Übernahmeversuch durch Unicredit: Commerzbank baut weitere 3000 Stellen ab

Erst im Februar 2025 hatte die Commerzbank den Abbau von 3900 Vollzeitstellen bis Ende 2027 bekannt gegeben. Jetzt kommen weitere 3000 Stellen hinzu.
Michael Brandt/dpa- Commerzbank streicht bis 2030 zusätzlich etwa 3000 Vollzeitstellen – Aufbau in Zukunftsfeldern.
- Ziel: eigenständig bleiben und Investoren überzeugen, trotz Druck durch Unicredit.
- Starkes Q1 2026: 1,36 Mrd. operatives Ergebnis, 913 Mio. Euro Überschuss, Erwartungen übertroffen.
- Gewinnziele erhöht: mindestens 3,4 Mrd. Überschuss 2026, 4,6 Mrd. bis 2028, 5,9 Mrd. in 2030.
- Verdi und Betriebsrat sichern Schutzregeln zu, betriebsbedingte Kündigungen faktisch ausgeschlossen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die von der Unicredit bedrängte Commerzbank will durch einen weiteren Stellenabbau und ehrgeizigere Gewinnziele Investoren von ihrer eigenständigen Zukunft überzeugen. Bis 2030 sollen zusätzlich zu den bereits angekündigten Einsparungen konzernweit etwa 3000 weitere Vollzeitstellen gestrichen werden, wie der Dax-Konzern in Frankfurt mitteilte. Gleichzeitig sollen „in Wachstums- und Zukunftsfeldern“ Stellen aufgebaut werden. Ende 2025 hatte die Commerzbank weltweit 39.867 Vollzeitkräfte.
Erst im Februar 2025 hatte die Commerzbank den Abbau von 3900 Vollzeitstellen bis Ende 2027 bekannt gegeben, den Großteil davon in Deutschland. Damals hatte die Bank angekündigt, parallel dazu vor allem im Ausland neue Stellen zu schaffen, zum Beispiel bei der polnischen Tochter mBank sowie an Standorten in Asien.
Guter Start ins Jahr
Im ersten Quartal 2026 schnitt die Commerzbank besser ab als ein Jahr zuvor. Mit rund 1,36 Milliarden operativem Ergebnis und einem Überschuss von 913 Millionen Euro übertraf das Frankfurter Geldhaus das Vorjahresquartal jeweils um etwa zehn Prozent und übertraf auch die Erwartungen von Analysten.
Im Gesamtjahr 2025 hatte die Commerzbank trotz hoher Kosten für den laufenden Stellenabbau mit gut 2,6 Milliarden Euro unter dem Strich ihren Rekordgewinn von 2024 mit seinerzeit knapp 2,7 Milliarden Euro nur knapp verfehlt.
Für 2026 erwartet die Commerzbank im Rahmen ihrer überarbeiteten Strategie nun mehr Gewinn als bisher: Sie plant nun einen Überschuss von mindestens 3,4 Milliarden Euro, das sind 200 Millionen Euro mehr als bislang angepeilt. Bis 2028 soll das Ergebnis stärker als zuvor geplant auf 4,6 Milliarden steigen, 2030 sollen dann 5,9 Milliarden Euro unter dem Strich stehen.
Unicredit-Chef Andrea Orcel kritisierte jüngst öffentlich eine aus seiner Sicht seit Jahren „unterdurchschnittliche operative Leistung“ der Commerzbank. Ohne Neuausrichtung sei mittelfristig das Überleben des Instituts gefährdet. Die Unicredit ihrerseits verbuchte im ersten Vierteljahr 2026 mit 3,2 Milliarden Euro den höchsten Quartalsgewinn ihrer Geschichte.
Die Unicredit, die nach jüngsten Angaben knapp 30 Prozent der Commerzbank-Anteile kontrolliert und sich in den nächsten Wochen per Tauschangebot weitere Anteile sichern will, hatte jüngst für den Fall einer Commerzbank-Übernahme ein Umbauprogramm veröffentlicht.
Management, Betriebsrat und Belegschaft der Commerzbank wehren sich seit Monaten gegen das aus ihrer Sicht „feindliche“ Taktieren Orcels. Auch die Bundesregierung lehnt eine feindliche Übernahme der Commerzbank durch die Unicredit ab. Der Bund, der das Frankfurter Institut in der Finanzkrise 2008/2009 mit Steuermilliarden vor dem Kollaps bewahrt hatte, hält noch gut 12 Prozent der Anteile an dem Dax-Konzern.
Arbeitnehmervertreter stärken den Rücken
Arbeitnehmervertreter bei der Commerzbank haben ihrem Arbeitgeber den Rücken gestärkt. „Die Gewerkschaft unterstützt weiterhin eine eigenständige Commerzbank“, erklärte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi am Freitag. Angesichts der von der Commerzbank angekündigten Stellenstreichungen hätten Verdi und der Gesamtbetriebsrat der Commerzbank „kurzfristig Verhandlungen mit der Unternehmensleitung aufgenommen und konnten wichtige Schutzregelungen für die Beschäftigten vereinbaren“.
Die Gewerkschafter bekräftigten „ihre ablehnende Haltung zu einer möglichen Übernahme durch UniCredit“. Dadurch würden sich „erhebliche Risiken für Beschäftigung und Standorte“ ergeben. Kevin Voß, Commerzbank-Unternehmensbetreuer bei Verdi, erklärte dennoch, niemand dürfe „seinen Job gegen seinen Willen verlieren“.
In Verhandlungen mit der Geschäftsführung seien deshalb betriebsbedingte Kündigungen faktisch ausgeschlossen „sowie faire und attraktive Programme für freiwillige Austritte“ vereinbart worden. „Die Strategie der Commerzbank wird nur dann funktionieren, wenn sie sozial abgesichert ist“, erklärte Voß weiter.
