Geiselnahme in Ulm: Ein Abend voller Angst und Schrecken

Geiselnahme am Münsterplatz in Ulm: Gegen 20.20 Uhr verließ der Täter mit der letzten Geisel das Café. Die Polizei streckte den Mann mit Schüssen nieder.
Marius Bulling/dpa; Bearbeitung: Scherer- Geiselnahme am 26. Januar 2024 in einem Café am Münsterplatz in Ulm.
- 44-jähriger, traumatisierter Ex-Soldat nahm zwölf Geiseln, ließ diese nach und nach frei.
- Polizei stoppte den Täter mit Schüssen, letzte Geisel unverletzt, jedoch traumatisiert.
- Opfer leiden unter Schlafstörungen, Ängsten und Depressionen; Kritik an Polizei-Einsatz.
- Täter erhielt sechs Jahre Haft und Unterbringung in psychiatrischer Klinik wegen PTBS.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Um 20.20 Uhr verlässt der Geiselnehmer mit seiner letzten Geisel das Café. Er hält der jungen Frau eine Waffe an den Nacken, dann fallen Schüsse – der Mann geht schwer verletzt zu Boden. Die Frau sei unverletzt, aber blutüberströmt in Richtung Polizei gelaufen, wird später ein Zeuge vor Gericht aussagen. Zuvor hatten die Beamten das Areal am Ulmer Münster großflächig abgesperrt. Als die Schüsse fallen, treiben sich trotzdem viele Schaulustige in der Nähe herum – sie rennen los, manche schreien.
Es war das Ende einer Tat, die in Ulm und der Region so schnell nicht in Vergessenheit geraten wird: Ein 44-Jähriger hatte am 26. Januar 2024 mehrere Geiseln in der Starbucks-Filiale am Münster genommen. Nicht, um jemanden zu erpressen, sondern um die Polizei zu einem sogenannten „finalen Rettungsschuss“ zu zwingen. Der Täter war ein traumatisierter Bundeswehrsoldat – zweimal wurde er in Afghanistan stationiert, die Folgen der Einsätze quälten ihn Tag und Nacht. Um seinem Kriegstrauma zu entfliehen, entschied der Mann sich für die Geiselnahme – die wiederum andere Menschen traumatisierte.
In der aktuellen Folge des Kriminalpodcasts „Akte Südwest“ spricht Moderator Moritz Clauß mit der Lokalreporterin Ulrike Schleicher über die Geiselnahme. Die Journalistin hat über den Prozess gegen den Geiselnehmer berichtet und sich mit der Aussage des Täters und den Beschreibungen der Opfer beschäftigt. „Man hat gemerkt, wie sehr sich ihr Leben seitdem verändert hat“, sagt die Journalistin über die ehemaligen Geiseln, die im Prozess schilderten, wie sie in dem Café um ihr Leben fürchteten. „Das war manchmal schwer erträglich.“
Zwölf Menschen befanden sich zu Beginn der Geiselnahme in der Café-Filiale. Nach und nach ließ der 44-jährige Geiselnehmer die Geiseln frei. Bis er mit der letzten von ihnen, der Café-Managerin, den Laden verließ. Vor Gericht zeigte sich, wie schwer die Opfer unter den Folgen der Tat zu leiden hatten: Sie berichteten von Schlafstörungen, Ängsten und Depressionen. Die 32-jährige Café-Managerin kritisierte im Verfahren zudem die Polizei. Alles habe unendlich lange gedauert, sagte die Frau. Der Grund: Die Einsatzkräfte warteten auf ein Spezialeinsatzkommando – und versuchten währenddessen nicht, Kontakt zum Geiselnehmer oder den Geiseln aufzunehmen.
Im Laufe des Verfahrens wurde immer wieder klar, wie viel Fingerspitzengefühl der Fall den Prozessbeteiligten abverlangte. Richter Michael Lang sagte, das Geschehen habe eine „menschliche Tragik auf allen Seiten“. Für die Geiseln, die schwer zu leiden hatten. Aber auch für den Geiselnehmer, den die Schüsse der Polizei auch im Gesicht trafen – er wird sein Leben lang davon gezeichnet sein. Das Gericht verurteilte den Mann zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und ordnete seine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an. Aufgrund einer posttraumatischen Belastungsstörung wurde der Mann als vermindert schuldfähig eingestuft.
Den Kriminalpodcast „Akte Südwest“ gibt es überall, wo es Podcasts gibt.
„Akte Südwest“ bei Spotify, Apple Podcasts und Co.
„Akte Südwest“ erscheint auf allen gängigen Podcast-Plattformen, zum Beispiel bei:
Alle Podcasts der SÜDWEST PRESSE finden Sie unter swp.de/podcasts.
Übrigens: Wahre Verbrechen stehen im Zentrum unserer Themenseite swp.de/crime. Hören Sie dort den Podcast „Akte Südwest“ und lesen Sie Hintergründe zu aktuellen und historischen Fällen in Baden-Württemberg – und vieles mehr.
