Doppelgängerinnen-Mord
: Die Täterin suchte ihr Opfer per Instagram

PodcastDieser unglaubliche Fall machte bundesweit Schlagzeilen: Eine junge Frau suchte per Instagram eine Doppelgängerin – um sie zu töten und selbst unterzutauchen. Darum geht es in der neuen Folge „Akte Südwest“.
Von
Roland Müller
Ingolstadt/Eppingen
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Die Angeklagte Shahraban K. wird in den Gerichtssaal in Ingolstadt geführt. Für die Anklage war sie die bei dem Mord die „perfide Planerin ohne jede Gnade“.

Die Angeklagte Shahraban K. wird in den Gerichtssaal in Ingolstadt geführt. Für die Anklage war sie die bei dem Mord die „perfide Planerin ohne jede Gnade“.

Cornelia Hammer/dpa
  • Shahraban K. suchte per Instagram eine Doppelgängerin, um diese zu töten und unterzutauchen.
  • Sie und Komplize Shekir K. ermordeten Khadija O. mit 56 Messerstichen.
  • Der Mordplan scheiterte, beide wurden schnell festgenommen und verurteilt.
  • Der Prozess offenbarte absurde Theorien und traditionelle Familienstrukturen.
  • Der Bundesgerichtshof muss über eine Revision entscheiden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Für zwei Eltern in Ingolstadt bricht am 16. August 2022 eine Welt zusammen: Ihre Tochter liegt, so glauben sie zumindest, tot in ihrem Auto, brutal ermordet mit 56 Messerstichen. Doch der Fall nimmt bereits am nächsten Tag eine unglaubliche Wendung: Das angebliche Opfer ist quicklebendig – und wird zusammen mit einem Komplizen festgenommen.

Bei den Ermittlungen stoßen Polizei und Staatsanwaltschaft auf die Konturen eines nahezu unglaublichen Verbrechens. Denn die Beschuldigte Schahraban K. soll gezielt auf Instagram nach einer Doppelgängerin gesucht haben – um sie zu töten und selbst unterzutauchen. Die Tote im Auto ist eine 23-Jährige aus Eppingen bei Heilbronn, die nichtsahnend in eine Falle tappte. Als „Doppelgängerinnen-Mord“ macht der Fall bundesweite Schlagzeilen. In der neuesten Folge von „Akte Südwest“ berichtet Reporter Patrick Guyton ausführlich von dem ungewöhnlichen Fall – und versucht, auf der Suche nach dem Motiv einer brutalen Tat das Dickicht eines turbulenten Prozesses zu lichten, in dem es um traditionelle Familienstrukturen, eine Clique aus Möchtegern-Gangstern und absurde Theorien über „Schwarze Magie“ ging.

Hier gibt es Folge 53 von Akte Südwest

Was treibt zwei junge Menschen dazu, einen kaltblütigen Mord zu planen? Spielte die Herkunft der Täterin aus der Volksgruppe der Jesiden eine Rolle? Wie sucht man auf Social Media ein Mordopfer aus? Stimmt die Doppelgängerinnen-Theorie überhaupt? Und vor allem: Was trieb den Mittäter, einen jungen Mann namens Shekir K., dazu, die tödlichen Messerstiche auszuführen – obwohl er seine Komplizin Schahraban K. erst seit zwei Wochen kannte?

Fast ein Jahr lang dauert der Prozess, der diese Fragen klären sollte. So Aufsehen erregend der Fall war, so zäh verliefen viele der Verhandlungstage, sagt Reporter Patrick Guyton, der für die SÜDWEST PRESSE den Prozess begleitete. „Ich bin oft kopfschüttelnd dagesessen“, sagt Guyton. Das lag nicht nur daran, dass Aussagen vieler Zeugen nicht viel Erhellendes ergaben. Die Sinnlosigkeit des Verbrechens wird um so deutlicher dadurch, dass der „Plan“ der Täter sofort in sich zusammenfällt. Denn nachdem sie ihr Opfer abgeholt, getötet und im Auto zurückgelassen haben, kann von Untertauchen keine Rede sein: Stattdessen bleiben Schahraban K. und Shekir K. in Ingolstadt, kontaktieren Freunde und Bekannte – und erzählen ihnen in verschiedenen Versionen, dass eine junge Frau gestorben ist. „Die Nachricht von der Tat kursierte in diesem ganzen Freundeskreis schon, bevor die Polizei überhaupt an die Arbeit ging“, berichtet Guyton. „Der Plan war logisch nicht wirklich durchdacht.“ Bereits einen Tag nach dem Leichenfund werden beide verhaftet.

Dem Opfer eine kostenlose Beauty-Behandlung versprochen

Diese Sinnlosigkeit steht in einem krassen Missverhältnis zur Brutalität und Kaltblütigkeit der Tat: Schahraban K. kontaktiert in den Tagen zuvor Dutzende junge Frauen auf Instagram – und beschreibt dabei ganz genau, welchen Typ Frau sie sucht: 22 bis 24 Jahre alt, lange, dunkle Haare, dunkler Teint, eher klein, keine Tätowierungen. „Bei Interessentinnen, bei denen etwas nicht dazu gepasst hat, hat sie sofort den Kontakt abgebrochen“, berichtet Guyton. Ihr späteres Opfer ist die 23-jährige Khadija O. aus Eppingen bei Heilbronn. Ihr verspricht Schahraban K. eine kostenlose Laser-Behandlung in ihrem Beauty-Salon. Gemeinsam mit Shekir K. holt sie Khadija O. zu Hause ab. Unter einem Vorwand fahren sie in einen Wald. Dort ersticht Shekir K. die nichtsahnende 23-Jährige mit 56 Messerstichen. Warum er das tut, bleibt ein Rätsel.

Vor Gericht schiebt Schahraban K. die Schuld ganz auf ihren Komplizen: Sie habe mit der Tat nichts zu tun gehabt, sei nur dabei gewesen und habe nicht geahnt, was Shekir K. vorhabe. Dieser schweigt im Verfahren. Am Ende werden beide wegen Mordes zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Von einer „verstörenden Tat“ spricht der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. „Die Richter sahen die Indizienkette als so dicht an, dass es sich so abgespielt haben muss“, sagt Guyton. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Bundesgerichtshof muss über eine Revision entscheiden.

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Jeden zweiten Mittwoch um 15.00 Uhr
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