Erlebnisbad Rulantica in Rust
: Kind in Freizeitbad missbraucht – Verdächtiger nach Rumänien geflohen?

Ein sechsjähriges Mädchen wird aus dem Freizeitbad Rulantica gelockt und im Wald missbraucht. Nach dem Verdächtigen wird international gefahndet. Was bleibt, ist die Frage: Wie konnte das passieren?
Von
dpa/swp
Rust
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Mädchen aus Freizeitbad Rulantica gelockt und missbraucht: 14.08.2025, Baden-Württemberg, Rust: Der Schriftzug "Rulantica" ist über dem Eingang des gleichnamigen Spaßbads des Europa-Parks zu sehen. Ein mutmaßlicher Täter hatte ein sechsjähriges Mädchen am Wochenende (09./10.08.2025) aus dem Freizeitbad gelockt und sexuell missbraucht. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Am vergangenen Samstag wird ein 6-jähriges Mädchen aus dem Erlebnisbad Rulantica gelockt und von einem Mann sexuell missbraucht.

Philipp von Ditfurth/dpa
  • 6-jähriges Mädchen im Freizeitbad Rulantica in Rust verschwunden und im Wald missbraucht.
  • Das Kind wurde 5 km entfernt entdeckt, traumatisiert, aber äußerlich unverletzt.
  • Polizei sucht international nach 31-jährigem Verdächtigen, der nach Rumänien geflüchtet sein könnte.
  • Haftbefehl wegen sexuellen Missbrauchs erlassen, Verdächtiger durch Videoaufnahmen identifiziert.
  • Europa-Park zeigt sich betroffen, verstärkte Sensibilisierung unter den 700 Mitarbeitenden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

An einem belebten Abend ist ein sechsjähriges Mädchen nach Polizeiangaben aus dem populären Erlebnisbad Rulantica des Europa-Parks in Rust verschwunden, in einen Wald gelockt und sexuell missbraucht worden. Erst zwei Stunden später fand ein Zeuge das hilflose Kind fünf Kilometer entfernt vom Schwimmbad. Es hatte sich in der Dunkelheit in Badekleidung und mit Schlappen alleine durch den Wald gekämpft und war erst im Nachbarort Kappel-Grafenhausen entdeckt worden.

Zuvor soll der nun flüchtige Verdächtige das Kind zu sexuellen Handlungen aufgefordert haben, teilte die Polizei mit. Es gebe bislang keine Anhaltspunkte dafür, dass das Mädchen vergewaltigt worden sei. Ermittler teilten auch mit, dass der Verdächtige bisherigen Erkenntnissen zufolge zu Fuß mit dem Mädchen unterwegs war. Es gebe keine Hinweise darauf, dass er den Weg in den Wald in einem Fahrzeug zurückgelegt habe, sagte ein Polizeisprecher. Es würden dringend Zeugen gesucht, die das Mädchen und den mutmaßlichen Täter am vergangenen Samstag während dieses kilometerlangen Fußmarsches gesehen haben.

Verdächtiger soll sich ins Ausland abgesetzt haben

Nach dem 31-jährigen Rumänen wird international gesucht, er konnte durch Überwachungsvideos des Badbetreibers identifiziert werden. Er soll sich ins Ausland abgesetzt haben – mutmaßlich nach Rumänien. Erfahrungsgemäß tauchten Menschen dort unter, wo sie sich gut auskennen und eine vertraute Umgebung haben, sagte der Polizeisprecher. Man stehe in engem Kontakt mit den Behörden. Es sei aber auch denkbar, dass er direkt in ein anderes Land flüchtete – oder sein Heimatland wieder verlassen habe.

Noch am Abend des Geschehens habe das kleine Mädchen befragt werden können. Es war zuvor von einem Passanten aufgegriffen worden, nachdem der Verdächtige es alleine im Wald zurückgelassen haben soll. Spuren seien sichergestellt worden – welcher Art, wurde nicht mitgeteilt.

