Maschinenbauer baut ab
: Bis zu ein Zehntel der Stellen bei Voith fallen weg

Beim schwäbischen Maschinenbauer Voith könnten bis zu 2500 Stellen gestrichen werden. Das Unternehmen müsse langfristig wettbewerbsfähiger werden, erklärt er.
Von
dpa ,
Thomas Veitinger
Heidenheim
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Voith: 08.12.2025, Baden-Württemberg, Heidenheim: Vor dem Schriftzug an der Firmenzentrale von Voith leuchtet eine rote Ampel. Der Anlagen- und Maschinenbaukonzern Voith sitzt seit seiner Gründung in Heidenheim. (zu dpa: «Maschinenbauer Voith will bis zu 2.500 Stellen streichen») Foto: Stefan Puchner/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der Anlagen- und Maschinenbaukonzern Voith will bis zu 2500 Stellen streichen.

Stefan Puchner/dpa
  • Maschinenbauer Voith plant den Abbau von bis zu 2500 Stellen.
  • Das entspricht etwa einem Zehntel der Belegschaft.
  • Ziel ist, langfristig wettbewerbsfähig und zukunftsfähig zu bleiben.
  • Der Konzern prüft Anpassungen von Strukturen und Belegschaft.
  • Chef Dirk Hoke spricht von großen Herausforderungen auf dem Weltmarkt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In Heidenheim gibt es schon länger Gerüchte. Jetzt bestätigt der größte Arbeitgeber der Stadt einen Stellenabbau. Bei Voith könnte gut ein Zehntel der Mitarbeiter den Job verlieren, heißt es in einer Mitteilung. Im Rahmen von Anpassungen werde eine Reduzierung um bis zu 2500 Stellen erwartet, teilte der Maschinenbauer mit.

Deutschland nehme bei den Überlegungen eine Schlüsselrolle ein. Zwar verfüge der Standort über technologische Kompetenz und Innovationskraft, gleichzeitig gebe es strukturelle Probleme. Genannt wurden insbesondere hohe Energie- und Arbeitskosten, komplexe regulatorische Anforderungen und ein hoher bürokratischer Aufwand.

Zukunftsfähiger aufstellen

Konkrete Entscheidungen zu Standorten oder Bereichen liegen den Angaben zufolge noch nicht vor. In den kommenden Wochen prüfe man Optionen, die gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern diskutiert und bewertet werden sollen. Der erwartete Stellenabbau beschreibe „einen globalen Rahmen und stellt keine Aussage über bestimmte Standorte, Bereiche oder Funktionen dar“.

„Das sind Nachrichten, die keiner hören will und die mit dem bevorstehenden Weihnachtsfest nichts zu tun haben“, zitiert die „Heidenheimer Zeitung“ Konzernbetriebsratsvorsitzenden Alexander Schlotz. Klare Konfliktpunkte sind für ihn mögliche Betriebs- oder Standortschließungen, die die Arbeitnehmerseite unbedingt verhindern wolle. „Es darf keinen Kahlschlag geben“, so Schlotz. Man werde es auch nicht zulassen, dass die Standorte sich gegeneinander ausspielen und auseinanderdividieren lassen.

Der exportorientierte Maschinen- und Anlagenbau ist einer der wichtigsten Industriezweige im Südwesten. Voith hat seinen Stammsitz im schwäbischen Heidenheim an der Brenz. Im Stammland hat der Konzern noch weitere Werke. Darüber hinaus ist Voith in Bayern, NRW, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Sachsen mit Standorten vertreten. Für den Mittelständler arbeiten weltweit rund 22.000 in mehr als 60 Ländern.

Konkrete Entscheidungen zu Standorten oder Bereichen liegen den Angaben zufolge noch nicht vor. In den kommenden Wochen prüfe man Optionen, die gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern diskutiert und bewertet werden sollen. Der erwartete Stellenabbau beschreibe „einen globalen Rahmen und stellt keine Aussage über bestimmte Standorte, Bereiche oder Funktionen dar“.

Was macht Voith?

Das 1867 gegründete Unternehmen liefert Maschinen, Anlagen und technische Systeme für gleich mehrere Industriebranchen. Voith produziert unter anderem Turbinen, Generatoren und digitale Steuerungstechnik für Wasserkraftwerke. Ein weiterer traditioneller Schwerpunkt liegt auf Papiermaschinen und Anlagen zur Aufbereitung von Altpapier. Zusätzlich ist Voith im Bereich der Antriebs- und Industrietechnik aktiv. Dazu gehören unter Getriebe und Kupplungen für Züge, Schiffe und industrielle Anwendungen.

Der Konzern mit seinen drei Bereichen Hydro, Paper und Turbo hatte zuletzt wegen der Konjunkturflaute rote Zahlen geschrieben. Im Geschäftsjahr 2023/24 sackte das Konzernergebnis auf minus 247 Millionen Euro ab. Ein Jahr zuvor stand noch ein Gewinn von 73 Millionen Euro in den Büchern. Der Umsatz fiel auf 5,23 Milliarden Euro.

Die Zahlen für das im September abgelaufen Geschäftsjahr 2024/25 liegen bislang nicht vor. Vor einem Jahr hatte der Technologiekonzern noch mit einer Verbesserung bei Umsatz und Gewinn gerechnet.

„Voith steht vor großen Herausforderungen“

Konzernchef Dirk Hoke verwies auf einen zunehmenden Wettbewerbsdruck. „Voith steht vor großen Herausforderungen auf dem Weltmarkt, weshalb wir eine umfangreiche strategische Analyse unseres Geschäfts vorgenommen haben“, teilte er mit. Um auch langfristig bestehen und wachsen zu können, müsse Voith über ausreichende Mittel für Investitionen verfügen und die Organisation so effizient wie möglich aufstellen.

„Die Organisation stärken, Innovation beschleunigen und Wachstumschancen nutzen – das müssen wir jetzt gemeinsam angehen, nicht zuletzt, um den Standort Deutschland zu sichern“, betonte Hoke. Bei den Anpassungen geht es demnach unter anderem darum, Prozesse zu vereinfachen, Entscheidungswege zu verkürzen und gezielt in Zukunftsfelder zu investieren, die die langfristige Wettbewerbsfähigkeit sichern. Dazu zählt Hoke das profitable Service- und Digitalgeschäft, globale Wachstumsregionen sowie neue Technologien.

Maschinenbau in der Dauerkrise

Der angekündigte Stellenabbau fällt in eine für den deutschen Maschinenbau äußerst schwierige Phase. Die Branche schrumpft 2025 nach Angaben des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) bereits das dritte Jahr in Folge. Es wird erneut mit einem Produktionsrückgang von fünf Prozent gerechnet. Seit Anfang 2023 befindet sich die Produktion demnach im Sinkflug – inzwischen seit zwölf Quartalen in Folge. Die Auslastung der Fabriken liegt mit 78,3 Prozent deutlich unter dem langjährigen Mittel von rund 85 Prozent. Erst 2026 erwartet der Verband ein leichtes Plus.

Die schlechte Lage hinterlässt dem Verband zufolge immer deutlichere Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Beschäftigung um 2,4 Prozent auf gut eine Million Menschen zurückgegangen. In den Betrieben werde häufiger Kurzarbeit angewandt. Neben hohen Steuern und unnötiger Bürokratie belasten nach Angaben von VDMA-Präsident Bertram Kawlath insbesondere die US-Strafzölle das Geschäft der Unternehmen.