Der Ansturm auf das Neun-Euro-Ticket ist groß: Vor dem Start am Mittwoch wurden schon rund sieben Millionen Stück verkauft - die Verkehrsunternehmen rechnen mit insgesamt 30 Millionen für Einmal- und für Abokunden. Mit dem sehr günstigen Ticket für den Nahverkehr will die Bundesregierung die Menschen wegen der hohen Energiepreise entlasten. Hier gibt es alle Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die günstige Fahrkarte.

Ab wann gilt das 9-Euro-Ticket?

Das Ticket gibt in den Sommermonaten Juni, Juli und August, es gilt jeweils einen Monat lang. Wer also die gesamten drei Monate mit Bus und Bahn unterwegs sein will, muss mit Kosten in Höhe von 27 Euro rechnen. Der Ulmer Verkehrsverbund Ding bietet seinen Fahrgästen sogar einen vierten Monat für nur neun Euro, sofern diese ein Abo abschließen.

Wo kann man es in Baden-Württemberg kaufen?

Das Ticket ist bundesweit erhältlich, sowohl online als auch klassisch an Fahrkartenautomaten. Der Verkauf erfolgt aber auch über die regionalen Verkehrsverbünde.

In welchen Zügen und Bussen gilt das Ticket?

Wer ein 9-Euro-Ticket kauft, kann damit bundesweit den Nahverkehr benutzen, also Busse, U-Bahnen, S-Bahnen und Regionalzüge (RB, RE, IRE, MEX). Im Fernverkehr der Deutschen Bahn (IC, EC und ICE) ist das Ticket dagegen nicht gültig.

Profitieren auch Inhaber von Jahres- oder Monatskarten?

Auch Inhaber von Jahres- oder Monatskarten sowie Studierende, die ein Semesterticket gekauft haben, sollen die Entlastung bekommen. Wie das konkret funktioniert, entscheidet der zuständige Verkehrsverbund. Wer sein Ticket monatlich bezahlt, wird in den meisten Fällen im Juni, Juli und August nur neun Euro abgebucht bekommen. Wer sein Ticket bereits im Voraus bezahlt hat, also etwa bei Jahreskarten oder Semestertickets, soll eine Erstattung bekommen. Über das genaue Verfahren informieren die Verkehrsverbünde ihre Kunden.

Reichen die Kapazitäten aus oder drohen überfüllte Busse und Züge?

Der Fahrgastverband Pro Bahn geht davon aus, dass es durch das 9-Euro-Ticket einen starken Anstrum auf den Nahverkehr geben wird und es auch zu überfüllten Bussen und Bahnen kommen wird. „Dort wo das Angebot gut ist, sind die Züge jetzt schon voll und werden durch das 9-Euro-Ticket noch voller werden“, sagt Stefan Buhl, Landesvorsitzender des Verbands. Das betreffe vor allem touristische Strecken, wie etwa im Schwarzwald oder am Bodensee. „Die sind bei gutem Wetter schon jetzt sehr gut genutzt“, sagt Buhl. Er fürchtet, dass die Idee des günstigen Fahrscheins, nämlich den Menschen Bus und Bahn schmackhaft zu machen, auch nach hinten losgehen könnte: „Wenn man versucht Menschen anzulocken und die werden dann aus übervollen Zügen herausgeworfen, ist das nicht hilfreich und wird die Menschen nicht vom ÖPNV überzeugen.“ Zudem sei das vergünstigte Ticket keine nachhaltige Lösung. „Wenn man schon Milliarden investieren will, sollte man das Geld lieber in den Ausbau der Infrastruktur stecken. Das würde auf Dauer wirken und nicht nur für ein Vierteljahr“, sagt Buhl.

Planen die Verkehrsunternehmen die Kapaziäten zu erhöhen?

Beim Bodensee-Verbund „bodo“ rechnet man ebenfalls mit einer starken Nachfrage, vor allem auf der Bodenseegürtelbahn zwischen Lindau und Radolfzell, sowie auf der Südbahn zwischen Ulm und Friedrichshafen. Verfügbare Fahrzeugreserven würden möglichst zielgenau eingesetzt, heißt es. „Dennoch wird es nicht möglich sein, zu allen nachfragestarken Zeiten zusätzliche Kapazitäten anzubieten.“ Das sieht auch „Pro Bahn“-Landeschef Stefan Buhl so. „Man kann die Kapazitäten gar nicht einfach vergrößern“, sagt er. Vielerorts seien die Bahnsteige so kurz, dass zusätzliche Wagen gar keinen Platz hätten, zudem fehlten zusätzliche Züge. „Und falls die da wären, fehlen die zusätzlichen Lokführer“, erklärt Buhl.
Der Präsident des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Ingo Wortmann, versicherte: „Wir werden alles auf die Straßen und Schienen bringen, was fahren kann, um die Fahrgäste bestmöglich zu befördern.“ Die Branche wolle möglichst viele Kundinnen und Kunden von der Leistungsfähigkeit des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) überzeugen. VDV-Geschäftsführer Oliver Wolff rief angesichts des erwarteten Ansturms vor allem in Ferienregionen zu „ein wenig Gelassenheit“ auf. Auch bei einem großen Konzert stünden die Menschen „dicht gedrängt“.

Auf welchen Strecken macht der Umstieg auf den Nahverkehr Sinn?

Wer genügend Zeit mitbringt und auch die Reise zum Ausflugsort schon als Ausflug begreift, kann in Baden-Württemberg mit dem 9-Euro-Ticket sehr günstige Kurzurlaube verbringen. So kann man etwa von Ulm aus ohne Umstieg in etwa zwei Stunden nach Oberstdorf fahren. Für eine Fahrt in den Schwarzwald, etwa nach Freudenstadt, braucht man im besten Fall knapp drei Stunden und muss einmal umsteigen. Von Stuttgart aus geht es mit nur einem Umstieg in 2:15 Stunden nach Radolfzell am Bodensee und in knapp zwei Stunden mit nur einem Umstieg nach Heidelberg.
Ihr findet uns auch auf Instagram!