Mädchen verliert Eltern aus den Augen

„Wir sind alle sehr betroffen“, sagte ein Sprecher des Europa-Parks. Alle 700 Mitarbeiter im Erlebnisbad Rulantica seien sehr sensibilisiert, was das Thema angehe. Man versuche, dass die Mitarbeiter die Augen offen hätten. „Wir machen alles, was möglich ist“, sagte der Sprecher.

Nach Angaben der Polizei hatte die Sechsjährige am Samstagabend ihre Eltern im Bad aus den Augen verloren. Der Mann habe dem Mädchen seine Hilfe angeboten und sich offenbar sein Vertrauen erschlichen, bevor er es gegen 20.20 Uhr in ein angrenzendes Wäldchen geführt habe. Nach der Tat habe er sein Opfer alleine zurückgelassen, teilte die Polizei mit. Währenddessen suchten die Eltern verzweifelt im Bad nach ihrem Kind.

Das Mädchen sei mit großer Wahrscheinlichkeit traumatisiert, sagte Wolfgang Kramer, Sprecher des Polizeipräsidiums Offenburg. „Man kann sich vorstellen, dass es nach einer so schrecklichen Tat um die Seele eines Kindes mit Sicherheit nicht gut bestellt ist.“ Äußerlich sei es nicht größer verletzt worden.

Haftbefehl gegen Tatverdächtigen

Gegen den gesuchten Mann wurde ein Haftbefehl wegen Verdachts des sexuellen Missbrauchs eines Kindes erlassen. Er soll in der Region wohnen. Am Dienstag wurde den Angaben nach seine Wohnung durchsucht. Dabei stellten die Beamten Kleidungsstücke sicher, die der Mann zum Tatzeitpunkt getragen haben dürfte. Er selbst und sein Reisepass seien nicht gefunden worden, teilte die Polizei mit.

Laut Polizei ist der Mann schon in der Vergangenheit mit dem Gesetz in Konflikt geraten – allerdings nicht wegen Sexualdelikten, sondern weil er gestohlen und sich Leistungen erschlichen haben soll.

Polizei will noch nicht mit Foto nach Verdächtigem fahnden

Die Polizei will vorerst nicht öffentlich mit einem Foto nach dem Verdächtigen fahnden. Dafür fehlten bisher die dazu notwendigen gesicherten Erkenntnisse, sagte ein Polizeisprecher. Man müsse beispielsweise die Ergebnisse der Auswertung von Spuren abwarten.

Das heiße in keiner Weise, dass man die Aussagen der Sechsjährigen in Zweifel ziehe. Bevor man eine Person aber wegen des Verdachts von Kindesmissbrauch mit einem Foto suche, müsse man sich seiner Sache sehr sicher sein. „Wenn ein solches Foto einmal in der Welt ist, lässt sich das nicht mehr zurücknehmen“, sagte der Sprecher.

Keine weitere Befragung des Kindes geplant

Die Sechsjährige wurde noch am Tatabend befragt und schilderte, was ihr widerfahren sei. Eine weitere Befragung sei erstmal nicht vorgesehen. Die Familie sei wieder zu Hause - aus welchem Bundesland oder Land sie kommt, sagte die Polizei nicht. Der Schutz des Kindes müsse im Vordergrund stehen, sagte der Sprecher.

Erst andere Männer im Visier der Ermittler

Bevor die Ermittler dem 31-Jährigen auf die Spur kamen, gingen sie nach eigenen Angaben zunächst Hinweisen auf einen anderen Verdächtigen nach. Dieser sei am Sonntag nicht angetroffen worden und habe erst am Montag kontaktiert werden können. Er habe dann schnell als Täter ausgeschlossen werden können. Weitere Auswertungen des Videomaterials hätten dann zu einem unbeteiligten Zeugen geführt, der den Ermittlern am Dienstag gesicherte Hinweise zur Identität des nun gesuchten 31-Jährigen geben konnte.

Der Wasserpark Rulantica wurde im November 2019 in Rust eröffnet. Der Name ist eine Zusammensetzung aus „Rust“ und „Atlantik“.

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