Heftiger Schneefall
: Züge stehen still zwischen Ulm und München – Fahrgäste müssen im ICE übernachten

Wegen des Wintereinbruchs sind einige Bahnstrecken derzeit gesperrt. Über Nacht mussten Dutzende Fahrgäste in einem stehengebliebenen Zug am Ulmer Hauptbahnhof ausharren.
Von
Daniel Wydra
München
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  • Die Deutsche Bahn rät, Reisen nach München wegen des Winterwetters zu verschieben.

    Die Deutsche Bahn rät, Reisen nach München wegen des Winterwetters zu verschieben.

    Matthias Schrader/dpa
  • Ein ICE konnte wegen des Wetters nicht nach München weiterfahren. Betroffene Reisende durften die Nacht im stehenden Zug verbringen.

    Ein ICE konnte wegen des Wetters nicht nach München weiterfahren. Betroffene Reisende durften die Nacht im stehenden Zug verbringen.

    Sven Hoppe
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Wegen des Wintereinbruchs ist der Bahnverkehr in Süddeutschland stark beeinträchtigt. Derzeit komme es zu Verspätungen und Zugausfällen, teilte eine Bahnsprecherin am Samstagmorgen mit. Am Ulmer Hauptbahnhof konnten zeitweise gar keine Züge fahren, wie ein Reporter der SÜDWEST PRESSE vor Ort beobachtete. Etwa 150 Reisende mussten sogar am Bahnhof übernachten – in einem stehenden Zug.

In Ulm gestrandet: Fahrgäste übernachten in ICE

Dazu teilte eine Bahn-Sprecherin mit, dass der ICE 615 von Hamburg-Altona nach München in der Nacht zu Samstag gegen 0 Uhr seine Fahrt „wegen unerwartet extremen Witterungsbedingungen in Ulm beenden“ musste. Die betroffenen Reisenden konnten die Nacht im Zug verbringen. Um 14 Uhr soll er zurück Richtung Hamburg gefahren sein.

Am Samstagmorgen gegen 5 Uhr konnten einige Züge von Ulm aus starten, bevor der Betrieb am Morgen nach Informationen der SÜDWEST PRESSE erneut unterbrochen werden musste. Am frühen Nachmittag scheint sich die Lage auf einigen Nahverkehrslinien zu normalisieren, der Fernverkehr fällt dagegen weiter komplett aus. Diese Züge kommen normalerweise fast alle vom Münchner Hauptbahnhof, dort ist derzeit kein Zugverkehr möglich. Laut dem DB-Navigator und den Anzeigen in der Bahnhofshalle fahren auf folgenden Strecken wieder Nahverkehrszüge:

  • nach Stuttgart
  • nach Aalen
  • nach Wendlingen
  • nach Biberach
  • nach Ingolstadt

Bahn rät, Reisen auf Montag zu verschieben

Wie unsere Reporterin von einer Mitarbeiterin der Deutschen Bahn im Ulmer Hauptbahnhof erfuhr, können Fahrgäste mit dem Nahverkehrszug nach Stuttgart fahren und dort in einen Fernzug umsteigen. Die Bahn rate aber davon ab. Fahrgäste sollten ihre Reise, wenn möglich, auf Montag verschieben, dann sollte sich die Lage entspannt haben.

Auf den Strecken von Ulm nach München, Kempten und Donaueschingen ist noch kein Zugverkehr möglich – wegen viel Schnee, vereister Oberleitungen und umgestürzter Bäume.

In der Ulmer Bahnhofshalle bildeten sich lange Schlangen vor den DB-Schaltern. Viele Leute suchten in ihren Handys nach möglichen Verbindungen oder teilten Bekannten mit, dass ihr Zug ausfällt. Die Reisenden blieben dennoch entspannt, es brach keine Hektik aus.

Viele Reisende erkundigten sich am Schalter, wie sie von Ulm aus weiterkommen.

Amelie Schröer

Hauptbahnhof München weiterhin gesperrt

Im Münchner Hauptbahnhof ist der Zugverkehr weiter unterbrochen. Einer DB-Sprecherin zufolge sollte die Sperrung bis mindestens 10.00 Uhr am Sonntag andauern. Die Bahn wolle den Betrieb baldmöglichst anrollen lassen, jedoch seien zuvor Kontrollflüge von Helikoptern entlang der Strecken erforderlich. Diese seien auf Tageslicht angewiesen. Unter der Schneelast zusammengebrochene Bäume hatten in der Nacht zum Samstag Bahnstrecken blockiert. Reisende müssten noch bis Montag mit massiven Einschränkungen im Bahnverkehr rechnen, sagte die Sprecherin am frühen Sonntagmorgen.

Massiver Schneefall und Eisglätte hatten seit der Nacht zum Samstag weite Teile insbesondere Süddeutschlands lahm gelegt. Der Flughafen München hatte den Flugbetrieb eingestellt, seit Sonntagmorgen läuft der Betrieb wieder. Es sei aber weiterhin mit Einschränkungen zu rechnen, hieß es. Auf den Straßen hatte sich die Lage am Sonntagmorgen entspannt. Weiterer Neuschnee soll am Sonntag laut Deutschem Wetterdienst (DWD) weitgehend ausbleiben.

Zugbindung wegen Schneefalls aufgehoben

Auch in anderen Teilen von Süddeutschland könne es zu witterungsbedingten Zugausfällen und Verspätungen kommen, hieß es weiter. Alle Fahrgäste, die ihre in Süddeutschland geplante Reise aufgrund des Wintereinbruchs verschieben wollten, könnten ihr Ticket zu einem späteren Zeitpunkt nutzen. Die Zugbindung sei aufgehoben. Die Bahn bat, sich vor Reiseantritt auf bahn.de, in der App DB-Navigator oder bei der telefonischen Reiseauskunft zu informieren. Die Deutsche Bahn hat eine Sonderhotline eingerichtet: 08000 99 66 33.

Schon in der Nacht zu Samstag mussten viele Bahnstrecken um München herum gesperrt werden. Das führte dazu, dass in München und auch in Ulm jeweils ein Zug strandete – betroffene Fahrgäste konnten dort die Nacht verbringen. Wie viele Züge ihre Fahrten vorerst abbrechen mussten, war laut einer Sprecherin der DB zunächst unklar. Dem Deutschem Wetterdienst zufolge bleibt es zunächst bei dem winterlichen Wetter. Erwartet werden im Süden und Südosten bis zum Nachmittag andauernde, teils kräftige Schneefälle.