Geschützte Vögel: Saatkrähen werden zum Abschuss freigegeben

In Ulm und Neu-Ulm haben sich massenhaft Saatkrähen niedergelassen. Die Rabenvögel verbreiten sich im ganzen Land und richten in der Landwirtschaft Schäden an.
Volkmar Könneke- Saatkrähen schädigen landwirtschaftliche Felder in Schwärmen.
- Abschüsse werden in Baden-Württemberg vereinfacht.
- Landkreise erlassen befristete Ausnahmen für Jagdberechtigte.
- NABU kritisiert Abschüsse und empfiehlt Alternativen.
- Saatkrähenbestand in Deutschland nicht gefährdet, 105.000 Brutpaare.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mais, Kürbisse oder Erdbeeren: Saatkrähen verursachen auf Feldern mancherorts große Schäden. Behörden in Baden-Württemberg haben reagiert und den Abschuss der geschützten Tiere erleichtert, etwa in Teilen der Rheinebene und im Landkreis Ravensburg. Das Jagdgewehr als Mittel zum Vertreiben der unerwünschten Vögel? Das sorgt für Debatten.
Welche Probleme haben Landwirte mit Saatkrähen?
Die Tiere tauchen häufig in Schwärmen auf den Feldern auf und fallen über Saatgut und junge Pflanzen her. Stefan Brudy aus Appenweier baut Mais an, der Landwirt musste bereits nachpflanzen. „Manchmal fressen sie den Keimling, manchmal spucken sie ihn aus“, sagt er der Deutschen Presse-Agentur. Auf seinem Feld im Ortenaukreis sind kleine Bohrlöcher zu sehen, dort haben die Vögel zahlreiche Pflänzchen entfernt. Die Schäden seien zwar lokal, könnten für einen einzelnen Betrieb jedoch sehr hoch sein, bilanzierte das Landesagrarministerium schon im April mit Blick auf Saat- und Rabenkrähen. Auch im Landkreis Ravensburg treiben die Vögel ihr Unwesen. In der Region häuften sich die Fälle, in denen frisch ausgebrachtes Saatgut gefressen sowie junge Getreide-, Futter- und Gemüsepflanzen, einschließlich Erdbeerpflanzen, aus dem Boden gezogen wurden, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes. Besonders betroffen seien Biobetriebe, die kein gebeiztes Saatgut verwenden.
Wie reagieren die Landwirte?
Brudy setzt am betroffenen Maisfeld einen Schreckschussapparat ein. In unregelmäßigen Abständen knallt es laut, damit sollen die Vögel vertrieben werden. Lange hält der Effekt aber nicht vor: „Wir sind mehrmals täglich auf dem Feld“, berichtet Brudy. Andernorts werden Vogelscheuchen, Reflektoren, Drohnen und Flatterbänder eingesetzt. Über Sonderkulturen wie Salat legen Gemüsebauern auch Hagelnetze.
Wie wird im Südwesten reagiert?
Einige Landkreise erleichtern mit befristeten Ausnahmen gebietsweise das Abschießen von Saatkrähen. Ziel ist, mit dem Töten einzelner Vögel ganze Schwärme zu vertreiben. Der Landkreis Ravensburg zum Beispiel hat eine Allgemeinverfügung erlassen, die Vergrämungsabschüsse von Saatkrähen im Zeitraum vom 16. April bis zum 31. Juli in bestimmten Gebieten zulässt. „Diese Maßnahme wurde aufgrund zunehmender erheblicher landwirtschaftlicher Schäden durch Saatkrähen notwendig“, schreibt das Landratsamt in der Pressemitteilung. Die Vögel dürfen nur von „Jagdausübungsberechtigten“ oder Inhabern einer Jagderlaubnis abgeschossen werden, betont das Landratsamt Ravensburg. Betroffene Landwirte sollen es mit einer solchen Ausnahmeregelung leichter haben, da die üblichen Einzelanträge entfallen. Auch mit der Neuerung bleibt der Abschluss der Tiere durch Jagdberechtigte jedoch an strikte Regeln gebunden.
Warum ist der Umgang mit Saatkrähen kompliziert?
