Bombenfund in Ulm
: Brände und kaputte Scheiben – Welche Schäden eine Sprengung angerichtet hätte

HintergrundDie Fliegerbombe von Ulm wurde entschärft. Sonst wäre nur die kontrollierte Sprengung geblieben. Zwei Beispiele zeigen, welche Schäden das anrichten kann – und was Ulm erspart blieb.
Von
Roland Müller
Ulm
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ARCHIV - Blick auf die Sprengung einer Fliegerbombe in München. Nach erfolglosen Entschärfungsversuchen ist am 28.08.2012 eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg im Zentrum von München (Bayern) kontrolliert gesprengt worden. Die 250 Kilogramm schwere Bombe wurde von einem Sprengkommando gegen 21.53 Uhr mit angebrachtem Sprengstoff unschädlich gemacht. Foto: Johannes Grimm/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Blick auf die Sprengung einer Fliegerbombe in München. Die Explosion einer 250-Kilogramm-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg richtete im August 2012 in Schwabing enorme Schäden an. Dieses Szenario ist Ulm am Montagabend erspart geblieben.

Johannes Grimm/dpa
  • Eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg wurde in Ulm entschärft, was große Schäden verhinderte.
  • 2012 verursachten ähnliche Bomben in München und Viersen immense Schäden durch kontrollierte Sprengungen.
  • In München entstanden Schäden von drei bis vier Millionen Euro, in Viersen wurden ganze Straßenzüge verwüstet.
  • Die erfolgreiche Entschärfung in Ulm ersparte der Stadt ähnliche Zerstörungen.
  • Die Expertise der Entschärfer verhinderte größere Katastrophen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Am Ende hat das Fingerspitzengefühl der Experten doch gesiegt – und die Entschärfung der Weltkriegsbombe in der Ulmer Innenstadt gelang. Insgesamt 40 Minuten dauerte das; das Gewinde habe „total zerstört“ werden müssen, berichteten die Entschärfer gegen 1 Uhr nachts nach vollbrachter Arbeit unserem Reporter vor Ort. Und: „Das war keine Party.“ Lange Zeit war am Montagabend unklar gewesen, ob die 250-Kilo-Bombe US-amerikanischer Bauart wirklich entschärft werden kann – oder ob man sie sprengen muss.

Doch wie schlimm wäre die Alternative „Sprengung“ gewesen? Dieses Gedankenspiel führt unweigerlich zurück ins Jahr 2012. Damals war ebenfalls eine 250-Kilogramm-Bombe aus den USA gefunden worden – und zwar in München. Und die hatte es in sich: 24 Stunden lang herrschte Ausnahmezustand im Stadtteil Schwabing, rund 2500 Menschen mussten (ebenso wie am Montag in Ulm) im Umkreis von 300 Metern ihre Häuser verlassen.

Brennendes Stroh setzte Hausdächer in Brand

Hier enden allerdings die Gemeinsamkeiten. Denn in München scheiterten alle Bemühungen, die Bombe zu entschärfen. Gegen 22 Uhr am 28. August 2012 sprengten deshalb Spezialisten den Blindgänger „kontrolliert“, wie es damals hieß. In einem Radius von einem Kilometer durften die Schwabinger nicht ihre Häuser verlassen und hatten Anweisung, sich nicht den Fenstern zu nähern. Nicht ohne Grund: Was für die Experten „kontrolliert“ war, richtete in der Umgebung in München riesige Schäden an.

Videos der flammenden Detonation gingen durch alle Medien, Dachstühle von Häusern fingen Feuer, hunderte Fensterscheiben zerbarsten, ein Ladengeschäft brannte komplett aus. Nach Schätzung der Versicherungskammer Bayern kamen Schäden im Wert von drei bis vier Millionen Euro zusammen – durch Risse in Mauern und Wänden, statische Schäden, verrußte Fassaden sowie kaputte Fenster und Türen. Im Nachhinein kam auch Kritik an dem Vorgehen auf – so war etwa Stroh als Dämmmaterial genutzt worden, um die Druckwelle abzumindern, doch das entzündete Material flog nach der Explosion im weiten Umkreis herum und setzte Dächer in Brand. Doch der damalige Bürgermeister Christian Ude (SPD) verteidigte die Arbeit der Experten: „Ich denke, dass die Vorgehensweise absolut fehlerfrei war. Man hätte auf keinen Fall länger warten können“, sagte er.

In NRW wurde ein ganzer Straßenzug verwüstet

Ebenfalls im Jahr 2012 richtete eine Weltkriegsbombe im nordrhein-westfälischen Viersen schwerste Schäden an. Da es sich in der Stadt am Niederrhein sogar um eine 500 Kilogramm schwere Fliegerbombe handelte, mussten sogar 10.000 Menschen im September 2012 ihre Häuser verlassen; der evakuierte Bereich betrug 500 Meter. Weil es sich um einen besonders tückischen Säurezünder handelte, half am Ende auch hier nur die Sprengung.

Beschädigte Hauswände werden nach der kontrollierten Sprengung einer Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg am 17.09.2012 in Viersen von Scheinwerfern beleuchtet. Bei Bauarbeiten wurde eine britische Bombe mit Säurezünder entdeckt, die nicht entschärft werden kann, sondern kontrolliert gesprengt werden mußte. Foto: Jonas Güttler dpa/lnw ++ +++ dpa-Bildfunk +++

Beschädigte Hauswände nach der kontrollierten Sprengung einer Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg am 17.09.2012 in Viersen (NRW). Bei Bauarbeiten wurde eine britische Bombe mit Säurezünder entdeckt, die nicht entschärft werden konnte, sondern kontrolliert gesprengt werden musste.

Jonas Güttler/ dpa

Diese hinterließ in der Innenstadt aber ein Bild der Verwüstung. In der Fußgängerzone von Viersen wurden Läden so stark beschädigt, dass einzelne Teile abgerissen werden mussten. Die Detonationswelle von 125 Kilogramm Sprengstoff ließ Fensterscheiben bersten, räumte Dachziegel ab und zog Häuserfassaden in Mitleidenschaft. Die Fassaden der umliegenden Häuser waren voller Dreck, die Straßen mit Erde bedeckt. Strohballen wurden auch in Viersen genutzt, um die Detonation zu bremsen, doch wurde das Stroh zusätzlich mit Sand bedeckt.

Alles in allem kann man also sagen: Den Anwohnern und Helfern in Ulm ist einiges erspart worden – durch das Geschick der Entschärfer.

Mit Material von dpa.