Rätselhafte Bluttat in Ulm
: Der Mord an Rafael Blumenstock wird neu aufgerollt – auch als Podcast

Die Tat ist bis heute ungeklärt: Vor 35 Jahren wurde Rafael Blumenstock auf dem Ulmer Münsterplatz brutal ermordet. Die Polizei ist entschlossen, die Täter zu fassen. Ein Podcast bringt nun neue Fakten auf den Tisch.
Von
Roland Müller
Ulm
Rafael Blumenstock Mordopfer Ulm

Der 28-jährige Rafael Blumenstock wurde am 4. November 1990 auf dem Ulmer Münsterplatz ermordet.

SWR/Archiv
  • Mordfall Rafael Blumenstock von 1990 wird in Ulm neu untersucht – Cold-Case-Einheit aktiv.
  • SWR-Podcast „Der Schrei“ beleuchtet den Fall in Detailtiefe, mit Unterstützung der Polizei.
  • Brutale Tat mit 21 Messerstichen und abgeschnittener Nase deutet auf Hass und Demütigung hin.
  • Vermisstes Notizbuch des Opfers könnte Hinweise liefern – Motiv und Täter weiter unklar.
  • Podcast und Artikelreihe rufen Bevölkerung zu neuen Hinweisen auf – Kontaktmöglichkeiten stehen bereit.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wer hat Rafael Blumenstock ermordet? Die brutale Tat an dem 28-Jährigen auf dem Ulmer Münsterplatz hat sich wie kaum ein anderes Verbrechen eingebrannt ins kollektive Gedächtnis der Stadt. Bis heute ist der Fall vom 4. November 1990 ungeklärt. Doch das soll sich ändern: In der Cold-Case-Einheit des Ulmer Polizeipräsidiums unter Leitung von Manuel Köhler steht der Fall auf der Prioritätenliste weit oben. Erst kürzlich hatte der Kriminalhauptkommissar den Mordfall im ZDF bei „Aktenzeichen XY... ungelöst“ vorgestellt.

Nun soll auch ein SWR-Podcast dabei helfen, den Tätern auf die Spur zu kommen: In „Der Schrei – Der rätselhafte Fall Rafael Blumenstock“ wird der Fall in einer bisher ungekannten Detailtiefe dargestellt. Eine Hauptrolle im Podcast spielt dabei auch Ermittler Köhler, der viele Indizien und Hinweise mit den Rechercheuren des SWR geteilt hat. „Gerade in solchen Fällen, die schon Jahrzehnte her sind, sind wir natürlich auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen“, sagte Köhler im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE, die bei dem Projekt mit dem SWR kooperiert: SWP-Reporterin Ulrike Schleicher tritt im Podcast auf, außerdem werden wir in den nächsten Wochen mit einer Artikelreihe auf die Rätsel des Falls Blumenstock eingehen.

Als „bewusste Demütigung“ dem Opfer die Nase abgeschnitten?

Derer gibt es viele. So beschäftigt die Frage nach dem Motiv die Ermittler bis heute: Die enorme Brutalität der Attacke mit 21 Messerstichen, Schlägen und Tritten werten Ermittler als Zeichen für tief sitzenden Hass – und dass die Täter sich die Zeit nahmen, ihrem toten Opfer anschließend noch die Nase abzuschneiden, spricht laut Köhler dafür, dass es um eine „bewusste Demütigung“ ging. Denn: „Es war bekannt, dass Rafael Blumenstock auf seine Nase sehr stolz war“, sagt Köhler.

Kannten sich Opfer und Täter also vielleicht doch besser, gab es eine Art Vorbeziehung? Steckt die Antwort in einem Notizbuch Rafael Blumenstocks, in dem er ständig Protokoll führte und das seit der Tat verschwunden ist? Und warum schildern Freunde, Rafael habe sich in den Tagen vor seinem Tod „anders“ verhalten als sonst? Wurde er womöglich bedroht? Diesen Fragen und Theorien geht „Der Schrei“ nach, SWR-Journalistin Chiara Battaglia befragt Ermittler, Zeugen, enge Freunde und Weggefährten Rafael Blumenstocks – und auch die Familie des Mordopfers.

So ist es neben der kriminalistischen Spurensuche ein großer Verdienst des Podcasts, ein einfühlsames und faszinierendes Porträt eines Menschen zu zeichnen, den in Ulm viele „vom Sehen“ kannten: Als exotischen Paradiesvogel und Nachtschwärmer, der geschminkt und in Frauenkleidern durch die Kneipen der Stadt zog, oft Fremde „anquatschte“ und provokante Streiche spielte. Durch Schilderungen seiner Mutter und seiner vier Brüder wird Hörerinnen und Hörern ein kompletteres Bild Rafaels nahe gebracht: mit all seiner Kreativität, seinem Humor, aber auch psychischen Problemen, die ihn zuletzt plagten. Über allem steht dabei auch die Frage: Musste Rafael Blumenstock sterben, weil er „anders“ war?

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