Folgen der US-Handelszölle: Erster Autohersteller stoppt Verkauf zweier Modelle in den USA

Zahlreiche Neuwagen der Marke Volkswagen stehen zur Verladung in einem gesicherten Bereich bereit. Die von US-Präsident Trump verhängten Zusatzzölle in Höhe von 25 Prozent auf alle Autoimporte treffen alle Nicht-US-Hersteller hart.
Lars Penning/dpa- Trump verhängt 25% Zölle auf Autoimporte, trifft Nicht-US-Hersteller hart.
- Europäische Konsumenten bevorzugen kleinere Autos; US-Modelle unattraktiv.
- Tesla-Ausnahme, aber Verkäufe um 13% gesunken; Kritik an Elon Musk.
- Nissan stoppt Verkauf von SUVs in USA, um Zölle zu umgehen.
- Experte warnt vor Inflationsschock und Druck auf Trump wegen Zollpolitik.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mit neuen Zöllen will US-Präsident Donald Trump die EU dazu bringen, sich für US-amerikanische Automarken zu öffnen. Doch Experten widersprechen: Nicht Handelsschranken oder Zölle seien schuld am schwachen Abschneiden der US-Autobauer in Europa, sondern deren Modelle.
„Das ist das große Problem der US-Hersteller, die Geschmäcker der europäischen Konsumenten einfach nicht zu treffen“, sagt Branchenexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. „Die haben eigentlich nichts anzubieten, was bei uns größere Marktanteile gewinnen könnte.“
Trump wirft EU unfairen Wettbewerb vor
Einzige Ausnahme sei Tesla, fügt Bratzel hinzu. „Aber Tesla hat jetzt andere Probleme.“ Im ersten Quartal war der Absatz des E-Auto-Herstellers um 13 Prozent abgesackt. Grund dürfte auch wachsende Kritik an Tesla-Chef und Trump-Berater Elon Musk sein.
Trump hatte die seit Donnerstag geltenden Zusatzzölle von 25 Prozent auf Importautos damit begründet, dass Europa sich zu sehr abschotte. „Einer der Gründe, warum ich Zölle einführe, ist der, dass wir Millionen ihrer Autos nehmen – BMW, Volkswagen, Mercedes-Benz“, sagte der 78-Jährige. Gleichzeitig sei es „fast unmöglich“, US-Autos in die EU auszuführen.
Die Zahlen scheinen Trump zunächst recht zu geben: Während im vergangenen Jahr fast 450.000 Autos aus Deutschland in die USA gingen, waren es in umgekehrter Richtung nur 136.000, berichtet der Branchenverband VDA.
Und während die USA bisher – vor Einführung des 25-Prozent-Aufschlags – nur 2,5 Prozent Zoll auf Pkw aus Europa erhoben, liegt der Satz der EU für US-Fahrzeuge bei 10 Prozent.
US-Autos zu groß für Europa
Doch das sei eben nicht der Grund für das Ungleichgewicht, sagt Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. „Die Autos aus Amerika sind bei uns schlicht unverkäuflich.“ Für Europa seien sie zu groß, der Benzinverbrauch viel zu hoch angesichts der hiesigen Spritpreise. „Du kannst hier kein Auto verkaufen mit acht Zylindern und 15 Litern Verbrauch.“ In den USA sei das angesichts der dortigen Benzinpreise kein Problem, in Europa schon.
Das jahrelang meistverkaufte US-Modell, der Pick-up-Truck Ford F-150, wird in Europa daher gar nicht offiziell angeboten, ebenso wenig wie das Konkurrenzmodell der Stellantis-Marke Ram. Konkurrenzfähige Klein- und Kompaktwagen hätten die US-Hersteller dagegen gar nicht im Angebot.
„Wenn man hier Autos verkaufen will, braucht man Modelle, die die Kunden auch wollen“, sagt Dudenhöffer. Das gelinge den US-Herstellern bisher aber nicht. Daran, so Dudenhöffer, könnten auch Zölle nichts ändern.
In umgekehrter Richtung treffen die von US-Präsident Donald Trump verhängten und seit Donnerstag geltenden Handelszölle die Autohersteller im Rest der Welt massiv. 2024 hatten Autos und andere Straßenfahrzeuge einen Anteil von 11,5 Prozent an den US-Importen. Dies entspricht einem Importwert von rund 385 Milliarden US-Dollar. Die US-Zölle verteuern nun die importierten Autos und zwingen die Hersteller zum Handeln.
Nissan stoppt Vermarktung zweier Modelle
Am Freitag reagierte Nissan als erster Hersteller. Der japanische Autobauer gab bekannt, zwei in Mexiko hergestellte SUV-Modelle nicht mehr in den USA zu vermarkten. Nissan „setzt die Bestellungen des Infini QX50 und des QX55“ aus, die in einer Fabrik in Mexiko für den US-Markt hergestellt werden, erklärte das Unternehmen. Die Produktion des Nissan Rogue hingegen werde „im Werk in Smyrna, Tennessee, beibehalten, um in den USA ein größeres lokalisiertes Volumen zu erhalten, das von den neuen Zöllen ausgenommen ist“.
Inflationsschock für die USA erwartet
Die Wirtschaftsweise Ulrike Malmendier geht davon aus, dass US-Präsident Donald Trump wegen der Auswirkungen seiner Zollpolitik innenpolitisch schon bald unter Druck stehen wird. Die US-Amerikaner seien nicht bereit, auf Wohlstand zu verzichten, sagte die Ökonomin von der University of California Berkeley im „Deutschlandfunk“.
Den USA steht ihrer Einschätzung nach ein „Inflationsschock“ bevor, und der werde der Regierung von Donald Trump zugerechnet werden. „Wenn ich es nicht mehr schaffe, das Essen für meine Familie auf den Tisch zu bringen, wenn ich mir Sorgen mache bei meinen täglichen Ausgaben, betrifft mich das unmittelbar.“ Es sei die Frage, wie Trump damit umgehe. Die negative Reaktion der Börsen und Finanzmärkte sei ein deutliches Signal, was die Wirtschaft davon halte.


US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, Zölle von mindestens 20 Prozent auf Waren aus Europa zu erheben. Sollte die EU jetzt mit gleicher Härte antworten? Ein Pro und Contra.