Dunkle Städte wegen der Energiekrise? Nein, denn im öffentlichen Raum gibt es eine Beleuchtungspflicht. So sollen auch „Angsträume“ vermieden werden. Und auch die Verkehrssicherheit muss gewährleistet sein. Kommunen in Baden-Württemberg lassen sich einiges einfallen, um zu sparen. So wird auch in Bussen die Temperatur teilweise gesenkt.

Mannheim reduziert Beleuchtung

In Mannheim wird laut einer Stadtsprecherin die Beleuchtung nur reduziert. Es sollen keine „Angsträume“ entstehen. In der Stadt seien alle Effektbeleuchtungen abgeschaltet worden. „In schwach frequentierten Straßen findet eine sogenannte Halb-Nacht-Schaltung Anwendung, das heißt dort ist die Beleuchtung von 23.00 bis 6.00 Uhr nicht in Betrieb. Beim Neubau von Radwegen würde abhängig von der Verkehrsbelastung im Einzelfall eine Steuerung per Bewegungssensoren geprüft. „Als Pilotprojekt befindet sich derzeit der Radschnellweg Buga im Bau. Die sukzessive Umstellung auf LED-Beleuchtung wird im Straßenbereich als sinnvoller erachtet als der teurere Einsatz von Bewegungssensoren. Tunnel und Unterführungen müssen aus Verkehrssicherheitsgründen beleuchtet bleiben.“ Das laufende Sanierungsprogramm führe zu einer LED-Quote von rund 40 Prozent im Stadtgebiet.
Die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) beabsichtigt, die Innenraumtemperatur der Busse und Bahnen auf ein Minimum von 15 Grad abzusenken. Dies ist nach Auskunft eines Sprechers aber vom Fahrzeugtyp abhängig, daher kann sie auch höher ausfallen. Zudem ist das automatische Öffnen der Türen nicht mehr vorgesehen.
Dort, wo es technisch ohne viel Aufwand möglich und sinnvoll ist, hat die Freiburger Verkehrs AG (VAG) die Innenraumtemperaturen in ihren Fahrzeugen abgesenkt. „Dies gilt jedoch nicht für die Fahrerarbeitsplätze. Aber auch bei etwas niedrigeren Innenraumtemperaturen wird es bei kühler oder kalter Witterung in den Fahrzeugen immer noch deutlich wärmer sein als draußen“, sagte ein Sprecher. Die zu Beginn der Corona-Pandemie eingeführte Regelung, dass an jeder Haltestelle immer alle Türen geöffnet werden, sei bei der VAG vor einigen Wochen beendet worden.

Heidelberg setzt auf energiesparende LED-Technik

Die Stadt Heidelberg und ihre Stadtwerke haben nach Angaben eines Stadtsprechers Ende 2017 begonnen, die Straßenbeleuchtung im Stadtgebiet auf energiesparende LED-Technik umzustellen. Bis heute seien 80 Prozent der Leuchten schon auf LED-Technik umgerüstet. Bei diesen Leuchten seien 80 Prozent an Energie eingespart worden – in Summe über die gesamte Straßenbeleuchtung also 32 Prozent. „Hinzu kommt, dass die Lichtleistung in der verkehrsarmen Zeit nachts zwischen 22.00 und 6.00 Uhr in vielen Straßen bei der Straßenbeleuchtung bereits seit Längerem auf die Hälfte reduziert wird.“

