IQB-Bildungstrend
: Schüler schlechter in Mathe und Bio – so steht Baden-Württemberg da

Die Kompetenzen von Neuntklässlern in Mathematik und Naturwissenschaften (Biologie, Chemie und Physik) sind stark rückläufig. Viele Schüler schaffen Mindeststandards nicht.
Von
Axel Habermehl
Stuttgart
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Sachsen-Anhalts Schüler in Naturwissenschaften über Durchschnitt: ACHTUNG: SPERRFRIST 16. OKTOBER 15:30 UHR. DIE SPERRFRIST WURDE DURCHBROCHEN. - ARCHIV - 13.05.2019, Baden-Württemberg, Karlsruhe: Schüler arbeiten in einer Unterrichtsstunde mit Tablets. Auf einer Pressekonferenz wurde am 18.10.2019 die neue Studie IQB-Bildungstrend vorgestellt. (Symbolbild) (zu dpa: «Chemie, Biologie, Physik: Schüler im Land über Durchschnitt») Foto: Uli Deck/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Gefährlicher Trend: Immer mehr Kinder zeigen in der Schule immer schlechtere Leistungen.

Uli Deck/dpa
  • IQB-Bildungstrend 2024: Mathe- und Naturwissenschafts-Kompetenzen von Neuntklässlern sinken.
  • Bundesweit verfehlen viele Schüler Mindeststandards – besonders in Bremen, Hessen, NRW und Saarland.
  • In Mathe erreichen 34 % den MSA-Mindeststandard nicht, Chemie 25 %, Physik 16 %, Biologie 10 %.
  • Soziale, migrationsbezogene Ungleichheiten und geringes Interesse (über 50 %) verschärfen den Trend.
  • Corona-Schulschließungen und hohe Migration gelten als mögliche Ursachen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen deutscher Neuntklässler sind zunehmend stark rückläufig. Das geht aus dem IQB-Bildungstrend 2024 hervor, eine der wichtigsten langfristigen Bildungsstudien in Deutschland (einen Bericht über die Ergebnisse 2018 finden Sie hier). Weite Teile der getesteten Schüler erfüllen in allen Bundesländern altersgemäße Mindest- und Regelstandards nicht. Während diese Risikogruppe wächst, wird die Spitzengruppe der Jugendlichen, die Optimalstandards erreicht, kleiner.

Baden-Württemberg liegt, nach Sachsen und Bayern, in allen getesteten Fächern in der Spitzengruppe. Doch auch in diesen führenden Bundesländern gehen die Leistungen zurück. Die Studie des IQB (Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen) zeigt einen klaren Negativtrend: „In allen vier untersuchten Fächern werden die Regelstandards seltener erreicht und die Mindeststandards häufiger verfehlt als in den Jahren 2012 und 2018“, melden die Bildungsforscher. In Mathematik verfehlten bundesweit 9 Prozent den Mindeststandard für den Ersten Schulabschluss und 34 Prozent den für den Mittleren Schulabschluss (MSA). In den Naturwissenschaften erreichten 10 Prozent (Biologie), 25 Prozent (Chemie) und 16 Prozent (Physik) nicht die Mindeststandards.

Im Vergleich zu 2018 ist der Anteil der Jugendlichen, die die Mindeststandards in Mathematik nicht erreichen, um 10 Prozentpunkte gestiegen; der Anteil, der die Regelstandards schafft, sank um 12 Punkte. Insgesamt gingen die gemessenen Kompetenzen deutlich stärker zurück als zwischen 2012 und 2018. Die negativen Trends betreffen alle Bundesländer, „wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß“, heißt es im Bericht. Besonders schlechte Entwicklungen zeigten sich in Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen und im Saarland.

Die Forscher maßen teils große Unterschiede zwischen den Kompetenzen von Mädchen und Jungen. Zudem stellten sie erhebliche soziale und migrationsbezogene Ungleichheiten fest. „Besorgniserregend hoch“ sei der Anteil der Jugendlichen, die über ein schwach ausgeprägtes fachliches Interesse verfügen. „In den Fächern Mathematik, Chemie und Physik liegt dieser Anteil jeweils bei 50 Prozent oder darüber, im Fach Biologie bei 43 Prozent.“

Mit der Nennung möglicher Ursachen für die Entwicklungen halten sich die Autoren der Studie traditionell zurück. Dass die Schulschließungen während der Corona-Pandemie sich ungünstig ausgewirkt haben, gilt als gesichert. Der nun getestete Jahrgang war 2020, zu Beginn der ersten Einschränkungen, in der fünften Klasse. Auch die starke Einwanderung nach Deutschland gilt als mögliche Ursache, da Kinder aus Migrantenfamilien deutlich schlechtere Ergebnisse erbringen. Zudem hätten besonders bei Mädchen psychosoziale Auffälligkeiten zugenommen, das Gefühl einer Schulverbundenheit nehme ab.

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