24-Jährige in U-Haft
: Junge Sanitäterin soll Kollegen vergiftet haben

Eigentlich sollen sie Menschen helfen und retten. Nun allerdings sitzt eine angehende Notfallsanitäterin selbst in Untersuchungshaft – wegen versuchten Mordes an ihren eigenen Kollegen.
Von
Nico Pointner und David Nau, dpa
Ludwigsburg
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Sanitäter-Auszubildende soll Kollegen vergiftet haben: 06.02.2025, Baden-Württemberg, ---: Ein Rettungswagen spiegelt sich in dem Fenster der Garage. Eigentlich sollen sie Menschen helfen und retten. Nun allerdings sitzt in Deutschland eine angehende Notfallsanitäterin in Untersuchungshaft - wegen versuchten Mordes an ihren eigenen Kollegen. Foto: Jason Tschepljakow/dpa - ACHTUNG: Nummer in der Spiegelung wurde aus rechtlichen Gründen gepixelt +++ dpa-Bildfunk +++

Eigentlich sollen sie Menschen helfen und retten. Nun sitzt in Deutschland eine angehende Notfallsanitäterin in Untersuchungshaft.

Jason Tschepljakow/dpa
  • Eine 24-jährige Sanitäterin in Ausbildung sitzt wegen versuchten Mordes in U-Haft.
  • Sie hat Kollegen mit verschreibungspflichtigen Medikamenten vergiftet, vier Fälle.
  • Drei Kollegen erlitten schwere gesundheitliche Schäden, einer in Lebensgefahr.
  • Die Taten ereigneten sich von Oktober 2023 bis April 2024 in Ludwigsburg.
  • Ermittlungen laufen, Polizei und Rotes Kreuz wollen keine weiteren Details nennen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es sind boshafte Verbrechen an Menschen, mit denen man jeden Tag gemeinsam an der Werkbank steht, auf der Station pflegt, im Büro sitzt: Immer wieder werden Arbeiter und Angestellte in Deutschland von den eigenen Kollegen vergiftet. Da gibt es die Krankenschwester, die giftige Plätzchen backt. Oder den Geiger, der auf einer Konzertreise einen gefährlichen Frischkäse-Dip reicht. Der Mitarbeiter, der in die Pausenbrote seiner Kollegen Quecksilber mischt.

Viel über den neuen Fall, der sich im baden-württembergischen Kreis Ludwigsburg auftut, ist noch unklar. Und bislang sind es nur Vorwürfe – wie immer gilt die Unschuldsvermutung bis zu einem rechtskräftigen Urteil. Aber der Fall erregt Aufsehen: Es geht um eine junge Auszubildende, um vergiftete Drinks, um versuchten Mord in mehreren Fällen. Und, besonders brisant, um den Tatort Rettungswache: Tatverdächtige ist eine angehende Notfallsanitäterin, die Opfer sind ihre Kollegen. Es handelt sich um Notfallsanitäter, die jeden Tag Menschen helfen und Leben retten.

24-jährige Sanitäter-Auszubildende sitzt in Untersuchungshaft

Nun sitzt eine 24-jährige Sanitäter-Auszubildende in Untersuchungshaft. Ihr wird versuchter Mord in vier Fällen vorgeworfen. Im Dienst soll sie über Monate hinweg verschreibungspflichtige Medikamente in die Getränke ihrer Kollegen gemischt haben, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten. So viel, dass die Kollegen sehr krank wurden. Drei Kollegen, 53, 29 und 25 Jahre alt, erlitten laut den Ermittlern „erhebliche gesundheitliche Beschwerden“, in einem Fall seien diese sogar lebensbedrohlich gewesen. Drei Fälle hätten im Krankenhaus behandelt werden müssen.

Das Motiv der Frau ist noch unklar. Nur so viel steht fest: Die Taten ereigneten sich der Staatsanwaltschaft zufolge im Zeitraum von Oktober 2023 bis April 2024 auf einer Rettungswache im Landkreis Ludwigsburg. Um welche Rettungswache es sich genau handelt, wollten die Behörden nicht bekanntgeben. Die Tatverdächtige wurde Ende Januar festgenommen und einem Haftrichter vorgeführt.

Umfangreiche Ermittlungen hätten zu der jungen Frau geführt, so die Behörden. Weitere Details nannte eine Polizeisprecherin nicht. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei dauerten noch an. Auch der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes hält sich bedeckt: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zu diesem laufenden Verfahren keine Angaben machen möchten“, teilte der Verband mit.

Immer wieder Giftattacken am Arbeitsplatz

Giftattacken am Arbeitsplatz erschüttern jedes Mal erneut die Öffentlichkeit: Im hessischen Bad Nauheim etwa backte eine Krankenschwester Kekse für die Kollegen. Was wie eine nette Geste klang, verursachte bei ihren Opfern Schwindel und Bewusstlosigkeit. Die Frau hatte nach Auffassung des Landgerichts Gießen Beruhigungs- und Schlafmittel in die Naschereien gemixt – im Mai 2020 wurde sie wegen gefährlicher Körperverletzung zu drei Jahren Haft verurteilt.

In der Gemeinde Schloß Holte-Stukenbrock in Nordrhein-Westfalen vergiftete ein Mann nach Auffassung des Landgerichts Bielefeld die Pausenbrote seiner Kollegen mit Bleiverbindungen und Quecksilber. Gegen ihn wurde wegen Mordversuchs eine lebenslange Haft verhängt. 2020 verstarb ein 26-Jähriger an den Folgen der Tat.

Ein Passauer Krankenpfleger wurde 2008 zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt, weil er mindestens elfmal auf seiner Station im Klinikum Passau gefährliche Psychopharmaka in die Milch und andere Getränke der Mitarbeiter gefüllt hatte.