Licht an: Tübingen beleuchtet zentrale Plätze

In Tübingen ist die Straßenbeleuchtung am Europaplatz, am Zinser-Dreieck und einigen weiteren Bereichen der Tübinger Innenstadt seit ein paar Tagen auch nachts durchgängig eingeschaltet. Die Stadtwerke Tübingen haben dort technisch umgerüstet, wie eine Stadtsprecherin mitteilte. Bis vor Weihnachten soll es die erwünschte nächtliche Beleuchtungssituation in der ganzen Innenstadt geben. „Ziel ist es, ein Konzept mit unterschiedlichen Beleuchtungszeiten für verschiedene Areale im Stadtgebiet zu realisieren. Abschaltungen bei der Straßenbeleuchtung sollen dann perspektivisch nachts zwischen zwei und vier Stunden dauern, während bestimmte definierte Bereiche durchgängig beleuchtet bleiben.“ Bisher galt als Zwischenlösung eine komplette Abschaltung im gesamten Stadtgebiet in den Nächten von Sonntag bis Donnerstag zwischen 1.00 Uhr und 5.00 Uhr. In den sogenannten Ausgeh-Nächten (Donnerstag bis Sonntag) blieb die Beleuchtung komplett eingeschaltet.
Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer beschwerte sich in einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) über das Landesverkehrsministerium. Hintergrund ist die stundenweise Abschaltung der Straßenlaternen. Die Universitätsstadt habe vom Tübinger Regierungspräsidium ein Schreiben erhalten, teilte Palmer in dem Schreiben mit. Aus Verkehrssicherheitsgründen dürfe die Beleuchtung an Zebrastreifen nachts nicht abgeschaltet werden, heißt es dort. Ausnahmen seien nicht vorgesehen.
Die 11.000 Lichter in Tübingen sind laut Palmer in Gruppen zu je 100 Straßenlaternen zusammengeschaltet. Nur jene an Zebrastreifen anzuschalten, ginge technisch nicht. „Ich bin gerne bereit, die Verantwortung für nächtlich unbeleuchtete Zebrastreifen zu übernehmen, weil ich weiß, dass das reale Risiko dieser Entscheidung gegen null geht und die Menschen genug Eigenverantwortung tragen können, um sich nachts umzusehen, bevor sie über die Straße gehen“, schrieb Palmer.

Ulm: Straßenbeleuchtung nachts teilweise ausgeschaltet

In Ulm wurde die Temperatur in den Bus- und Straßenbahnfahrzeugen von 21 Grad auf 19 Grad gesenkt, wie ein Sprecher der Stadtwerke SWU Ulm/Neu-Ulm mitteilte. Die Türen öffneten nicht mehr automatisch. Bei der Beleuchtung wurde die Fassadenbeleuchtung laut einer Ulmer Stadtsprecherin abgestellt. „Die Bodenstrahler und bodennahen Lampen bleiben aber an, damit ein Unsicherheitsgefühl durch dunkle Bereiche gar nicht erst entsteht.“ Die Straßenbeleuchtung werde „halbnächtig“ abgestellt. In einigen Fußgänger- und Radunterführungen sind Bewegungsmelder im Einsatz. Bei Neubauten werden sie laut der Stadtsprecherin sofort mit eingebaut, bei bestehenden Unterführungen werden sie bei Sanierungen nachgerüstet.

Konstanz: So spart die Stadt am Bodensee Energie

In Konstanz wird laut einem Sprecher der Stadt gerade diskutiert, wie man mit der Straßenbeleuchtung umgehen soll. Sollte es zu einem Abschalten kommen, würde es voraussichtlich Pilotbereiche geben, in denen man das ausprobiert. Die Idee sei, die Beleuchtung in den Nachtstunden zwischen 0.00 und 5.00 Uhr abzuschalten. Dies würde bis zu 20 Prozent Energie einsparen. In Teilen sei eine reduzierte Beleuchtung schon realisiert. Große Bereiche der Stadt seien schon auf LED-Technik umgerüstet.
Bei den dieselbetriebenen Bussen in Konstanz ist es laut dem Stadtsprecher nicht sinnvoll, die Temperatur herunterzuregeln. Die Fahrzeugbetriebstemperatur betrage 85 Grad. Dadurch ergebe sich eine Innenraumtemperatur von maximal 23 Grad, die auch nicht höher geregelt werden könne. Die Fahrerkabine könne separat geregelt werden.