Razzia in Baden-Württemberg
: Bei Einsatz gegen Mafia auch Polizist aus Aalen festgenommen

Hunderte Polizisten in Deutschland und Italien sind unterwegs, um der Mafia und ihren Machenschaften das Handwerk zu legen. Verdächtige landen hinter Gittern. Darunter ist auch ein Polizist.
Von
dpa
Aalen
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Polizeiauto

Den Ermittlern von Polizei und Staatsanwaltschaft ist offenbar ein Schlag gegen die Organisierte Kriminalität gelungen.

Marijan Murat/dpa
  • Polizei und Staatsanwaltschaft gelingt Schlag gegen Mafia und Organisierte Kriminalität.
  • Razzia in vier Bundesländern und Italien; mehrere Festnahmen.
  • Ermittlungskooperation mit italienischen Behörden.
  • Baden-Württemberg als "Rückzugsraum" der Mafia.
  • Pressekonferenz am Nachmittag für detaillierte Auskünfte.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Beim koordinierten Einsatz der Polizei in Deutschland und Italien gegen die Mafia und organisierte Kriminalität sind in den Morgenstunden Dutzende Verdächtige festgenommen worden. Es seien 34 Haftbefehle vollstreckt worden, darunter auch einer gegen einen Polizisten aus dem baden-württembergischen Aalen, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei in Waiblingen mit. Dem 46 Jahre alten Polizeihauptmeister wird demnach Geheimnisverrat vorgeworfen. Der beschuldigte Polizist des Polizeipräsidiums Aalen soll Angehörige der kalabrischen Mafia 'Ndrangheta unterstützt haben. Er kam in Untersuchungshaft.

Die Verdächtigen sollen unter anderem Verbindungen zur kalabrischen Mafia 'Ndrangheta haben, teilten die italienische und die deutsche Polizei weiter mit. Insgesamt 40 Objekte seien im Rahmen des rund zweistündigen Einsatzes in Deutschland und Italien durchsucht worden.

Betroffen seien neben Baden-Württemberg auch Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz sowie das Saarland, hieß es weiter. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Stuttgart erstrecken sich die Maßnahmen in Baden-Württemberg auf Stuttgart, Fellbach, Kernen im Remstal, Weinstadt, Rudersberg, Schorndorf, Waiblingen, Steinheim/Murr, Kuppenheim und Mühlacker.

Koordinierte Aktion mit den italienischen Behörden

Der Einsatz mit dem Namen „Operation Boreas“ geht nach diesen Angaben auf eine Ermittlungskooperation mit den italienischen Behörden zur Bekämpfung der Mafia und der organisierten Kriminalität zurück. Insgesamt reichen die Vorwürfe gegen die Verdächtigen von der Bildung und Unterstützung einer ausländischen kriminellen Vereinigung und bandenmäßigen Betrug, erheblicher Gewalt, mehreren Fällen des versuchten Totschlags und Erpressungen bis hin zu Betäubungsmittelhandel, Geldwäsche und Steuerhinterziehung.

Von den Verdächtigen in Italien sitzen nun zahlreiche im Gefängnis, weitere wurden unter Hausarrest gestellt. Die Verdächtigen konnten laut Polizei in den Provinzen Cosenza und Crotone in Kalabrien aufgespürt werden.

Die Mafia-Organisation 'Ndrangheta aus der süditalienischen Region Kalabrien ist eine der großen Verbrecherbanden Italiens mit Beziehungen in die ganze Welt. Sie gilt als gefährlicher als die sizilianische Cosa Nostra oder die Camorra aus Neapel. Den größten Teil ihres Geschäfts macht die 'Ndrangheta mit Rauschgift. Nach Einschätzung von Experten hat sie eine dominante Stellung auf dem europäischen Kokain-Markt. Dabei ist sie auch in Deutschland aktiv.

Italienische Mafia-Gruppen auch im Südwesten aktiv

Nach einer letzten Auskunft des Landesinnenministeriums (April 2024) leben allein in Baden-Württemberg rund 170 Personen, die das Landeskriminalamt der organisierten Kriminalität zurechnet. Tätige Mafiaorganisationen seien 'Ndrangheta, Cosa Nostra, Camorra und Sacra Corona Unita. Die Verdächtigen leben demnach insbesondere im Bodenseeraum und im Großraum Stuttgart.

Knapp ein Viertel der Angehörigen der italienischen organisierten Kriminalität in Deutschland leben in Baden-Württemberg. Das wird auf die geografische Nähe zu Italien zurückgeführt, aber auch auf die Wirtschaftskraft des Bundeslandes. Das Spektrum der Straftaten reicht von Betrug über Drogenhandel und Waffendelikten bis hin zur Geldwäsche. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer an Mafiosi aus.

Den jüngsten Einsatz unterstützt hat nach Angaben der italienischen Polizei außerdem das Interpol-Projekt I-CAN (Interpol Cooperation Against 'Ndrangheta). Mit der Hilfe des I-CAN-Projekts wurden nach Interpol-Angaben seit seinem Start 2020 weltweit schon mehr als 100 Verdächtige festgenommen. An dem Projekt sind demnach etwa 20 Länder beteiligt, hauptsächlich Deutschland und Italien engagieren sich dort verstärkt.

Für Aufsehen sorgte im August 2023 die Verhaftung eines 59-Jährigen in Bad Urach (Kreis Reutlingen), der 23 Jahre zuvor einen Mafia-Mord begangen haben soll.

Mafia-Organisation 'Ndrangheta

Die Mafia-Organisation 'Ndrangheta aus der süditalienischen Region Kalabrien ist eine der großen Verbrecherbanden Italiens mit Beziehungen in die ganze Welt. Sie gilt als gefährlicher als die sizilianische Cosa Nostra oder die Camorra aus Neapel. Den größten Teil ihres Geschäfts macht die 'Ndrangheta mit Rauschgift. Nach Einschätzung von Experten hat sie eine dominante Stellung auf dem europäischen Kokain-Markt. Dabei ist sie auch in Deutschland aktiv.

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