Impfung Corona BW
: So sollen die Impfungen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg laufen

Hersteller wie Biontech stehen mit ihren Impfstoffen in den Startlöchern. Jetzt steht fest, wie in Baden-Württemberg die Bevölkerung geimpft werden soll.
Von
Sven Kaufmann mit dpa
Stuttgart
Jetzt in der App anhören

Die Corona-Impfung der Bevölkerung in Baden-Württemberg soll in Impf-Zentren stattfinden.

dpa

Wie sollen zehntausende Menschen gegen das Coronavirusgeimpft werden? Massen-Impfungen stellen unter anderem die Hersteller des Impfstoffs, Produzenten von Spritzen und Kanülen, und nicht zuletzt jene, welche den Impfstoff verabreichen, beziehungsweise spritzen sollen, vor enorme logistische Herausforderungen. Ein derart großes Projekt im Kampf gegen die Corona-Pandemie muss generalstabsmäßig geplant werden.

Auch das Land Baden-Württemberg bereitet sich vor und will rechtzeitig zur ersten Lieferung des ersehnten Corona-Impfstoffs die Zentren für die Logistik und Personalfragen rund um die Massenimpfung bereitstellen. Dazu wurde am Dienstag eine Impf-Strategie für BW vorgestellt.

ZIZ: Das sind die Corona-Impfzentren in Baden-Württemberg - Ulm ist dabei

Teil des am Dienstag im Kabinett beschlossenen Konzepts ist der Aufbau von zwei oder drei Zentralen Impfzentren (ZIZ) in jedem der vier Regierungsbezirke bis Mitte Dezember. Als Standorte wurden ausgewählt:

Messe Freiburg

Messe Ulm

Messe Offenburg

Messe Karlsruhe

Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart.

Diese Standorte werden durch Mobile Impfteams unterstützt, die Menschen in Alten- und Pflegeheimen sowie immobile Personen versorgen.

KIZ: Zwei Impfzentren pro Stadtkreis und Landkreis

In einem zweiten Schritt sollen bis zum 15. Januar ein bis zwei Kreis-Impfzentren (KIZ) pro Stadt- und Landkreis aufgebaut werden. Sie sollen je zwei eigene Mobile Teams einsetzen und nach den Planungen bis Ende 2021 arbeiten. Standorte für die KIZ sollen erst später ausgewählt werden, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne).

2250 Corona-Impfungen pro Tag in Impfzentren in BW

Nach den Berechnungen seines Ministeriums werden pro ZIZ täglich mindestens 1500 Impfungen veranschlagt. „Ausgehend von sieben Tagen pro Woche, könnten so in den ersten vier Wochen circa 42.000 Impfungen pro ZIZ stattfinden“, sagte Lucha. Für die Kreisimpfzentren (KIZ) sind täglich etwa 750 Impfungen veranschlagt. Insgesamt werde das Land vorbereitet sein, neun Millionen Baden-Württemberger impfen zu lassen - „theoretisch und praktisch“, sagte Lucha.

60 Millionen Euro für Corona-Impfungen

Die Umsetzung der Corona-Impfungen wird das Land von Mitte Dezember an und bis Mitte April rund 60 Millionen Euro allein für die Personal- und Sachkosten in den Impfzentren kosten, wie aus dem Impfkonzept des Landes weiter hervorgeht. Die Beschaffung des Impfbestecks und die Impfstoff-Logistik sind bereits mit 15 Millionen Euro veranschlagt und genehmigt. Die Kosten trägt laut Konzept das Land zunächst vollständig selbst. Geplant ist aber, dass sich die gesetzliche Krankenversicherung zur Hälfte daran beteiligt. Rechtlich bindend ist das allerdings nicht.

Erste Impfstoff-Lieferung Mitte Dezember

Erste Lieferungen des Impfstoffs könnte es nach den Erwartungen des Landessozialministeriums im Laufe des Dezember geben. „Ziel ist, die Impflogistik und die benötigten Strukturen für eine mögliche Verimpfung zum 15.12.2020 bereitzustellen“, heißt es in dem Papier der Landesregierung.

Derzeit rechnet Lucha (Grüne) damit, dass vom Impfstoff-Kandidaten Biontech/Pfizer in einer ersten Tranche fünf Millionen Impfdosen bundesweit verfügbar sein werden, davon in Baden-Württemberg 600.000.

Auch der US-Konzern Moderna hofft, in der zweiten Dezemberhälfte eine bedingte Marktzulassung zu bekommen. „Der Impfstoff ist das Mittel zur Rückkehr zum gewohnten Leben“, sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Dienstag.