Galeria Karstadt Kaufhof
: Rettung für Galeria! Gläubiger stimmen Insolvenzplan zu

Die insolvente Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof hat eine Zukunft. Es sollen aber 1400 Arbeitsplätze wegfallen. Gläubiger müssen deutliche Abstiche beim Geld machen. Der Name wird geändert.
Von
dpa
Essen
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Gläubigerversammlung von Galeria entscheidet über Insolvenzplan: 28.05.2024, Nordrhein-Westfalen, Essen: Beamten der Justiz stehen am Eingang zum Saal in der Messe Essen, im Hintergrund ist das Logo von Galeria zu sehen. Die Gläubigerversammlung von Galeria entscheidet über den Insolvenzplan in der Messe Essen. Foto: Fabian Strauch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Gläubigerversammlung von Galeria hat über den Insolvenzplan entschieden. Auf unserem Bild sind im Vordergrund Beamte der Justiz am Eingang zum Saal in der Messe Essen zu sehen.

Fabian Strauch/dpa

Die Gläubiger der insolventen Warenhauskette Galeria Kaufhof haben dem Insolvenzplan zugestimmt. Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus zeigte sich „sehr erleichtert“ über das Votum. Der Plan soll das Unternehmen wieder zurück in die Erfolgsspur bringen. Dabei müssen die Gläubiger deutliche Abstriche beim Geld machen. Denkhaus hatte vorab für die Zustimmung geworben. „Die Alternative wäre die Zerschlagung des Unternehmens“, erklärte er.

Proteste von Verdi

Vor der Versammlung protestierten 25 bis 30 Mitglieder der Bundestarifkommission von Verdi. „Es bedarf vor allem ausreichender Investitionen seitens der neuen Eigentümer, um das Warenhauskonzept, Standorte, Arbeitsplätze und Weiterbildung langfristig zu sichern“, erklärte der Verdi-Verhandlungsführer für Galeria Kaufhof, Marcel Schäuble, vorab. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass Filialschließungen und Kostensenkungsprogramme nicht zu einer erfolgreichen Neuausrichtung führten.

Zum dritten Mal insolvent

Galeria Karstadt Kaufhof hatte im Januar zum bereits dritten Mal innerhalb weniger Jahre einen Insolvenzantrag eingereicht. Im April teilte der Konzern mit, dass ein Konsortium aus der US-Investmentgesellschaft NRDC Equity Partners und dem Unternehmer Bernd Beetz die Kaufhauskette übernehmen will.

Der Warenhauskonzern plant in diesem Zug die Schließung von 16 seiner derzeit noch 92 Kaufhäuser. Von den derzeit 12.800 Arbeitsplätzen sollen 1400 wegfallen, viele davon in der Zentrale in Essen.

An der nicht-öffentlichen Veranstaltung in Essen nahmen am Dienstag rund 120 Personen teil, die rund 4600 Gläubiger vertreten haben. Sie müssen mit der Annahme des Insolvenzplans wieder auf viel Geld verzichten. In den vergangenen Wochen hatten Vermieter, Lieferanten und andere Gläubiger wie der Bund Forderungen in Höhe von 886,1 Millionen Euro angemeldet. Voraussichtlich fließen nur bis zu 22,5 Millionen Euro – das sind 2,5 bis 3 Prozent - an sie zurück. Zahlungen aus den Ansprüchen gegen den bisherigen Eigentümer, die Signa-Gruppe des Unternehmers René Benko, könnten die Quote noch erhöhen. Weil vom finanziell angeschlagenen Mutterkonzern zugesagte Hilfen ausgeblieben waren, rutschte Galeria zu Jahresbeginn erneut in die Insolvenz.

Mehr Geld zurück erhält der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF). Der staatliche Stabilisierungsfonds hatte Galeria 2021 und 2022 mit 680 Millionen Euro unter die Arme gegriffen. Ein Großteil der Ansprüche war im Zuge des 2023 abgeschlossenen Insolvenzverfahrens entfallen. Fortgeführt wurde ein sogenanntes Nachrangdarlehen in Höhe von 88 Millionen Euro. Weil dafür neue Sicherheiten für den Fall eines Zahlungsausfalls vereinbart wurden, verfügt der WSF über „vorrangige Absonderungsrechte“ aus der Insolvenzmasse. Die zuständige Finanzagentur erwartet, dass die Forderungen nun vollständig erfüllt werden. Im Zuge der neuen Insolvenz seien keine weiteren Ausfälle zu erwarten.

Karstadt und Kaufhof verschwinden aus dem Namen

Den Grundstein für den Neuanfang hat der Insolvenzverwalter gelegt. Hauptziel von Denkhaus war es, den Konzern mittelständischer aufzustellen. Der Unternehmenssitz in Essen wird aufgegeben. Die Verwaltung soll 2025 - deutlich verschlankt - in eine Filiale in Düsseldorf einziehen. Von 92 Filialen bleiben 76 übrig. Die Mietbelastung sinkt dadurch dem Vernehmen nach um rund 80 Millionen Euro pro Jahr. Auch der Name ändert sich. Die Warenhauskette heißt künftig nur noch Galeria, die großen, traditionsreichen Marken Karstadt und Kaufhof verschwinden. Zu eng verbunden sind diese mit den jüngsten Pleiten, heißt es.

Und dennoch sind Zweifel und Unsicherheit auch mit dem Ja der Gläubiger nicht verschwunden. Das liegt auch daran, dass viele wichtige Fragen nach wie vor unbeantwortet sind. Wie gelangt Galeria zurück in die Erfolgsspur? Wie behauptet man sich gegen Handelsriesen wie Amazon und neue Portale wie Shein und Temu? Und wie wird verhindert, dass das Warenhausunternehmen 2025 erneut in Schieflage gerät?

Schönheitsprodukte, Handtaschen, Schuhe und Wäsche sollen die Schwerpunkte im Sortiment sein. Das kündigte Galeria-Chef Olivier Van den Bossche kürzlich an. Viel mehr ist über den zukünftigen Kurs nicht bekannt. Die neuen Besitzer hielten sich öffentlich bisher bedeckt. Man wolle warten, bis das Verfahren abgeschlossen sei, hieß es. Im Hintergrund mischte Beetz zuletzt jedoch kräftig mit. So setzte er sich für den Verbleib der Galeria-Filiale in Mannheim ein, die auf der Schließliste steht. Beetz ist eng verbunden mit der Stadt, er ist in Mannheim aufgewachsen und Präsident des örtlichen Fußball-Drittligisten SV Waldhof. Noch steht nicht fest, ob dieser Standort und andere wieder von der Streichliste herunter fliegen.