Mörder auf der Flucht
: Polizei sucht Schwerverbrecher immer noch - Fußfessel wurde mit Werkzeug durchtrennt

Die Polizei ist weiterhin auf der Suche nach dem verurteilten Mörder, der vor mehr als einer Woche aus einem Gefängnis in Baden-Württemberg geflohen ist.
Von
Uwe Keuerleber,
Jens Schmitz
Bruchsal/Germersheim
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In dieser JVA in Bruchsal saß der Verurteilte ein.

Uwe Anspach

Im Fall des entflohenen Mörders aus dem Gefängnis Bruchsal hat Justizministerin Marion Gentges (CDU) am Mittwoch bei einer Regierungsbefragung im Landtag die meisten Fragen unter Verweis auf laufende Ermittlungen unbeantwortet gelassen. Gentges erläuterte die rechtlichen Bedingungen, vor deren Hintergrund der Gefangene seit dem Jahr 2019 insgesamt sieben begleitete Ausgänge ohne Beanstandung absolviert habe.

Der 43 Jahre alte Kriminelle war am vergangenen Montag (30.10.) während eines bewachten Ausflugs an einen Baggersee in Germersheim (Rheinland-Pfalz) geflohen – er sollte seine Frau und seine Kinder unter Aufsicht zweier JVA-Beamter treffen.

Eigentlich verbüßt der Deutsch-Kasache eine Haftstrafe im Gefängnis Bruchsal. Denn er war im Jahr 2012 vom Landgericht Karlsruhe zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden, weil er einen 44-Jährigen erwürgt hatte. Bereits zwischen 2003 und 2008 saß er wegen Totschlags in einem Gefängnis. Das berichtet die Deutschen Presse-Agentur (DPA).

Das Polizeipräsidium Rheinpfalz fahndete unmittelbar nach Bekanntwerden des Sachverhalts mit einem Großaufgebot von Polizeikräften nach dem 43-Jährigen.

LKA

Wie konnte der Mörder seine Fußfesseln lösen?

Wenig später wurde seine Fußfessel gefunden. „Ich kann aufgrund der Feststellungen an dieser Fußfessel mitteilen, dass sie nach unserer Einschätzung mittels eines Werkzeugs durchtrennt worden ist“, sagte Gentges. Je nach Werkzeug sei das mit allen Fußfesseln möglich. Der Gefangene war zum Zeitpunkt der Landtagssitzung weiterhin flüchtig.

Der Gefangene war zum Zeitpunkt der Landtagssitzung weiterhin flüchtig. Auf die Frage nach möglichen Gefahren für die Bevölkerung sagte Gentges, sie könne nur die Einschätzung der Experten wiedergeben. „Es ist so, dass die Staatsanwaltschaft mitteilt, dass die Taten, die der Gefangene in der Vergangenheit verübt hat und wegen derer er auch verurteilt wurde, jeweils keine Zufallsopfer zum Gegenstand hatten, sondern es vorher Beziehungsverhältnisse gab, weswegen aus diesem Bereich die Gefährdung Unbeteiligter nicht als allzu hoch eingeschätzt wird.“ Fundiertere Auskünfte könne sie aber auch an diesem Punkt aus ermittlungstaktischen Gründen nicht geben, beschied die Ministerin Fragesteller aus den Fraktionen von FDP und SPD. Sie verwies die Abgeordneten auf den geschützteren Rahmen des Ständigen Ausschusses, wo es „auch weitergehende Möglichkeiten zur Information gibt, die ich heute öffentlich nicht machen kann“.

Über 60 Hinweise aus der Bevölkerung

Nach Angaben des Landeskriminalamts in Stuttgart gingen Ermittler zuletzt mehr als 60 Hinweisen nach. Darunter seien auch Aussagen von Zeugen, die den flüchtigen Mörder gesehen haben wollen. Es werde in alle Richtungen und teils auch verdeckt ermittelt, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag mit.

Das LKA unterstütze die für den Fall zuständige Ermittlungsgruppe beim Polizeipräsidium Pforzheim unter anderem mit seiner Zielfahndungseinheit. In der LKA-Einheit arbeiten Experten, die auf schwere und organisierte Kriminalität spezialisiert sind.

Personenbeschreibung des Mörders: So sieht der Flüchtige aus

Der Gesuchte wird wie folgt beschrieben:

  • männlich
  • 1,85 m groß
  • kräftige/sportliche Statur
  • Glatze
  • Er war zuletzt bekleidet mit einem schwarzen T-Shirt, blauen Jeans und grau/roten Sportschuhen.

Zeugen werden gebeten, sich unter der 110 bei der Polizei oder beim Kriminaldauerdienst in Pforzheim, (07231) 186 44 44, zu melden.