin war jedoch krankheitsbedingt verschoben worden.

Die Frau schilderte im Zeugenstand, wie sich ihre Tochter in den Wochen vor der Tat verändert habe. „Es ist allen aufgefallen“, sagte die 54-Jährige am Mittwoch als Zeugin vor dem Gießener Landgericht. Das Mädchen sei generell sehr schüchtern und zurückhaltend gewesen und „Ärger weitgehend aus dem Weg gegangen“. Seit etwa Mai habe sie lustlos, teilnahmslos und in sich gekehrt gewirkt. Sie selbst habe gedacht, es liege vielleicht an Problemen in der Schule oder mit einem Lehrer, sagte die Mutter. Den Angeklagten habe das 14-Jährige nie erwähnt, auch ihre Chats mit ihm habe sie vor ihrer Mutter geheim gehalten.

Ayleen sei am Mittag jenes Tages etwas „weinerlich“ gewesen, es sei ihr nicht gut gegangen. Gegen Abend habe sie das Elternhaus verlassen und gesagt, sie wolle einem Jungen aus der Nachbarschaft einen Pulli zurückbringen. Sie habe sich noch gewundert, sagte die Mutter, sonst sei ihre Tochter so gut wie nie allein irgendwo hingegangen, und viel Kontakt zu dem Jungen habe sie auch nicht gehabt.

Danach verschwand die 14-Jährige.

30-Jähriger soll 14-Jährige ermordet und in See versenkt haben

Der angeklagte 30-Jährige und die Schülerin sollen sich über einen Messengerdienst und ein Onlinespiel gekannt haben. Er soll dem Mädchen zahlreiche Nachrichten mit stark sexualisierten Inhalten geschrieben, immer wieder Nacktfotos von ihr gefordert und sie damit unter Druck gesetzt haben. Der Deutsche muss sich unter anderem wegen Mordes, versuchter Vergewaltigung mit Todesfolge und Nötigung vor Gericht verantworten.

Laut Anklage soll er Ayleen am 21. Juli vergangenen Jahres mit seinem Auto in ihrem Heimatort Gottenheim nahe Freiburg abgeholt und sie in ein Waldgebiet nahe Langgöns in Hessen gebracht haben. Dort solle er versucht haben, die Schülerin zu vergewaltigen und sie schließlich erwürgt haben. Ihre Leiche soll er mit dem Auto zum Teufelsee nahe Echzell (Wetteraukreis) gebracht und versenkt haben.