Dobrindt will auf Kriegsgefahr vorbereiten: Schülervertreter offen für Krisen-Unterricht

„Ich fühle mich sicherer, wenn ich weiß, was ich zu tun habe“, sagt der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Quentin Gärtner.
Philipp von Ditfurth/dpa- Bundesinnenminister Dobrindt schlägt Krisenvorsorge-Unterricht mit älteren Schülern vor.
- Bundesschülerkonferenz unterstützt Idee, fordert jedoch ein sensibles, pädagogisches Konzept.
- Kritik: Gefahr von Panikmache, junge Menschen in Debatten zu wenig einbezogen.
- Gemischte Reaktionen im Bundestag: Zustimmung, Warnung vor Ängsten und Vorwürfe der Kriegstreiberei.
- Dobrindt kündigt neues Schutzkonzept an: Warnsysteme, Schutzräume und Notvorräte.
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Der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Quentin Gärtner, unterstützt grundsätzlich die Idee, Schülerinnen und Schüler auf mögliche Krisen- oder Kriegsfälle vorzubereiten. „Ich fühle mich sicherer, wenn ich weiß, was ich zu tun habe“, sagte er im ZDF-„Morgenmagazin“. Er betonte jedoch, dass es dafür ein sensibles und pädagogisch fundiertes Konzept brauche – etwa mit Unterstützung von Schulpsychologen und Sozialarbeitern. Eine einfache Doppelstunde reiche vermutlich nicht aus.
Hintergrund ist ein Vorstoß von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), der vorgeschlagen hatte, ältere Schülerinnen und Schüler jährlich in einer Doppelstunde über mögliche Krisenszenarien und auch einen möglichen Kriegsfall vorzubereiten. Der Vorschlag hatte sowohl Zustimmung als auch Kritik ausgelöst.
Junge Menschen würden kaum gehört
Gärtner warnte vor der Gefahr, Ängste auszulösen - insbesondere bei traumatisierten Kindern. Gleichzeitig könne gute Vorbereitung langfristig Ängste mindern. Kritik äußerte er daran, dass junge Menschen in sicherheitspolitischen Debatten kaum gehört würden. „Wir können keine Politik machen, die auf junge Menschen angewiesen ist, ohne mit ihnen zu sprechen“, sagte Gärtner mit Blick auf Themen wie Wehrdienst oder Zivilschutz. Entscheidungen müssten gemeinsam mit der jungen Generation getroffen werden.
Dobrindt hatte angekündigt, bei der bevorstehenden Innenministerkonferenz im November mit seinen Länderkollegen anzuregen, „das Thema Krisenvorsorge in den Schulalltag einzubinden“. Konkret schlug er vor, „dass in einem Schuljahr in einer Doppelstunde mit älteren Schülern darüber diskutiert wird, welche Bedrohungsszenarien es geben kann und wie man sich darauf vorbereitet“. Kinder seien „wichtige Wissensträger“ in die Familien hinein, sagte er.
Sein Vorschlag stieß im Bundestag auf ein gemischtes Echo. „Hier sollen ganz offensichtlich Ängste geschürt werden“, sagte die stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Nicole Gohlke. „Ich halte diese Panikmache gerade bei Kindern und Jugendlichen für nicht hinnehmbar“, kritisierte sie. Die AfD warf dem Minister Kriegstreiberei vor. „Es wäre eine unangebrachte Verharmlosung, in all dem nur einen völlig übersteuerten Alarmismus zu sehen“, sagte der Innenpolitiker Gottfried Curio.
Die Grünen äußerten Verständnis für Dobrindt. „Jungen Menschen in der Schule aufzuzeigen, wie sie sich und anderen in Krisensituationen helfen können, begrüßen wir“, sagte der Innenpolitiker Leon Eckert.
Dobrindt kündigt neues Schutzkonzept an
Dobrindt kündigte ein neues, weiter gefasstes Schutzkonzept an. „Das Ziel ist: Vorsorge statt Verunsicherung.“ Es gehe um funktionierende Warnsysteme und Schutzräume. Das könnten öffentliche Gebäude wie Tiefgaragen oder Keller eines Wohnhauses sein. Zudem müsse die Versorgung im Krisenfall mit lebensnotwendigen Gütern sichergestellt sein.
Der Innenminister sagte, es könne nicht schaden, wenn jeder zu Hause einen Notvorrat für den Krisenfall anlegt. „Man muss kein Prepper sein, um zu verstehen, dass ein paar Tage Vorrat, eine Taschenlampe, Batterien oder ein Kurbelradio vernünftige Vorsorge sind“, sagte er.

