Die SWP-Redaktion empfiehlt: Neuanfang im Tiny House – und weitere Geschichten der Woche

Die Geschichten der Woche vom 17.11.23.
Lars Schwerdtfeger, Matthias Kessler und Alfred WiedemannEin Mann ruft am Ostermontag bei der Ulmer Polizei an und schreit „Mord, Mord, Mord“ ins Telefon. Doch er hat keinen Mord beobachtet, sondern mutmaßlich seine eigene Tochter erstochen. Er hatte ihr vorgeschlagen, auf einem Spielplatz Indianer zu spielen, das haben die Ermittlungen ergeben. Dafür band er ihr die Hände auf dem Rücken zusammen, die Siebenjährige vertraute ihm blind. Dann schnitt er ihr offenbar die Kehle durch.
Am Dienstag hat der Mordprozess vor dem Ulmer Landgericht begonnen. Schon am ersten Prozesstag ist klar geworden, dass der Angeklagte psychisch krank ist und wohl aus religiösem Wahn handelte. Am Freitag ging der Prozess weiter, der psychiatrische Gutachter sagte aus. Der Verdächtige habe sich auch nach mehrmonatiger Behandlung in der Psychiatrie nicht eindeutig von der Tat distanziert. „Er denkt, der Teufel hat die Überhand gewonnen„, sagt der Gutachter Peter Winckler. Er ist sich sicher, dass der Angeklagte noch lange eine Gefahr für andere darstellt, sofern er nicht inhaftiert ist. Dementsprechend forderten Anklage und Verteidigung in ihren Plädoyers am Nachmittag die gleiche Strafe.

Der Angeklagte wird in den Gerichtssaal geführt.
Matthias KesslerBarbara Sissoko wünscht sich schon lange ein Tiny House. In knapp vier Wochen ist es endlich soweit. Die Rentnerin kann in eine neue Tiny-House-Siedlung in Burgrieden-Rot [als kostenfreie Leseprobe für Sie freigeschaltet] einziehen. Sie möchte nachhaltiger, bescheidener, und umweltbewusster leben. Beratungen, Planungen, Anträge und Genehmigungen dauerten mehr als drei Jahre. Um nicht noch länger warten zu müssen, ließ Sissoko das Haus im Sommer umplanen. Eigentlich sollte das Schlafzimmer oben im ersten Stock liegen, doch dafür gelten andere Bauvorschriften als für einstöckige Häuser. Wäre es mit der Treppe im Alter nicht ohnehin schwierig geworden? Sissoko ist noch „fit und gelenkig“, doch „ich freue mich, dass ich bald einziehen kann“.

Arbeit an einem der Modulhäuser für das Tiny-Haus-Quartier in Burgrieden-Rot entseht. Vier Wochen brauchen die Fachfrauen und Fachmänner, dann kann das Holzhaus aufgestellt werden.
Alfred WiedemannMitte September wurden weitere Straßen in der Ulmer Innenstadt als Fußgängerzone ausgewiesen. Schon nach wenigen Wochen klagten einige Anwohner, dass sie nicht mehr kurz vor der Haustür halten dürfen, um auszuladen. Oder sie wurden von Fußgängern angepöbelt. Nun lenkt die Stadt offenbar doch ein: Anwohner sollen bald wieder durch die Fußgängerzone fahren dürfen. Doch die geplante Änderung hat mehrere Haken: Aus rechtlichen Gründen muss sie für alle Anwohner der gesamten Fußgängerzone gelten, nicht nur für jene, die an den kürzlich umgewidmeten Straßen wohnen. Und wo ist der Unterschied zwischen kurz halten und unerlaubt parken? Das Thema wird die Stadt sicher noch länger beschäftigen.
