Zweifel am Tod des Bruders: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Tengelmann-Chef

Nach dem Verschwinden von Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub übernahm sein Bruder Christian Haub die Geschäftsführung der Unternehmensgruppe. Das Archivbild stammt aus dem Jahr 2009.
Roland Weihrauch/dpa- Staatsanwaltschaft Köln erhebt Anklage gegen Christian Haub – Bezug zum Bruderfall.
- Vorwurf: 2021 falsche eidesstattliche Versicherung im Verschollenheitsverfahren.
- Hintergrund sind Zweifel am Tod von Karl-Erivan Haub nach dem Verschwinden in Zermatt.
- Ermittler verweisen auf Agentur-Recherchen und Fotos aus Moskau, deren Echtheit unklar ist.
- Gericht prüft im Zwischenverfahren die Zulassung der Anklage; Unternehmen äußert sich nicht.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Staatsanwaltschaft Köln hat Anklage gegen Tengelmann-Chef Christian Haub erhoben. Der Vorgang steht im Zusammenhang mit dem Verschwinden seines Bruders Karl-Erivan Haub in den Schweizer Alpen. Ein Sprecher des Landgerichts Köln bestätigte den Eingang der Anklageschrift vom 13. April der Deutschen Presse-Agentur, ohne den Namen des Beschuldigten zu nennen. Zuvor hatte das „Manager Magazin“ berichtet. Nach dem Verschwinden waren in einer der reichsten Familien Deutschlands schwere Konflikte um seelische Verletzungen, Macht und Milliarden aufgebrochen.
Christian Haub wird vorgeworfen, 2021 im Verschollenheitsverfahren um seinen Bruder – den früheren Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub – eine falsche Versicherung an Eides statt abgegeben zu haben. Mark Binz, der Anwalt von Christian Haub, äußerte sich auf Nachfrage zunächst nicht zu dem Vorgang. Eine Sprecherin von Tengelmann teilte mit: „Das ist eine private Angelegenheit von Herrn Haub, daher nehmen wir unternehmensseitig keine Stellung.“
Die Staatsanwaltschaft hatte 2024 wegen Anfangsverdachts ein Ermittlungsverfahren gegen Christian Haub eingeleitet. In der Strafanzeige war unter anderem vorgebracht worden, dass dem Beschuldigten – entgegen seinen Angaben – belastbare Hinweise darauf vorgelegen hätten, dass sein Bruder noch leben könnte. Christian Haubs Anwalt wies den Vorwurf unrichtiger Angaben damals zurück.
Lebt der verschollene Milliardär Karl-Erivan Haub noch?
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft hatte er zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits Kenntnis von den Zweifeln über den Verbleib seines Bruders, schreibt das „Handelsblatt“. Umfangreiche Recherchen beauftragter Ermittlungsagenturen sollen diese untermauert haben. Dazu gehören den Angaben zufolge Bilder, die Karl-Erivan Haub nach dessen vermeintlichem Skiunfall in Moskau zeigen sollen. Unklar sei, ob die Bilder echt seien. Allerdings hat Christian Haub nach Angaben der Staatsanwaltschaft diese Informationen nicht erwähnt.
Nach dem Verschwinden seines Bruders Karl-Erivan Haub hatte Christian Haub die alleinige Geschäftsführung des milliardenschweren Handelskonzerns übernommen, zu dem unter anderem der Textil-Discounter Kik und die Baumarktkette Obi gehören.
Karl-Erivan Haub 2021 für tot erklärt
Karl-Erivan Haub, einer der reichsten Deutschen, war im April 2018 in Zermatt allein zu einer Skitour aufgebrochen und nicht zurückgekehrt. Die Familie geht davon aus, dass der damals 58-Jährige am Klein Matterhorn tödlich verunglückte. 2021 wurde er vom Kölner Amtsgericht für tot erklärt. Immer wieder kursieren seitdem Medienberichte mit Zweifeln am Tod des erfahrenen Skiläufers. Das Gericht hielt sie nicht für belegbar.
Im laufenden Zwischenverfahren prüft das Gericht nun, ob ein hinreichender Tatverdacht gegen seinen Bruder besteht und die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen wird. Erst danach kann das Hauptverfahren eröffnet werden. Einen Zeitrahmen für die Entscheidung nannte der Gerichtssprecher nicht.
