Wirecard-Betrug: Jan Marsalek in Moskau aufgespürt

Das Bild, mit dem nach Jan Marsalek gefahndet wird, stammt aus dem Jahr 2017. Heute ist der Bart ab, die Haare lichter und grauer.
HANDOUT/AFP- Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek lebt laut Recherchen in Moskau unter falscher Identität.
- Marsalek wird international wegen Milliardenbetrugs und Spionageverdachts gesucht.
- Er steht in engem Kontakt zum russischen Geheimdienst FSB und soll dort tätig sein.
- Daten zeigen 304 Handy-Signale in der Nähe der FSB-Zentrale zwischen Januar und November 2024.
- Wirecard kollabierte 2018 – 1,9 Milliarden Euro fehlten, Ex-Chef Braun steht vor Gericht.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Fünf Jahre ist es her, dass der damalige Dax-Konzern Wirecard kollabierte, nachdem die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY dem Zahlungsdienstleister das sogenannte Testat verweigerte und damit deutlich machte, dass die Bilanzzahlen nicht den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen. Der Aktienkurs des einstigen Börsenüberfliegers stürzte ab, Ermittler stellten fest, dass es 1,9 Milliarden Euro, die in den Büchern standen, gar nicht gibt. Daher muss sich der frühere Vorstandschef Markus Braun seit drei Jahren vor Gericht verantworten. Ende des Jahres soll ein Urteil fallen.
Nach Einschätzung der Fahnder spielt Jan Marsalek eine zentrale Rolle im größten Betrugsfall der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Der gebürtige Österreicher war zehn Jahre lang bis 2020 Vorstandsmitglied und für das internationale Geschäft zuständig, also für jenen Bereich, in dem die Scheingeschäfte stattgefunden haben. Er tauchte unter und wird von deutschen Ermittlern international wegen gewerbsmäßigem Bandenbetrugs in Milliardenhöhe, besonders schwerer Untreue, Milliardenbetrugs und des Verdachts auf Spionage gesucht.
Schon in der Vergangenheit gab es immer wieder Erkenntnisse über die enge Verbindung Marsaleks zum russischen Geheimdienst während seiner Zeit bei Wirecard. Nach Recherchen von Spiegel, ZDF und internationalen Partnern lebt der 45-Jährige inzwischen in Moskau – offenbar unter falscher Identität und mit direktem Zugang zu den russischen Geheimdiensten. Das belegen nach Angaben des ZDF-Magazins „Frontal“ Foto-, Pass- und Handy-Daten.
Enger Kontakt zum russischen Geheimdienst
Den Recherchen zufolge arbeitet der flüchtige Ex-Wirecard-Manager offenbar regelmäßig für den russischen Inlandsgeheimdienst FSB. Zwischen Januar 2024 und November 2024 wurde sein Handy 304-mal in der Nähe der FSB-Zentrale in Moskau Lubjanka erfasst. Dazu kommen mehr als weitere 100 Signale ganz in der Nähe der Geheimdienstzentrale.
Fotos des Rechercheteams zeigen Marsalek unter anderem auf dem Weg zum Sitz des Geheimdienstes Dienstes. Ermittler gehen nach Angaben des ZDF davon aus, dass Marsalek nicht nur Schutz genießt, sondern selbst für den FSB tätig ist.