Die Saatkrähe gehört in Deutschland zu den besonders geschützten Tierarten. Ausnahmen vom grundsätzlichen Tötungsverbot gibt es nur, um große Schäden in der Landwirtschaft zu verhindern. Die Rabenkrähe kann hingegen grundsätzlich im Zeitraum vom 1. August bis zum 15. Februar bejagt werden.
Was sagt ein Jäger aus Südbaden zum Abschuss?
„Das ist ein Riesenaufwand“, kritisiert Jäger Nils Arnold in Bad Krozingen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald). Die Regeln bleiben demnach kompliziert: Die Tiere müssen für den sogenannten Vergrämungsabschuss tatsächlich auf dem betroffenen Feld sein: „Wenn sie auf eine Wiese oder den Grünstreifen nebenan fliegen, dann darf es keinen Abschuss geben“, berichtet Arnold. Auch müsse ein Schwarm mit mindestens 20 Tieren unterwegs sein. „Es wird gemacht, weil man auf ein gutes Verhältnis zur Landwirtschaft angewiesen ist.“
Wie schätzt der Jäger die Lage an Ort und Stelle ein?
Der Raum Bad Krozingen südlich von Freiburg ist nach Einschätzung von Arnold ein Hotspot-Gebiet für die Saatkrähe, die an ihrem hellen Schnabelansatz gut erkennbar ist. Es gebe sehr viele Tiere. „Die Saatkrähe mag in manchen Bereichen europaweit noch gefährdet sein, aber hier ist es das komplette Gegenteil.“ Arnold spricht sich für eine landesweite Verordnung aus, um das Vorgehen zu regeln. Unlängst habe es auf einem Kürbisfeld der Gegend einen Totalschaden gegeben. Die Tiere seien schlau und agil – und deshalb sei es für eine Jägerin oder einen Jäger schwierig, sich ihnen überhaupt zu nähern, sagt Arnold, der bei den Grünen politisch aktiv ist.
Wie lautet die Kritik an den Ausnahmeregelungen?
Der Naturschutzbund (Nabu) Baden-Württemberg äußert Einwände gegen die Ausnahmeregelungen. Bei der sogenannten Allgemeinverfügung, die häufig Flächen zahlreicher Gemeinden umfasse, könne de facto nicht mehr von einer Einzelprüfung gesprochen werden, sagt der Freiburger Nabu-Vorsitzende Ralf Schmidt. Es gebe durchaus Alternativen zu tödlichen Vergrämungen, etwa Hecken und Büsche am Rande von Feldern. „Das mögen die Saatkrähen nicht.“ Der Abschuss allein werde das Problem nicht lösen, sagt Schmidt. In einer Stellungnahme zur Allgemeinverfügung eines landesweiten Saatkrähenmanagements schreibt Alexandra Ickes vom Nabu Baden-Württemberg an das Umweltministerium: „Der NABU Landesverband Baden-Württemberg lehnt ein solches Management und ein solches Vorgehen ab.“
Bestand der Saatkrähen ist nicht gefährdet
Saatkrähen sehen auf den ersten Blick den Rabenkrähen sehr ähnlich und sind es auch im Verhalten, informiert der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) im Internet. Früher seien Saatkrähen von Landwirten gern gesehen gewesen, da sie die Insekten auf ihren Feldern dezimierten. Heute werde das von Pestiziden erledigt, wodurch die Saatkrähe auf Saatgut und Feldfrüchte ausweiche, sehr zum Unmut der Landwirte. In Deutschland und auch in Baden-Württemberg ist die Saatkrähe nach Informationen des Nabu nicht gefährdet. Der Bestand wird deutschlandweit mit 105.000 Brutpaaren angegeben. Tendenz steigend. Die immer wieder behaupteten oder befürchteten Übervermehrungen finden nach Auskunft des Nabu nachweislich nicht statt. Viele Untersuchungen belegen stabile und konstante Bestände. Jeder Lebensraum könne nur einer begrenzten Zahl von Tieren Quartiere, Brutplätze und Nahrung bieten. Einer Überbevölkerung arbeiteten zahlreiche regulierende Mechanismen innerhalb der Art entgegen.
