Umfrage „BaWü-Check“: Fast 60 Prozent halten Lokalzeitungen für vertrauenswürdig

In den Kommunen können Bürger vieles mitgestalten. Doch es braucht Zeit und Kraft, um komplexe Themen zu durchdringen.
Foto: Volkmar KönnekeDie Stimmung im Land ist verhalten. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung der Tageszeitungen in Baden-Württemberg hervor, dem BaWü-Check. Nur 30 Prozent der Befragten blicken zuversichtlich in die Zukunft: die Jüngeren jedoch deutlich mehr als die Älteren. So sehen 41 Prozent der 18- bis 29-Jährigen, sowie 44 Prozent der 30- bis 33-Jährigen mit Hoffnungen in die Zukunft, bei den ab 45- bis 59-Jährigen sind das lediglich 25 Prozent. Ab 60 Jahren nehmen Skepsis und Befürchtungen noch einmal deutlich zu.
Das wirkt sich möglicherweise auch auf die am 9. Juni anstehenden Wahlen aus, den Kommunalwahlen und der Wahl des Europaparlaments. Doch immerhin sind aktuell 62 Prozent der baden-württembergischen Bevölkerung fest entschlossen, an der Abstimmung teilzunehmen. Das würde zu einer etwas höheren Wahlbeteiligung führen als noch vor fünf Jahren (59 Prozent).
Jüngere sind optimistischer als Ältere
Es sind die Einstellungen der Kandidaten zu konkreten Themen, die die Wahl auf Kommunalebene beeinflussen, weniger die Arbeit der Parteien im Bund. Das heißt aber nicht, dass aus Berlin kein Gegen- oder Rückenwind für die Bewerber vor Ort kommen wird. Angesichts der Unzufriedenheit mit der Ampel-Koalition ist davon auszugehen, dass CDU-Kandidaten im Land die beste Ausgangsposition haben. In der Umfrage unter Bürgern, die ganz bestimmt zur Wahl gehen wollen, rangieren die Christdemokraten bei 38 Prozent, gefolgt von den Grünen (34 Prozent), der SPD (26), der AfD (18), Freie Wähler (20) und FDP (16).

Grafik Meschkowski
Quelle: ALLENSBACH INSTITUT
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Quelle: ALLENSBACH INSTITUTAuf Interesse der Befragten stoßen in erster Linie konkrete Herausforderungen vor Ort: Dazu gehören der Wohnungsbau, die Versorgung der Bevölkerung mit Ärzten, eine bessere Bewältigung der Flüchtlingssituation, der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, die Sanierung von Straßen, der Ausbau der Kinderbetreuung und die Bekämpfung des Lehrermangels.
Rückenwind aus Berlin für die CDU
Die Gewichtung der Themen hängt stark von der persönlichen Betroffenheit ab und dem Lebensmittelpunkt. Während in Städten das Thema Wohnungsnot dominiert, sind Menschen auf dem Land stark interessiert am Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Übrigens: Auch beim Thema Kriminalitätsbekämpfung zeigt sich ein Stadt-Land-Gefälle. Während 36 Prozent der Befragten in Großstädten diesem Thema eine große Bedeutung zusprechen, gilt das nur für 12 Prozent der Menschen auf dem Land.

Grafik Meschkowski
Quelle: ALLENSBACH INSTITUT
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Quelle: ALLENSBACH INSTITUTEine eigenwillige Spaltung zeigt sich in der Bewertung von Kommunalpolitik. Während 56 Prozent der Befragten es würdigen, dass sich andere für die Gemeinde engagieren, scheinen viele Befragte mit den Gewählten vor Ort aber weniger zufrieden zu sein. Da wird über „Wichtigtuer“ (33 Prozent der Befragten) geklagt und darüber, dass viele scheinbar „nur eigene Interessen“ verfolgen würden (31 Prozent). Je uninteressierter Menschen an Kommunalpolitik sind, desto härter ist das Urteil über die Mandatsträger.
Stadt und Land plagen unterschiedliche Sorgen
Ist es der fehlenden Wertschätzung geschuldet oder dem Einsatz von Kraft und Zeit, der mit einem Wahlamt verbunden ist, dass sich vergleichsweise wenig Menschen überhaupt zur Wahl stellen? Nur 9 Prozent aller Befragten haben schon einmal konkret darüber nachgedacht, ob sie sich kommunalpolitisch engagieren wollen, für 13 Prozent käme diese Option grundsätzlich infrage. Dabei ist der Kreis der Männer, die schon einmal über eine Kandidatur nachgedacht haben, doppelt so groß wie der der Frauen. Was die Not der Parteien erklärt, geeignete Kandidatinnen für ihre Wahllisten zu gewinnen.
Für die Vermittlung von Kommunalpolitik ist übrigens die Tageszeitung von unverzichtbarer Bedeutung, auch das ergab die Umfrage. 58 Prozent informieren sich über regionale Zeitungen, was im Gemeinde- oder Stadtrat beschlossen wurde. Kommunalpolitisch stark interessierte Menschen nutzen regionale Medien als Informationsquelle noch häufiger: zu 70 Prozent.
Regionale Tageszeitungen als wichtige Quelle
49 Prozent nutzen auch die Amts- und Mitteilungsblätter der Gemeinden. Anzeigenblätter und soziale Netzwerke spielen bei diesem Thema eine weit kleinere Rolle. Das liegt auch an der hohen Glaubwürdigkeit, die den beiden erstgenannten von den Befragten zugesprochen wird: 59 Prozent der Befragten sprechen Tageszeitungen eine hohe Glaubwürdigkeit zu, 58 Prozent auch Amts- und Mitteilungsblättern. Unter den tatsächlichen Lesern dieser Medien ist das Zutrauen sogar noch größer. 80 Prozent der Zeitungsleser sprechen ihrer Tageszeitung eine hohe Glaubwürdigkeit zu, 83 Prozent der Nutzer von Amts- und Mitteilungsblättern. Im Vergleich dazu vertrauen nur 33 Prozent der Befragten Anzeigen- und Wochenblätter, 25 Prozent Radiosendern. Soziale Netzwerke rangieren mit 18 Prozent deutlich abgeschlagen.
Mehr als 1000 Menschen befragt
Sehen Sie den kommenden 12 Monaten mit Hoffnung oder Befürchtungen entgegen? Werden Sie bei der Kommunalwahl wählen gehen? Was spielt für Ihre Wahlentscheidung eine Rolle? Wo informieren Sie sich, wenn es um das Geschehen in Ihrer Umgebung geht? Das wollten die Tageszeitungen in Baden-Württemberg in ihrer Umfrage, dem BaWü-Check, wissen. Das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) befragt viermal im Jahr rund 1000 zufällig ausgewählte Bürger ab 18 Jahren. Der Zeitraum für die Online-Befragung war vom 12. bis 20. März. Die gedruckten Tageszeitungen im Südwesten erreichen jeden Tag mehr als fünf Millionen Menschen, hinzu kommen die Leserinnen und Leser auf den reichweitenstarken Online-Portalen.
