Winfried Kretschmann liebt Fußball. Seit Kindestagen ist der Ministerpräsident von Baden-Württemberg Fan des VfB Stuttgart. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum er eine Sport-Metapher verwendete, um den Corona-Stand zu beschreiben.
„Wir liegen in der Mitte der ersten Halbzeit – gegen einen übermächtigen Gegner, der dazu auch noch unsichtbar ist“, sagte Kretschmann am Donnerstag beim Corona-Gipfel in Ulm. „Wenn wir jetzt nachlässig werden, kann die Pandemie mit voller Wucht zurückkommen.“
Kontrollierte Lockerungen. Das ist das Credo in Baden-Württemberg. Behutsam wird das öffentliche Leben hochgefahren. Viele Verbote bleiben weiterhin intakt. So ist der aktuelle Stand.

Schulen in Baden-Württemberg: Strenge Hygiene-Regeln

Das Warten der Eltern ist bald vorbei. Ab dem 4. Mai startet der Schulbetrieb in Baden-Württemberg. Aber nur in stark eingeschränkter Form. Nur Schüler, die 2020 Abschlussarbeiten schreiben, dürfen in die Schule kommen. Zudem gelten strikte Corona-Regeln.
  • 1,5 Meter Abstand zwischen den Schülern
  • Deutlich weniger Schüler pro Raum als normal
  • Keine Gruppenarbeiten
  • Maskenpflicht, wenn körperliche Nähe notwendig ist
  • Kein praktischer Sportunterricht, außer für die Vorbereitung des Sportabiturs
  • Kein Pausen- oder Kisoskverkauf.
Schüler, die keine Abschlussprüfung schreiben, müssen weiter zuhause bleiben. Das Kultusministerium, plant die Rückkehr stufenweise. Als nächstes sind die Viertklässler an der Reihe. Wann? Diese Entscheidung stehe noch aus, schreibt das Kultusministerium.

Gottesdienste: Ministerpräsident Kretschmann gibt grünes Licht

Winfried Kretschmann wurde ungewöhnlich konkret. „Wir können sicher zusagen, dass wir in 14 Tagen eine Öffnung machen werden“, sagte der Regierungschef am Dienstag. Gottesdienste sind damit in der zweiten Mai-Woche möglich. Voraussichtlich. Die Landesregierung erörtert noch mit den Kirchen, wie Gottesdienste in Corona-Zeiten aussehen sollen.
Für Kretschmann ist klar: Es muss Einschränkungen geben. Gottesdienste seien „ein besonders problematischer Bereich.“ Sehr viele ältere Menschen gingen in die Kirchen, und die Gläubigen seien lange zusammen.

Demonstrationen: Verfassungsgericht rügt Stuttgart

Das Machtwort kam aus Karlsruhe. Das Bundesverfassungsgericht bewilligte einen Eil-Antrag eines Aktivisten, der gegen ein Demonstrationsverbot der Stadt Stuttgart vorgegangen war. Die Behörden hatten die Demonstration abgelehnt, auf die Corona-Verordnung verwiesen. Zu unrecht, wie das Gericht entschied. „Eine Verfassungsbeschwerde wäre nach gegenwärtigem Stand offensichtlich begründet“, hieß in dem Beschluss der Richter.
Das Urteil, ein Präzedenzfall. In vielen Städten – darunter Freiburg – wurde in dieser Woche wieder protestiert. „Alle haben das Recht, öffentliche Versammlungen und Aufzüge zu veranstalten und daran teilzunehmen“, schreibt das Innenministerium. Allerdings müssten Veranstalter „weitreichenden Auflagen zur Sicherstellung des Infektionsschutzes rechnen.“
Diese Auflagen bekam die Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ am Freitag in Stuttgart zu spüren. Mehrere Aktivsten wurden angezeigt. Grund: Sie sollen in Gruppen mit mehr als zwei Leuten unterwegs gewesen sein.

Gastronomie: CDU stellt 300 Millionen Euro in Aussicht

Ein Hoffnungsschimmer. Nicht mehr, nicht weniger. Gastronomie und Hotels sollten eine Perspektive für die Zeit nach dem 4. Mai bekommen, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Wie genau diese Perspektive aussehen soll, ließ es offen.
Dabei brauchen gerade die Gastronomen und Hoteliers eine klare Perspektive. Sie leiden wie kaum eine andere Branche. Die Hotels haben vielerorts geschlossen, die Gastronomen können lediglich Speisen zum Mitnehmen anbieten. Die Betreiber fürchten um das Geschäft – und letztlich um ihr finanzielles Überleben. Die Antwort der Politiker: Geld. Die Landtagsfraktion der CDU ist laut einem Bericht der Stuttgarter Zeitung dafür, rund 300 Millionen Euro Soforthilfe für die baden-württembergische Gastro- und Hotelbranche aus dem Corona-Topf des Landes bereitzustellen.

Geschäfte: Die Riesen dürfen wieder öffnen

Die Big Player öffnen früh. Früher als der Landesregierung lieb war. Der Textilfabrikant Wöhrl klagte – und bekam Recht. Größere Geschäfte dürfen künftig wieder öffnen, wenn sie ihre Verkaufsfläche auf 800 Quadratmeter begrenzen. Das Verwaltungsgericht Sigmaringen hatte geurteilt, die Politik reagierte. Die entsprechende Regelung werde so schnell wie möglich geändert, teilte Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut mit.

Weitere Corona-Lockerungen in Bayern und Baden-Württemberg?

Am 30. April wird sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten am Telefon zum weiteren Vorgehen austauschen. Mit Blick auf dieses Telefonat glaubt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zumindest aber noch nicht an weitergehende Lockerungen und mahnt zu einem vorsichtigen Voranschreiten in dieser Frage.