Fahrfit im Alter: Wann ist Schluss mit dem Autofahren?

Schaffe ich das noch mit dem Schulterblick? Wer Auto fährt, sollte sich selbst überprüfen.
Julian Stratenschulte/dpa-tmn/dpa- Experten raten älteren Autofahrern, ihre Fahrtauglichkeit regelmäßig zu prüfen.
- Selbstkritische Fragen und ärztliche Untersuchungen können helfen.
- Freiwillige Rückmeldefahrten bieten professionelles Feedback.
- Unfallstatistiken zeigen, dass Senioren weniger Unfälle verursachen als oft angenommen.
- Pedelecs und E-Bikes sollten mit Vorsicht und Übung genutzt werden.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wenn wir älter werden, verändert sich vieles – auch die Art, wie wir Auto fahren. Aber bedeutet das automatisch mehr Risiko? Um als älterer Mensch lange sicher Auto fahren zu können, sollte man sich immer selbstkritisch hinterfragen und auf mögliche Defizite achten, rät Katharina Lucà.
„Schaffe ich das noch mit dem Schulterblick? Kann die Verkehrszeichen noch richtig gut erkennen oder habe vielleicht auch Probleme in der Dunkelheit?“, nennt die ADAC-Sprecherin Beispiele. „Das sind definitiv Dinge, da sollte man schon in sich reinspüren.“
Auch generelle Unsicherheit, langsamere Reaktionszeiten am Steuer oder die steigende Häufigkeit von Beinaheunfällen sollten wachrütteln. Dann ist eine Untersuchung beim Hausarzt sinnvoll, um abzuklären, welche Defizite man hat oder wie diese noch behoben, korrigiert oder durch entsprechende Tipps und Maßnahmen kompensiert werden können. Schlimmstenfalls ist zu überlegen, ob die Fahrtauglichkeit noch gegeben ist.
Rückmeldefahrten geben ein professionelles Feedback
Auch kann eine sogenannte freiwillige Rückmeldefahrt eine sinnvolle Maßnahme sein, die eigenen Fahrkünste im Alter neutral und im realen Verkehr checken zu lassen. Die Fahrten werden oft von Fahrschulen durchgeführt. Angebote gibt es auch etwa über Automobilclubs, Prüforganisationen und Landesverkehrswachten.
Im Prinzip ist das eine Kontrollfahrt im eigenen Auto im eigenen Umfeld. „Ein qualifizierter Fahrlehrer sitzt wie bei einer Fahrprüfung auch daneben und beobachtet“, sagt Katharina Lucà. Am Ende gibt es ein Protokoll mit Verbesserungstipps beim Fahren und Hilfestellungen.
Allerdings: Das Ergebnis kann auch eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr in Teilen oder in Gänze nicht mehr ratsam erscheinen lassen. Die Ergebnisse sind aber nicht verpflichtend und werden nirgendwohin gemeldet – Betroffene müssen ihre Konsequenzen selbst ziehen.
Nicht mehr fit fürs Lenkrad mit 60 und voll der Fahrprofi mit 80?
Eine konkrete Altersangabe für Checks oder Rückmeldefahrten? Damit tut sich Lucà schwer. Auch jüngere Menschen können in ihrer Fahrtauglichkeit ganz oder phasenweise – etwa bei Krankheiten – eingeschränkt sein. Allerdings lassen körperliche Fähigkeiten generell mit dem Alter nach. Aber das sei sehr, sehr individuell. „Es gibt Menschen, die sind beispielsweise mit 60 vielleicht schon nicht mehr in der Lage, gut Auto zu fahren, und andere sind mit 80 aber noch topfit, was Bewegung, Sehen und Reaktionszeit angeht“, sagt Lucà.
Entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass die Gruppe der älteren Autofahrenden überdurchschnittlich viele schwere Unfälle verursacht, zeigt die Unfallstatistik laut ADAC ein anderes Bild. Im Jahr 2023 haben Menschen ab 65 Jahren 18,5 Prozent der Unfälle mit Personenschaden verschuldet, die von Pkw-Fahrenden verursacht wurden, ist beim Statistischen Bundesamt nachzulesen. Also weniger Unfälle, als ihrem Bevölkerungsanteil von rund 22 Prozent entsprechen würde.
„Senioren sind durch ihre erhöhte Anfälligkeit für Verletzungen eher Gefährdete als Gefährder“, sagt ADAC-Verkehrspsychologe Ulrich Chiellino. Besonders bei Fußgängerinnen und Radfahrern fällt auf: Mehr als jeder zweite tödlich Verunglückte ist 65 Jahre oder älter. Bei den Pedelec-Nutzern sind sogar knapp 70 Prozent der tödlich Verunglückten aus dieser Altersgruppe. Aktuelle Trends wie Pedelecs und E-Bikes sind häufig ein Zugewinn für die eigenständige Mobilität. Sie sollten jedoch nur genutzt werden nach vorheriger Übung und mit entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen wie zum Beispiel einem Helm, so Chiellino, Leiter ADAC Verkehrspolitik.

