Landtagswahl BW 2026
: Wie Jungwähler gewählt haben – und welches Alter besonders AfD-affin ist

HintergrundDie Auswertung der Wahl nach Altersgruppen zeigt eine politisch gespaltene Wählerschaft. Was junge Menschen und ältere Generationen voneinander unterscheidet.
Von
Paloma Schneider
Stuttgart/Ulm
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Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg - Die Linke: 09.03.2026, Berlin: Ines Schwerdtner (l), Bundesvorsitzende der Partei Die Linke, äußert sich zusammen mit den Linken-Spitzenkandidatinnen von Baden-Württemberg, Mersedeh Ghazaei (l-r), Amelie Vollmer und Kim Sophie Bohnen bei einer Pressekonferenz im Karl-Liebknecht-Haus zum Wahlergebnis der Landtagswahl in Baden-Württemberg. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

14 Prozent der 16 bis 24-Jährigen wählten die Linke zur Landtagswahl in Baden-Württemberg.

Bernd von Jutrczenka/dpa
  • BW hat gewählt: Özdemir (Grüne) wird wohl Ministerpräsident, Koalition mit CDU nötig.
  • Erstmals durften 16- und 17-Jährige wählen; Analyse zeigt starke Generationenunterschiede.
  • 16–24: Grüne 28%, AfD/CDU 16%, Linke 14%; SPD/FDP je 6%; junge Frauen linker, Männer AfD.
  • 25–34: Grüne 27%, AfD 23%, CDU 17%, SPD 4%.
  • 70+: CDU 44% (Bestwert); 60–69: Grüne 34% (Bestwert). AfD bei 35–44: 24% (Höchstwert).

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Baden-Württemberg hat gewählt: Cem Özdemir von den Grünen tritt voraussichtlich in die Fußstapfen von Winfried Kretschmann als neuer Ministerpräsident. Die Grünen werden zudem wohl wieder mit der CDU koalieren müssen – für andere Koalitionen gibt es keine Mehrheiten, da CDU und Grüne beide eine Zusammenarbeit mit der AfD ausschließen.

Erstmals durften bei dieser Landtagswahl auch 16- und 17-Jährige mitwählen. Wie tickt diese Wählergruppe politisch? Eine Analyse des Wahlergebnisses nach Altersgruppen lässt klare Rückschlüsse auf die unterschiedlichen Präferenzen der Generationen in Baden-Württemberg zu.

16 bis 24 Jahre: Linke holt auf, CDU flacht ab

Bei den Erst- und Jungwählern zeigt sich: Die Grünen erreichen bei dieser Altersgruppe mit 28 Prozent den höchsten Wert. Die AfD und die CDU folgen mit jeweils 16 Prozent. Bemerkenswert ist, dass die Linke mit 14 Prozent zur AfD aufschließt. So hat bei den Jungwählern fast jeder Dritte für AfD oder Linke gestimmt. SPD und FDP liegen mit jeweils sechs Prozent deutlich hinter den anderen Parteien, aber immer noch besser als im amtlichen Endergebnis.

Ein deutlicher Trend, der in den letzten Jahren ebenfalls zu beobachten ist: Junge Frauen neigen stärker zu linken Positionen (Grüne, Linke), während junge Männer vermehrt die AfD unterstützen. Dies deutet auf eine tiefere gesellschaftliche und kulturelle Spaltung hin, die bereits bei den Wählergruppen der Bundestagswahl auftrat – und in vielen Ländern der Welt zu beobachten ist.

25 bis 34 Jahre: Grüne oder AfD

Die Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen – der ältere Teil der Generation Z und Millennials – zeigt ein ähnliches Wahlverhalten wie die 16- bis 24-Jährigen. Allerdings ist der Abstand zwischen den Grünen und der AfD in dieser Gruppe nicht nur geringer, sondern die jungen Menschen tendieren hier stärker zu einer klaren Ausrichtung entweder nach rechts oder links. Die Grünen sind mit 27 Prozent weiterhin die stärkste Partei, gefolgt von der AfD mit 23 Prozent. Die CDU liegt mit 17 Prozent deutlich hinter den Grünen, was einen größeren Abstand als bei den jüngeren Wählern (16- bis 24-Jährige) bedeutet. Die SPD erreicht in dieser Gruppe lediglich vier Prozent und würde damit den Einzug in den Landtag verfehlen.

35 bis 44 Jahre: Grün konservativ bis rechts

In der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen erreicht die AfD mit 24 Prozent ihren höchsten Wert und liegt damit gleichauf mit der CDU. Die Grünen führen mit 29 Prozent auch in dieser Gruppe die Rangliste an. Der geringe Abstand zwischen Grünen und CDU deutet aber darauf hin, dass diese Altersgruppe politisch ausgewogener ist. Bemerkenswert ist, dass in dieser Gruppe die Linke den Einzug in den Landtag schaffen würde, während SPD und FDP an der 5-Prozent-Hürde scheitern würden.

45 bis 59 Jahre: Gleichstand bei CDU und Grünen

Die Altersgruppe der 45- bis 59-Jährigen zeigt ein ähnliches Wahlbild wie die 35- bis 44-Jährigen, jedoch liegen die Grünen und die CDU hier mit jeweils 30 Prozent gleichauf. Die AfD erzielt mit 22 Prozent weiterhin ein starkes Ergebnis, verzeichnet jedoch im Vergleich zu den jüngeren Altersgruppen (25 bis 44 Jahre) einen Rückgang. Die SPD spielt mit fünf Prozent in dieser Altersgruppe nur eine geringe Rolle. Die Linke schneidet mit drei Prozent unterdurchschnittlich ab, und auch die FDP würde mit vier Prozent den Einzug in den Landtag verpassen.

60 bis 69 Jahre: Bestes Grünen-Ergebnis

In der Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen erreichen die Grünen mit 34 Prozent ihren höchsten Wert. Die CDU folgt dicht mit 32 Prozent, was auf eine weiterhin starke Unterstützung dieser Partei in der älteren Generation hinweist. Die AfD liegt mit 19 Prozent vergleichsweise niedriger als in den jüngeren Altersgruppen, während die Linke mit nur zwei Prozent nahezu keine Rolle spielt. Die SPD bleibt mit fünf Prozent ebenfalls schwach vertreten.

70+ Jahre: Bestes CDU-Ergebnis

Die CDU erzielt bei den Wählern ab 70 Jahren mit 44 Prozent ihren höchsten Wert. Dies verdeutlicht nicht nur den demografischen Wandel hin zu einer älter werdenden Gesellschaft, sondern vor allem die traditionelle starke Bindung der älteren Generationen an die CDU. Die Grünen schneiden in dieser Altersgruppe mit 31 Prozent ebenfalls relativ gut ab. Die AfD erreicht mit neun Prozent deutlich geringere Werte als in den jüngeren Altersgruppen. Die Linke (zwei Prozent) und die SPD (acht Prozent) liegen vergleichsweise niedrig.