Die Aufmerksamkeit war groß, als Staatsanwaltschaft und Polizeipräsidium Heilbronn im August 2021 einige der 21 verschiedenen Hanf-Produkte, die Lidl kurzzeitig in seinem Sortiment hatte, beschlagnahmte. Auch aufgrund des firmeneigenen Rückrufs einiger dieser Produkte wegen eines erhöhten THC-Gehalts wurde durch die Staatsanwaltschaft Heilbronn ein förmliches Ermittlungsverfahren insbesondere wegen des Verdachts des Handeltreibens mit Betäubungsmitteln eingeleitet. Herausgekommen ist dabei allerdings nichts: „Das Ermittlungsverfahren wurde eingestellt, weil sich dieser Verdacht nicht bestätigt hat“, lässt die Staatsanwaltschaft nun in einer Pressemitteilung wissen.

THC-Gehalt zu niedrig

Für die Betäubungsmitteleigenschaft komme es grundsätzlich nicht auf eine konkrete Berauschungsqualität oder Konsumfähigkeit an, erklärt die Pressesprecherin darin. Ausgenommen seien Pflanzen und Pflanzenteile, wenn ihr Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC) 0,2 Prozent nicht übersteige und der Verkehr mit ihnen ausschließlich gewerblichen Zwecken diene, die einen Missbrauch zu Rauschzwecken ausschließen. In diesem Zusammenhang komme es entscheidend darauf an, ob ein Cannabisrausch bei einem Konsum der Produkte durch den Verbraucher aufgrund des niedrigen THC-Gehalts auszuschließen sei. Überschreitet ein Produkt die Grenzwerte, kann es höchstens verschreibungspflichtig angeboten werden.
Und genau das konnte im Labor wohl ausgeschlossen werden: „Die im Laufe des Ermittlungsverfahrens eingeholten Gutachten ergaben, dass in den untersuchten Produkten ein THC-Gehalt entweder nicht nachweisbar beziehungsweise nicht bestimmbar war oder dieser unter 0,2 Prozent lag.“ Nach Einschätzung des Sachverständigen war deshalb ein Missbrauch zu Rauschzwecken durch Konsum der Produkte entweder gänzlich oder aufgrund der hierzu benötigten Menge praktisch ausgeschlossen.

Karte mit „Coffeeshops“ führt zu Geldauflage

Ein Punkt allerdings wurde trotzdem bemängelt: In der Verpackung eines Produkts war ein Ausschnitt des Stadtnetzes von Amsterdam mit der Markierung sogenannter „Coffeeshops“, „wodurch der Verdacht bestand, dass öffentlich einem nicht eingrenzbaren Personenkreis eine Gelegenheit zum unbefugten Erwerb von Betäubungsmitteln mitgeteilt wurde“, so die Pressesprecherin. Das ist strafbar nach § 29 Abs. 1 Nr. 10 des Betäubungsmittelgesetzes. In diesem Fall wurde das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt.
Lidl hatte laut dem Branchenblatt „Lebensmittelzeitung“ (LZ) die Ware über das Start-up „The Green Dealers“ bekommen, die nach eigenen Angaben mindestens 1,5 Millionen Cannabis-Artikel des Herstellers Euphoria geliefert hatte. Als Kaufargumente für die bei Lidl kurzzeitig angebotenen Produkte nannte ein Manager des Dienstleisters übrigens den Hanf-Geschmack und die „interessante Aufmachung“.