Gewalttat in St. Leon-Rot: 18-Jähriger nach tödlichem Messerangriff in U-Haft
Der 18-Jährige, der am Donnerstag (25.1.) eine gleichaltrige Schülerin in St. Leon-Rot bei Heidelberg mit einem Messer getötet haben soll, sitzt nun in Haft – er wird des Mordes verdächtigt. Der junge Mann sei der zuständigen Haftrichterin des Amtsgerichts Heidelberg vorgeführt worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag nach der furchtbaren Bluttat mit. Sie habe Haftbefehl erlassen und in Vollzug gesetzt. Anschließend sei der 18-Jährige in eine Justizvollzugseinrichtung gebracht worden.
Großeinsatz an Schule: Hubschrauber im Einsatz
Ein Blick zurück auf den Vortag: Am Tag der Messerattacke geht um 10.19 Uhr ein Notruf bei der Polizei ein. Zunächst ist die Rede von einer Frau, die im Löwenrot-Gymnasium schwer verletzt wurde. Bald ist klar: Es handelt sich um eine 18-jährige Schülerin, Tatwaffe war ein Messer. Es wird noch versucht, die Schülerin zu reanimieren – allerdings erfolglos. Wer für ihren Tod verantwortlich ist, bleibt zunächst unklar, allerdings wird früh von einer „Beziehungstat“ gesprochen. Die Schule wird nach der Tat evakuiert, 600 Schülerinnen und Schüler werden an einer Sammelstelle betreut oder von ihren Eltern abgeholt.
Der Tatverdächtige, ein deutscher Staatsangehöriger, ist zu der Zeit noch auf der Flucht. Schwer bewaffnete Polizisten durchsuchen die Schule, Rettungskräfte sind im Einsatz, ein Hubschrauber fahndet aus der Luft nach dem Flüchtigen. Notfallseelsorger und zwischen 15 und 20 Polizeifahrzeuge, die Kriminalpolizei und die Feuerwehr wurden nach dem Alarm an den Ort der Schule gezogen. Um 13.49 Uhr dann die Entwarnung für die Bevölkerung: Der 18-Jährige wurde gefasst.
Tatverdächtiger liefert sich Verfolgungsjagd
Am Freitag teilen Staatsanwaltschaft und Polizei mit, dass seine Fluchtfahrt vom Tatort in Richtung Norddeutschland verlief. Nach der Ortung des Fahrzeugs gelang es den Beamten, die Verfolgung aufzunehmen. Der Beschuldigte floh „zeitweise mit sehr hoher Geschwindigkeit“ vor den Polizeikräften und verursachte schließlich einen Unfall mit einem unbeteiligten Fahrzeug. Demnach sei der Tatverdächtige bei seiner Flucht auf der Autobahn in Seesen (Niedersachsen) in den Gegenverkehr geraten. Sowohl der 18-Jährige als auch der Fahrer des anderen Fahrzeugs wurden verletzt. Beide wurden zunächst in umliegende Krankenhäuser gebracht.

Nach der Gewalttat an einer Schule in St. Leon-Rot bei Heidelberg ist der flüchtige mutmaßliche Täter mit seinem Auto in Niedersachsen in den Gegenverkehr geraten und bei einem Zusammenstoß verletzt worden.
Martin Dziadek/dpaOpfer erstattet im November Anzeige gegen 18-Jährigen
Nach bisherigen Erkenntnissen waren das Opfer und der mutmaßliche Täter im Jahr 2023 zeitweilig liiert. Zum Zeitpunkt der Tat sei die Beziehung jedoch bereits beendet gewesen, so die Staatsanwaltschaft am Freitag. Polizei, Schule und Jugendamt haben den 18-Jährigen wegen seiner Beziehung zum Opfer seit längerem im Blick gehabt. Bereits im November 2023 habe die Schülerin Strafanzeige gegen den jungen Mann wegen körperlicher Gewalt gestellt. Der Nachrichtensender ntv berichtete am Freitagmorgen, dass der mutmaßliche Attentäter sein Opfer zuvor bereits krankenhausreif geprügelt habe.
Nach der Strafanzeige im November habe die Polizei Zeugen und den Beschuldigten vernommen, teilen die Ermittler am Freitag weiter mit. Wenige Tage nach dem Vorfall sowie Mitte Dezember 2023 hätten die Beamten zudem sogenannte Gefährderansprachen gehalten. Die Polizei hatte den Angaben zufolge auch Kontakt zum Jugendamt und der Schulleitung aufgenommen in der Sache. Die Schule habe dann „Maßnahmen der Kontaktbeschränkung im Schulbetrieb“ getroffen. Ein gerichtlich angeordnetes Kontaktverbot gab es nicht.
Schule wollte Kontakt unterbinden
Der 18-Jährige sollte seinem Opfer nach einer Intervention der Schule eigentlich nicht mehr über den Weg laufen. Die Schule habe sich nach der Anzeige der Schülerin wegen Körperverletzung im vergangenen Jahr mit der Polizei abgestimmt, teilte der Kommunikationsexperte Dirk Metz am Freitag im Rathaus der Gemeinde mit. Metz war von der Schule in der Sache beauftragt worden.
Es seien nach sorgfältiger Abwägung Vereinbarungen getroffen worden, dass die beiden Personen sich „möglichst nicht begegnen“, sagte Metz. „Das war das Hauptziel.“ Zuletzt hätten alle Beteiligten den Eindruck gehabt, dass sich die Dinge beruhigt hätten. „Hundertprozentige Sicherheit gibt es halt nicht.“
Das betroffene Gymnasium wurde 1998 als Privatgymnasium Leimen mit einer Elterninitiative gegründet. Derzeit werden nach Angaben der Schule dort 685 Schüler von 85 Lehrkräften unterrichtet. Die Homepage der Schule zeigt seit Donnerstag eine Fehlermeldung an.
Erinnerung an Gewalttat in Offenburg im November
Die Tat erinnert an eine andere Gewalttat im vergangenen November in Offenburg. Damals hatte ein 15 Jahre alter Schüler einen Gleichaltrigen in einer sonderpädagogischen Schule erschossen. Der Angriff des Deutschen hatte sich nach Polizeiangaben in der 9. Klasse des Tatverdächtigen abgespielt. Der 15-jährige Schüler war demnach in sein Klassenzimmer gekommen und hatte seinem Mitschüler mit einer Handfeuerwaffe in den Hinterkopf geschossen.
Mit Informationen von dpa.




