Landtagswahl BW 2026
: Palmer hat Verständnis für CDU-Wut auf Grüne – Will er Minister werden?

Nach der Landtagswahl kocht in der CDU die Wut auf die Grünen wegen einer vermeintlichen Schmutzkampagne hoch. Tübingens OB Boris Palmer zeigt Verständnis für die Empörung – und heizt mit Andeutungen über einen Ministerposten neue Spekulationen an.
Von
dpa
Stuttgart/Tübingen
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Boris Palmer - Oberbürgermeister von Tübingen

„Ich kann mich in die Seele der CDU da gut reinversetzen“, sagt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer.

Bernd Weißbrod/dpa
  • CDU wirft Grünen nach Video über Manuel Hagel eine „Schmutzkampagne“ vor.
  • Boris Palmer zeigt Verständnis für CDU-Ärger, sieht aber keine orchestrierte Aktion.
  • Grüne vs. CDU: knappes Rennen, hauchdünner Vorsprung für die Grünen.
  • Cem Özdemir könnte Kretschmann folgen und wohl mit der CDU regieren.
  • Palmer lässt Minister-Spekulation offen, bietet Rat an und lobt Özdemir.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Nach der Landtagswahl ist die Wut in der Südwest-CDU immer noch groß - die Christdemokraten werfen den Grünen nach der Veröffentlichung eines Videos über Spitzenkandidat Manuel Hagel eine „Schmutzkampagne“ vor. Tübingens streitbarer Oberbürgermeister Boris Palmer kann das nachvollziehen. „Ich kann mich in die Seele der CDU da gut reinversetzen“, sagte er.

Eine Grünen-Bundestagsabgeordnete aus Karlsruhe hatte vor knapp zwei Wochen ein altes Video aus dem Jahr 2018 gepostet, in dem der damals 29-jährige Hagel von einer Schülerin schwärmt – und von ihren „rehbraunen Augen“.

Video ging viral

Das Video ging viral, verbunden mit Sexismusvorwürfen. Bei der Landtagswahl liefern sich Grüne und CDU ein knappes Rennen um Platz eins, am Ende mit einem hauchdünnen Vorsprung für die Grünen. Spitzenkandidat Cem Özdemir könnte in die Fußstapfen von Ministerpräsident Kretschmann (Grüne) treten – dann wird er vermutlich eine Regierung mit der CDU bilden.

Es sei schon schmerzhaft, einen so sicher geglaubten Sieg auf den letzten Metern zu verlieren, sagte Palmer zum Abschneiden der CDU am Abend. Und wenn man dann noch den Eindruck habe, dass es unfair gewesen sei, könne er verstehen, wenn man auch harte Worte benutze. CDU-Generalsekretär Tobias Vogt hatte etwa kurz vor der Wahl von einer Schmutzkampagne der Grünen gesprochen, die „Menschen vernichte“.

„Solche Abgeordnete gibt es bei CDU nicht“

Palmer glaubt aber nicht an eine orchestrierte Kampagne bei den Grünen. Für die Union klinge unglaubwürdig, wenn eine Bundestagsabgeordnete sage, sie habe etwas gepostet und mit niemandem gesprochen. „Das können die sich nicht vorstellen, weil es bei denen solche Abgeordnete nicht gibt“, sagte Palmer. „Bei den Grünen gibt es Abgeordnete, die das tatsächlich auf eigene Rechnung machen, auch wenn man es nicht glauben kann, und es natürlich vollkommen absurd ist.“ Palmer war selbst lange Mitglied der grünen Partei.

Nun komme es für die Grünen darauf an, der CDU zu vermitteln, dass das keine „ausbaldowerte Intrige“ gewesen sei, hinter der der grüne Spitzenkandidat Cem Özdemir stecke, sagte Palmer. „Ich hoffe jetzt nur, dass diese Wunden nicht zu tief sind. Dass die Union in den nächsten Tagen zurückfindet“, sagte Palmer. Baden-Württemberg brauche eine stabile Regierung - das könnten nur die beiden Parteien machen. „Es ist Vertrauensbildung angesagt - das kann natürlich nur vom Wahlsieger kommen.“

Spekulationen darüber, ob er eine Rolle in der künftigen Landesregierung spielen wird, hatte Palmer am Sonntag offengelassen. „Wenn Sie das wissen wollen, müssen Sie den Ministerpräsident fragen“, sagte der frühere Grünen-Politiker Palmer dem Nachrichtenmagazin „Focus“. In der Landesverfassung stehe, dass der Ministerpräsident die Minister ernenne.

„Wenn jemand meinen Rat sucht, bekommt er den“

Palmer sagte zugleich: „Wenn jemand meinen Rat sucht, dann bekommt er den. Das war die letzten 15 Jahre ein vertrauensvolles Verhältnis mit Winfried Kretschmann. Dafür stehe ich weiter zur Verfügung.“

Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir dürfte dem Wahlergebnis zufolge in die Fußstapfen von Ministerpräsident Kretschmann (Grüne) treten. Özdemir lobte seinen ehemaligen Parteifreund Palmer immer wieder in den höchsten Tönen. Palmer sei für ihn ein „sehr, sehr wichtiger Ratgeber“.

Zum Wahlergebnis Özdemirs sagte Palmer auch mit Blick auf Kretschmann: „Cem ist der neue Kretsch. Sensationeller persönlicher Erfolg für ihn.“

Der Tübinger Oberbürgermeister hatte Mitte Februar auch die Trauung Özdemirs und seiner Ehefrau Flavia Zaka im Rathaus vorgenommen. Der Rathauschef ist ein langjähriger Freund der Familie.