Warnung von Experten: Deutschland ist schlecht auf KI-Boom vorbereitet

Künstliche Intelligenz ist der Zukunftsmarkt. Doch Deutschland hinkt meilenweit hinterher (im Bild: Logo des amerikanischen KI-Anbieters Anthropic).
Imago/NurPhoto- Ifo warnt: Deutschland ist schlecht auf den KI-Boom vorbereitet.
- Hightech-Branche klein, Verwaltung wenig digitalisiert – Wachstumspotenzial bleibt ungenutzt.
- IKT-Sektor bringt 4,6 Prozent der Bruttowertschöpfung, Importüberschuss bei IKT-Diensten.
- Öffentliche Verwaltung hinkt bei Services wie vorausgefüllten Formularen hinterher.
- Bildungsdefizite bei KI-Kompetenzen, oft fehlen Fachkenntnisse für geplante KI-Projekte.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Deutschland ist nach Einschätzung des Münchner Ifo-Instituts schlecht auf den KI-Boom vorbereitet: Es fehlten wichtige Voraussetzungen, um das Wachstumspotenzial Künstlicher Intelligenz (KI) auszuschöpfen, erklärte das Ifo am Montag (2. November) vor Beginn des Digital-Gipfels der Regierung. Die Hightech-Branche sei noch zu klein, die Verwaltung zu wenig digitalisiert und das Bildungssystem passe sich nicht schnell genug an die Veränderungen durch KI an.
Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung steckt fest
Der IKT-Sektor (Informations- und Kommunikationstechnologien) trägt laut Ifo nur 4,6 Prozent zur Bruttowertschöpfung in Deutschland bei. Damit liegt der Anteil im unteren EU-Mittelfeld. Bei IKT-Dienstleistungen importierte Deutschland 2025 Leistungen im Wert von elf Milliarden US-Dollar mehr, als es exportierte. „Kein anderes EU-Land ist im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie stärker vom Ausland abhängig als Deutschland“, betont Ifo-Forscher Christian Pfaffl.
Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung steckt fest
Kaum Fortschritte gebe es bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung, kritisiert das Ifo. Dabei könnte gerade sie mithilfe von KI und der umfangreich vorhandenen Verwaltungsdaten Bürger sowie Unternehmen bessere Dienstleistungen anbieten.
So stecke Deutschland beispielsweise bei der Bereitstellung vorausgefüllter Formulare noch in der Experimentierphase, während dies in Nachbarländern wie den Niederlanden, Dänemark, Polen oder Österreich längst weitgehend umgesetzt sei.
KI-Bildung unter EU-Durchschnitt
Ein weiteres Problem sieht das Ifo-Institut im Bildungsbereich: Bei Kompetenzen über dem Grundniveau liege Deutschland unter dem EU-Durchschnitt. 40 Prozent der Achtklässler erreichen nicht Stufe 2 der Computer- und Informationskompetenz.
„KI-Anwendungen verbreiten sich rasant, aber zu vielen fehlt das Wissen, sie produktiv zu nutzen“, erklärt Oliver Falck, Leiter des Ifo-Zentrums für Innovationsökonomik und digitale Transformation. Mangelnde Fachkompetenz sei der häufigste Grund, warum Unternehmen geplante KI-Projekte nicht umsetzen.
Das Ifo-Institut stützt seine Aussagen nach eigenen Angaben auf eine Analyse im Auftrag der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern, die in Kürze veröffentlicht wird. (mit AFP)

