Anzeige: Mediterrane Ernährung oder Wikingerdiät?

Fisch liefert Omega-3-Fettsäuren, einen wichtigen Baustein für unsere Zellen. Foto: Christin Klose/dpa-mag
Christin Klose/dpa-magNordische Ernährung, New Nordic Diet oder Wikinger-Diät: Was kommt dabei auf den Teller? Und bringt diese Ernährungsform für Gesundheit und Lebenserwartung genauso viel wie die mediterrane Ernährung, die als Goldstandard gilt?
Regionale Lebensmittel stehen im Mittelpunkt
Die nordische Küche basiert auf regionalen Lebensmitteln und traditionellen Ernährungsweisen nordeuropäischer Länder. „Dabei geht es vor allem um pflanzliche und unverarbeitete Lebensmittel aus nordeuropäischen Ländern“, sagt Carolin Groth, Referentin in der Abteilung Lebensmittel und Ernährung der Verbraucherzentrale Hamburg. Zur nordischen Ernährung gehören Vollkorngetreide, vor allem Roggen, Gerste und Hafer. Eine wichtige Rolle spielen auch Wurzelgemüse wie Rote Bete und Karotten, außerdem Beeren und regionales Obst wie Äpfel und Birnen. „Auch Nüsse, Pilze und Hülsenfrüchte gehören zum Speiseplan“, so Groth. Diese pflanzlichen Lebensmittel werden durch fettreichen Fisch wie Lachs und Makrele und fettarme Milchprodukte ergänzt. Öle bestehen in der nordischen Ernährung meist aus Raps, Sonnenblumen und Leinsamen. Fleisch steht nur einmal die Woche auf dem Speiseplan.
Ähnlichkeit zur Mittelmeerkost
„Eine wirkliche Abgrenzung von der typischen Mittelmeerkost gibt es aber nicht, denn die Grundidee ist ähnlich“, sagt Carolin Groth: frisch, regional und saisonal. Auch die Mittelmeerkost punktet durch viele pflanzliche Lebensmittel: Neben Gemüse kommen vor allem Obst, Nüsse, Samen, Hülsenfrüchte sowie Getreide, Fisch und Olivenöl zum Einsatz. Fleisch und Milchprodukte kommen ebenfalls eher selten auf den Tisch. All das versorgt den Körper gut mit Vitaminen, Mineral-, Ballast- und sekundären Pflanzenstoffen. Dazu kommen Fisch und pflanzliche Fette, also eine gute Versorgung mit gesunden Fettsäuren. „Dass bei beiden Ernährungsweisen Fleisch nur selten verzehrt wird, ist aus gesundheitlicher Sicht positiv“, sagt Groth. Wer bei mediterraner Kost allerdings vorwiegend an Pizza und Pasta denkt, ist auf dem Holzweg. Es geht vor allem um einfach zubereitete Gerichte aus so naturbelassenen Zutaten wie möglich. Eine Gemüsepfanne mit gebratenem Fisch, beispielsweise, und natürlich viel frischer Salat mit variationsreicher Rohkost wie Gurken, Tomaten oder Paprika und proteinreichen Kichererbsen.
Zur nordischen Ernährung fehlen wissenschaftliche Erkenntnisse
Für den Ernährungsmediziner Prof. Johannes Wechsler ist hingegen klar: „Für die nordische Diät kann ich keine Lanze brechen, weil es dazu keine gesicherten Erkenntnisse gibt“, so der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Ernährungsmediziner (BDEM). Für die nordische Diät müssten demnach die Fakten sprechen. Nämlich, dass Menschen in Skandinavien länger leben als im Süden. „Aber die Lebenserwartung ist im Norden wie im Süden Europas fast identisch, sie liegt bei etwa 85 Jahren. Plus oder minus ein Jahr ist dabei völlig egal.“ Auch die Sterblichkeitsraten sind innerhalb der EU ähnlich. Sie sind laut Wechsler aber eher abhängig von der medizinischen Versorgung und weniger von der Ernährung. Auf die nordische Diät umschwenken, in der Hoffnung, das Leben zu verlängern – das geht demnach nicht auf. Die nordische Küche könne dem Körper zudem nicht alles geben, was er brauche, da sie relativ vitamin- und ballaststoffarm, sei, dafür aber fettreich, so Wechsler. „Der Norweger isst nämlich wenig Orangen oder Salat. Das wächst halt da oben nicht.“ Seiner Ansicht nach fehlen auch die Ballaststoffe – etwa aus dunklen Brotsorten. Das Sinnvolle und Gute aber an dieser Ernährungsweise ist die Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren, weil viel Fisch gegessen werde.
So sieht die optimale Ernährung aus
Im Norden, im Süden, woanders: Wo und wie isst es sich denn nun besonders gesund? Bei keiner wissenschaftlich fundierten Ernährungsempfehlung gehe es darum, die traditionellen Gerichte wie den Schweinebraten in Bayern oder die Maultaschen in Schwaben abzuschaffen. Die Ernährungsweisen gehören zur Kultur einer Region.
„Es ist rein die Menge, die den Unterschied ausmacht. Jeder Schweinebraten ist gesund, solange man nicht täglich Riesenportionen davon isst.“ Die optimale Ernährung sollte laut Wechsler fett- und salzarm sein und wenig tierisches Eiweiß und Fett enthalten. Auch kurze Kohlenhydrate, also Zucker, und Cholesterin isst man besser nur in Maßen. Stattdessen: viel Gemüse, Salat, Ballaststoffe und Omega-3-Fettsäuren, etwa durch Fisch zweimal pro Woche.
Blutdrucksenkende Wirkung
Diese Prinzipien stehen auch bei der sogenannten DASH-Ernährungsweise im Vordergrund, dem „Diätischen Ansatz zum Stopp von Hochdruck“. Konsequent umgesetzt konnte der obere, systolische Blutdruckwert Untersuchungen zufolge um 11 mm Hg, der diastolische um 6 mm Hg gesenkt werden. Die Einschränkung tierischer Lebensmittel, die hohe Mengen an Cholesterin und gesättigter Fette enthalten, senkt zudem auch das Risiko für koronare Herzkrankheit, Schlaganfall und Typ-2-Diabetes – diese werden durch hohe Blutfettwerte besonders begünstigt.„Viel wichtiger als die Ernährung ist die Energiebilanz: Alles, was im Übermaß zugeführt wird, ist schädlich“, warnt Wechsler. Zu viel Salz und Fett erhöhen das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. In Sachen Lebenserwartung, ist sich der Ernährungsmediziner daher sicher, sei noch Luft nach oben. Die einfachsten Ratschläge sind manchmal die besten: Iss nichts, was deine (Ur-)Großmutter nicht als Essen akzeptiert hätte. Also keine verarbeiteten Lebensmittel, wie Fertiggerichte und anderes Abgepacktes mit unbekannten Zusatzstoffen. Und: Je einfacher Zutaten und Zubereitung, desto besser – und gesünder.